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Utzenstorf

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Fraubrunnen, Verwaltungskreis Emmental. Die Gemeinde umfasst Ober- und Unterdorf, die Weiler Schachen, Ei und Altwiden sowie Einzelhöfe am rechten Emmenufer und nördlich des Dorfs Schloss und Domäne Landshut. 1175 Uzansdorf. 1764 852 Einwohner; 1850 1651; 1900 1843; 1950 2527; 2000 3649.

Pfarrhaus und Kirche. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, 25. August 1824 (Schweizerische Nationalbibliothek, Sammlung Gugelmann).
Pfarrhaus und Kirche. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, 25. August 1824 (Schweizerische Nationalbibliothek, Sammlung Gugelmann). […]

Das vermutlich neolithische Erdwerk mit Wohngrube und Silices auf dem Bürglenhubel sowie Einzelfunde am Lindenrain zeugen von früher Besiedlung. Ferner trat im Schnäggefeld ein latènezeitliches Einzelgrab mit Beigaben zutage. In hochburgundischer Zeit wird 1009 eine Grafschaft Uranestorfus erwähnt. In zähringisch-kyburgischer Zeit war die Burg Landshut Zentrum des Amts Utzenstorf und einer Grund- und vollen Gerichtsherrschaft über das Ober- und Unterdorf Utzenstorf, wie dies noch das Herrschafts- und Dorfrecht von 1416 festhält. 1514 kam Utzenstorf mit Burg und Kirchensatz an Bern und zur neugeschaffenen Landvogtei Landshut. Das Dorf gehörte im Hochmittelalter vermutlich zur Pfarrei Kirchberg, in deren Zehntgebiet es lag. 1481 erwarb Bern den Zehnten. Die im 11. oder 12. Jahrhundert erbaute Kirche wird 1275 erstmals erwähnt. 1457 entstand am selben Ort ein Neubau, unter dem Patrozinium von Martin. Vermutlich handelte es sich um eine kyburgische Eigenkirche. Eine 1529 restlos abgebrochene Jostkapelle lag am Weg nach Kirchberg. Die reformierte Kirchgemeinde umfasst Utzenstorf, Wiler und Zielebach. Jeremias Gotthelf verbrachte als Pfarrerssohn einen Teil seiner Kindheit in Utzenstorf und versah hier später auch Vikariate für seinen Vater. 1960 wurde die katholische Kirche für 24 politische Gemeinden der Region gebaut.

Das Ackerbauerndorf bewirtschaftete sein eigenes Zelgsystem, hatte aber Nutzungsrechte in den Wäldern der Schlossdomäne. Interkommunale Weidgänge führten im 16. Jahrhundert zu Streit und danach zur Festlegung von Gemeindegrenzen, unter anderem 1505-1526 mit Bätterkinden und 1596 mit Wiler und Zielebach. Im 16. Jahrhundert siedelten sich Tauner im Schachen und in der Ei an. Sie verlangten 1556 und 1688 Anteil an der bäuerlichen Allmend. Im 17. Jahrhundert wurde die Uferverbauung der Emme unter den Anstössergemeinden geregelt; aber erst die staatliche Emmekorrektion ab 1884 unterband die periodischen Überschwemmungen. Bis zum Brückenbau 1747 bestand nach Bätterkinden nur ein Emmensteg. Die Lage an der rechtsufrigen Strasse nach Solothurn und ab 1875 an der Eisenbahnlinie Solothurn-Burgdorf mit Anschluss nach Thun förderte Utzenstorfs Landwirtschaft und das agrarische Gewerbe, darunter die Handelsmühle, die Käserei oder die landwirtschaftliche Genossenschaft. 1892 eröffnete mit der Papierfabrik ein erster Industriebetrieb, 1894-1952 gab es eine Biskuitfabrik. Weiter sind Werkzeugbaufirmen, Kieswerke, Baufirmen und ein Altpapierwerk zu nennen. Der 1945 geplante internationale Flughafen auf der Emmenebene scheiterte an der Opposition der Bevölkerung. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden Neubauquartiere, ab 1980 wurde der Dorfkern ausgebaut. Im Schulverband mit Bätterkinden, Wiler und Zielebach bietet Utzenstorf alle Schulstufen inklusive der 1892 gegründeten Sekundarschule an.

Quellen und Literatur

  • SSRQ BE II/10
  • C. Lerch, Utzenstorf, 1955
  • Utzenstorf im Spiegel alter Fotos und Postkarten, 1988
  • A. Baeriswyl, Die Kirche Utzenstorf, 2004
  • P. Bannwart, Bauinventar der Gem. Utzenstorf, 2005

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Utzenstorf", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.01.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000313/2014-01-14/, konsultiert am 13.04.2024.