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Schlieren

"Vorderster Hoff des Spittals." Kolorierte Tuschzeichnung auf Pergament, Illustration von unbekannter Hand im Urbar der Spitalgüter in Schlieren, 1695 (Staatsarchiv Zürich, H I 111, pag. 1).
"Vorderster Hoff des Spittals." Kolorierte Tuschzeichnung auf Pergament, Illustration von unbekannter Hand im Urbar der Spitalgüter in Schlieren, 1695 (Staatsarchiv Zürich, H I 111, pag. 1). […]

Politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Dietikon, links der Limmat zwischen Zürich und Dietikon gelegen. 828 Sleiron. 1634 237 Einwohner; 1850 689; 1888 766; 1900 1670; 1950 6074; 1960 10'043; 2000 13'356.

Die frühe Besiedlung des Gemeindegebiets ist durch zwei latènezeitliche Gräber, römische Mauerreste sowie ein alemannisches Gräberfeld bezeugt. 828 urkundete das Kloster St. Gallen in Schlieren. Im Hochmittelalter hatten vor allem die Habsburger, ihr Gefolgschaftsadel und Zürcher Bürger in Schlieren Grundbesitz. Durch Käufe, Schenkungen sowie Besitzverschiebungen während der Kirchenreform wurden das Kloster Wettingen und das Zürcher Spital ab dem 13. Jahrhundert die wichtigsten Grundherren. Die hohe und niedere Gerichtsbarkeit lag bis 1173 bei den Grafen von Lenzburg, danach bei den Habsburgern. 1259 verkauften Letztere ihren Grundbesitz und alle Rechte ausser der Hochgerichtsbarkeit an Wettingen. Das Kloster blieb bis 1798 Inhaber von Twing und Bann und der Vogtei, die eine Art mittlere Gerichtsbarkeit einschloss; die Offnung datiert um 1370. Hochgerichtlich gehörte Schlieren 1415-1798 zur Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft der Eidgenossen.

Die 1245 erwähnte Kapelle mit dem 1425 nachweisbaren Patrozinium St. Agatha war eine Filiale von St. Peter in Zürich. 1379 wurde sie mit der Mutterkirche dem Zürcher Spital inkorporiert, das von da an Zehnten und Kirchensatz von Schlieren besass. 1498 wurde Schlieren selbstständige Pfarrei. Die Kapelle wurde 1485 und 1713 erweitert sowie 1937 durch eine neben ihr errichtete grössere Kirche ersetzt. Mit Zürich nahm Schlieren die Reformation an und blieb bis ca. 1850 rein reformiert. Erst Schlierens Entwicklung zum Industrieort führte zum Zuzug von Katholiken, die 1924 eine katholische Kirchgemeinde gründeten. Die katholische Kirche St. Joseph von 1923 wurde 1960 durch ein grösseres Gotteshaus ersetzt. Seit 1981 stellen die Katholiken von allen Religionen und Bekenntnissen den grössten Anteil an der Gemeindebevölkerung. Zu dieser Entwicklung trugen auch die vielen zugewanderten Gastarbeiter bei; 2009 lag der Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung bei 43%.

Werbeplakat für rostfreie Kannen, gestaltet vom Grafiker Philipp Arlen, 1926 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Werbeplakat für rostfreie Kannen, gestaltet vom Grafiker Philipp Arlen, 1926 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). […]

1798 kam Schlieren zum helvetischen Kanton Baden, 1803 zum Kanton Zürich. Vom Bezirk Horgen wechselte es 1816 zum Bezirk Zürich-Land und 1989 zum neuen Bezirk Dietikon. 1974 wurde die Gemeindeversammlung durch den Grossen Gemeinderat ersetzt und Schlieren zur Stadt erklärt, 2006 die Bürgergemeinde auf Weisung des Kantons aufgehoben.

Bis ca. 1870 blieb Schlieren ein mit Kleinhandwerkern und wenigen Läden durchsetztes Bauerndorf. Als erster und lange einziger Industriebetrieb zog 1868 die Leimfabrik Heinrich Glättlis nach Schlieren, die 1880 von der Familie Geistlich übernommen und schrittweise zu einem Chemieunternehmen (seit 1909 AG, seit 1999 Holdinggesellschaft) ausgebaut wurde. 1894-1900 folgte der grosse Industrialisierungsschub mit der Ansiedlung des Gaswerks der Stadt Zürich, der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik und von Unternehmen aus der Bau- und der Chemiebranche. Gross- und Mittelbetriebe dieser Sparten sowie der Metall-, Maschinen-, Textil- und Gebrauchsgüterindustrie prägten bis um 1980 Schlierens wirtschaftliches Gesicht. Nach der Schliessung (u.a. 1974 des Gaswerks, 1985 der Wagonsfabrik) und der Abwanderung (u.a. Sibir-Kühlapparate GmbH) vieler bedeutender Firmen überwiegen seit den 1990er Jahren kleinere und mittlere Betriebe, vor allem solche aus den Bereichen Computer- und Biotechnik und dem Dienstleistungssektor. Als Folge der wirtschaftlichen Umstrukturierung verschob sich das politische Gewicht in Schlieren ab den 1990er Jahren von der SP und FDP zur SVP.

Schlieren ist seit 1847 Bahnstation, seit 1900 in das lokale Verkehrsnetz der Stadt Zürich eingebunden und seit ca. 1950 ein Zentrum des regionalen Busverkehrs. Die 1971 eröffnete Autobahn A1 und zwei Hochleistungsstrassen belasteten Schlieren 1990-2006 mit einem täglichen Durchgangsverkehr von ca. 84'000-96'000 Fahrzeugen.

Nachdem schon ab 1627 regelmässiger Schulunterricht erteilt worden war, wurde 1732 das erste Schulhaus in Schlieren erbaut. Die Sekundarschule besteht seit 1901. Schlieren gehört ferner dem Gemeindeverband an, der die 1993 gegründete Berufswahlschule Limmattal mit Schulen in Schlieren und Dietikon führt. Schlieren ist seit 1970 Standort des Limmattal-Spitals, das von 16 Gemeinden getragen wird. Das 1985 eröffnete Postbetriebszentrum Mülligen wurde zu einem der drei nationalen Briefzentren ausgebaut (2007 Betriebsaufnahme).

Quellen und Literatur

  • Jahrh. von Schlieren 1-, 1954-
  • Zürcher Denkmalpflege, Ber. 4, 1964/65, 95-97
  • P. Nussberger, E. Schneiter, Chronik der Stadt und des Bez. Zürich, 1964
  • Jber. des SLM 91, 1982, 22-25
Von der Redaktion ergänzt
  • Grunder, Karl: Der Bezirk Dietikon, 1997 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, 9), S. 188-264.

Zitiervorschlag

Fortuna, Ursula: "Schlieren", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.11.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000165/2012-11-20/, konsultiert am 21.01.2022.