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Walkringen

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Konolfingen, Verwaltungskreis Bern-Mittelland, die im oberen Bigental liegt und die Dörfer Walkringen, Bigenthal und Wikartswil, die Weiler Schwendi und Wydimatt sowie Einzelhöfe umfasst. 1220 Walcheringin. 1764 1018 Einwohner; 1850 2055; 1900 1932; 1950 2049; 2000 1956.

Aus der Bronzezeit stammen Einzelfunde im Moos, römische Leistenziegel wurden im Buchserwald entdeckt. Erdwerke auf dem Adlisberg (Zwingherrenhubel), in Wikartswil, Bigenthal (Obermadwald) und Jegerleenscheuer verweisen auf einheimische Herren im Mittelalter, als das Kirchspiel Walkringen noch zum Emmentaler Landgericht Ranflüh gehörte. Das Dorf Walkringen mit der Kirche und vier Höfen sowie Wikartswil bildeten zwei Niedergerichte, die Ende des 13. Jahrhunderts mit dem Kirchensatz Walkringen an die Herren von Kien zur Herrschaft Worb und so zum Landgericht Konolfingen kamen. 1398 schenkte Verena von Seedorf Walkringen samt Kirchensatz, aber ohne Wikartswil und Bigenthal dem Kloster Thorberg, das die Pfarrei Walkringen 1413-1418 inkorporierte. Nach der Reformation vereinte Bern den Twing Walkringen mit jenem von Konolfingen unter der Verwaltung des Landvogts auf Thorberg. Im 19. Jahrhundert kam das Kirchspiel mit Walkringen, Wikartswil und Bigenthal auch politisch wieder zusammen: 1803 im Oberamt Konolfingen und 1834 als Einwohnergemeinde. Die frühmittelalterliche, 1239 erwähnte Kirche weist Bestattungen ab dem 7. Jahrhundert und Vorgängerbauten ab dem 9. Jahrhundert auf. Der heutige Bau stammt von 1514-1515.

Das Zelgdorf Walkringen pflegte bis zur Allmendteilung 1533 Weidegemeinschaft mit acht Dörfern, darunter Biglen, mit dem sich Walkringen vermutlich 1609 den Wald am Adlisberg teilte. Nachdem die Herren von Kien nach 1380 den oberen Biglenbach zum Antrieb ihrer Mühle zum Teil nach Worb abgezweigt hatten, kam es 1436-1848 zu zahlreichen Prozessen um Wässerungsrechte im Bigental. Entwässerungen ab 1848 und Meliorationen 1944 machten das bereits 1844 verteilte ehemalige Weideland im Moos urbar. Die Tauner, die sich im 17. Jahrhundert mit den Bauern um Weideanteile stritten, verdienten mit Spinnen und Weben dazu. Am Übergang vom Aare- ins Emmental betrieb Bern in Walkringen eine Zollstätte (1507 Zollrodel). Dank guter Verkehrslage wurde Walkringen im 18. und 19. Jahrhundert zum Zentrum der Leinwandhausweberei. Verleger, später Fabrikanten wie die Miescher, Geissbühler und Röthlisberger gründeten auch in Worb und Burgdorf Betriebe. Nach dem Niedergang der Textilindustrie siedelten sich neue Branchen, unter anderem der Holz-, Maschinen- und Apparatebau, ein Kieswerk und eine Handelsmühle sowie Kleingewerbe an. Walkringen verfügt über zwei Stationen an der 1899 eröffneten Bahnlinie Burgdorf-Thun. Im Hügelgebiet dominiert Landwirtschaft. In Walkringen befinden sich die Anlernwerkstätte Friederika-Stiftung für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten, die Jugend- und Tagungsstätte der Christengemeinschaft und die sozialtherapeutische Wohn- und Beschäftigungsstätte Sunnegg, ferner ein Alters- und Pflegeheim. Die Gemeinde unterhält Schulhäuser in Walkringen, Bigenthal und Wikartswil.

Quellen und Literatur

  • F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern bis 1798, 2 Bde., 1958-68
  • U. Boos, E. Schneeberger, Bauinventar der Gem. Walkringen, 1999
  • B. Haenni, Gesch. der Gem. Walkringen, 2000
  • T. Kästli, Hand-Schrift: 100 Jahre Friederika-Stiftung 1906-2006, 2006
  • A.-M. Dubler, «Adels- und Stadtherrschaft im Emmental des SpätMA», in AHVB 90, 2013, 33-109, v.a. 48-50

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Walkringen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.08.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000374/2013-08-07/, konsultiert am 23.04.2024.