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Ersigen

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Burgdorf, Verwaltungskreis Emmental, umfasst das Strassendorf Ersigen (Ober- und Unterdorf) entlang der Ösch, den Ortsteil Rudswil, Hofgruppen und Einzelhöfe sowie seit 2016 Niederösch und Oberösch. 1112 Ergisingen. 1764 409 Einwohner; 1850 1149; 1870 1283; 1900 1113; 1950 1194; 2000 1483.

Früh besiedeltes Gebiet mit vermutlich neolithischen Einzelfunden bei Rudswil (Bad) und bei der Tonwarenfabrik; hallstättischer Grabhügel im Allmendwald sowie Reste eines römischen Gutshofs im Murrain. Aus dem Mittelalter ist ein Gräberfeld belegt, das möglicherweise auf den Einfall der Gugler (1375) zurückgeht; ein Hinweis auf eine mittelalterliche Burg fehlt. Die 1112-1418 erwähnten zähringisch-kyburgischen Ministerialen von Ersigen waren Burger von Burgdorf. Sie waren vermutlich neben Klöstern (u.a. Fraubrunnen) die grössten Grundherren in Ersigen, doch gelangte ihr Besitz in andere Hände. 1367 verkauften ihn die Herren von Sumiswald an Peter von Thorberg, der 1397 Güter, Wälder und Niedergericht seiner Kartause Thorberg übergab. Hochgerichtlich unterstand Ersigen der Landvogtei Wangen (Urteil 1473), niedergerichtlich ab 1528 dem Thorberger Landvogt. 1803 erfolgte die Zuteilung zum Oberamt (später Amtsbezirk) Burgdorf. Die 1481 erstmals erwähnte Kapelle Ersigen wurde als Filiale vom Leutpriester der Pfarrkirche Kirchberg betreut. Sie unterstand dem elsässischen Kloster Selz und kam 1481 an Bern. Die Kapelle, von der keine Überreste mehr vorhanden sind, wurde nach 1528 aufgegeben. Ersigen blieb als Teil der Kirchgemeinde Kirchberg unter dessen Pfarrkirche. Die mittelalterlichen Zelgdörfer Ersigen und Rudswil verfügten im jeweiligen Grenzbereich über eine Weidegemeinschaft mit Oberösch (1434, 1516) und Kirchberg (Teilung 1465) sowie über beschränkte Holznutzung im Herrschaftswald. Die Gemeinde trug zum Unterhalt der Emmenbrücke (1640) und der Landstrasse Bern-Zürich bei, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neu angelegt wurde. 1876 bzw. 1883 kaufte sich Ersigen von der Bau- und Schwellenpflicht los. Früh stellte die Gemeinde auf Milchwirtschaft um, 1824 entstand eine Käserei. 1836 erwarb Ersigen vom Staat die ehemals thorbergischen Wälder auf dem Gemeindegebiet (1849 privatisiert). 1868 wurde das Moos entsumpft. 1941-1948 erfolgte eine Güterzusammenlegung gemeinsam mit Ober- und Niederösch. Die Bachverbauung und die Kanalisation entstanden 1984. Ersigen liegt zwar abseits der Bahnlinien, doch nahe am Autobahnanschluss Rüdtligen-Alchenflüh der A1 (1965). Dies förderte die Entstehung zahlreicher Neubauquartiere, so dass sich Ersigen zur Pendlergemeinde entwickelte (Pendlerverkehr v.a. Richtung Bern und Solothurn). Während in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Bad Rudswil als Kurhaus bekannt gewesen ist, stellen nun eine Tonwaren- und eine Pflugfabrik Arbeitsplätze. Die Wirtschaftsstruktur wird jedoch von der Landwirtschaft und vom Kleingewerbe dominiert.

Quellen und Literatur

  • Heimatbuch des Amtes Burgdorf und der Kirchgem. Utzenstorf und Bätterkinden, 2 Bde., 1930-38
  • F. Dick et al., Ersigen: üses Dorf, 1988
  • A. Moser, Bauinventar der Gem. Ersigen, 1991

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Ersigen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.09.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000242/2016-09-14/, konsultiert am 08.12.2022.