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Bönigen

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli. Das Dorf Böningen liegt an der Mündung der Lütschine in den Brienzersee, am Fuss des Grates Schynige Platte-Rotenfluh. 1261 villa Boningen. 1764 346 Einwohner; 1850 1263; 1900 1515; 1950 1734; 2000 2182; 2010 2377; 2020 2522.

Bönigen: Situationskarte 2022 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2023 HLS.
Bönigen: Situationskarte 2022 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2023 HLS.

Am Weg nach Iseltwald wurde ein Kalkbrennofen entdeckt. Die älteste Dorfanlage entstand auf dem vor Hochwasser sicheren Schuttkegel des Hauetenbachs. Erweiterungen an der Strasse nach Interlaken und im Sand folgten nach der Verbauung der Lütschine im 18. Jahrhundert und der Seespiegelabsenkung um 1860. Bönigen war Reichslehen der Freiherren von Eschenbach, die es 1261 und 1275 mit Iselten- und Künzlenalp dem Kloster Interlaken übergaben. Das Dorf war in alle Aufstände des Berner Oberlands verwickelt: Hier wurden 1330 die Leute von Oberhasli im Weissenburger Krieg geschlagen (von Weissenburg). Bönigen nahm 1349 an der erfolglosen Empörung gegen das Kloster Interlaken und 1528 am Widerstand gegen die Reformation teil. Nach der Säkularisation des Klosters 1528 kam Bönigen an die bernische Landvogtei Interlaken. Eine Kapelle im Ortsteil Chappeli wurde nach 1528 abgebrochen. Kirchlich gehört Bönigen zu Gsteig-Interlaken (Kirchgemeinde); die 1957 erstellte Kirche ist Zentrum des Pfarrkreises Bönigen-Iseltwald. 1814 und 1836 sympathisierte man in Bönigen mit einem Kanton Oberland. 1812 wurde der Brandwald der Burgergemeinde dem Staat Bern vertraglich zugeteilt. Mit dem Ausscheidungsvertrag von 1860/1861 erfolgte die Separierung von Burger- und Einwohnergemeinde; Bönigen wurde ab 1900 als Gemischte Gemeinde verwaltet; seit 1999 agiert die Burgergemeinde wieder eigenständig. Bönigen gehörte 1803-1830 zum Oberamt bzw. 1831-2009 zum Amtsbezirk Interlaken.

Neben der Viehwirtschaft in Tal- und Alpbetrieb mit noch drei Alpgenossenschaften auf der Künzlenalp in den 1990er Jahren entwickelte sich die Zimmerei (Holzwirtschaft). Nach dem Bau des Lütschinenkanals 1835 siedelte sich Gewerbe wie die Holzschnitzerei an, die um 1900 von ca. 100 Schnitzern betrieben wurde. Mit Hotelbauten (ab 1829) und einer Quaianlage (1907) entwickelte sich Bönigen auch zum Luft- und Molkenkurort am See. Die 1874 auf der Linie Därligen-Bönigen in Betrieb genommene Bödelibahn (1969 Teilstück Interlaken-Bönigen aufgehoben) und der Autobus nach Interlaken (vor 1906) förderten zudem den Tourismus. 1990 waren 62% der in Bönigen Erwerbstätigen im 3. Sektor beschäftigt, viele der 63% Wegpendler arbeiteten im Raum Bödeli. Grösste Arbeitgeber der Gemeinde waren die Werkstätten der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS, 1916) und der Militärflugplatz (1945, Reorganisation ab 1996).

Quellen und Literatur

  • Rubi, Christian: «Dorfpflege in Bönigen», in: Jahrbuch vom Thuner- und Brienzersee, 1967, S. 25-36.
  • Michel, Peter: Bönigen, [1994].
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1261: villa Boningen

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Bönigen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.03.2023. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000327/2023-03-27/, konsultiert am 14.06.2024.