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LaNeuvevilleGemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Verwaltungskreis Berner Jura. La Neuveville liegt zwischen Jura und Bielersee und grenzt im Westen an den Kanton Neuenburg. Es umfasst den Weiler Chavannes. 1314 Nova-villa, deutsch Neuenstadt. 1800 1178 Einwohner; 1850 1719; 1900 2248; 1950 2709; 1970 3917; 2000 3445, 2010 3495 (15,8% Deutschsprachige).

Das Städtchen vom See aus betrachtet, 1740. Dem Maler Johann Grimm zugeschriebenes Gemälde (Musée d'art et d'histoire de La Neuveville; Fotografie Charles Ballif).
Das Städtchen vom See aus betrachtet, 1740. Dem Maler Johann Grimm zugeschriebenes Gemälde (Musée d'art et d'histoire de La Neuveville; Fotografie Charles Ballif). […]

Anlässlich der Ausgrabungen bei der sogenannten Blanche Eglise 1984 kamen Funde aus der Bronze- (Keramik) und Eisenzeit (Siedlungsspuren) sowie römische Überreste (Bauschutt) zu Tage. Zwei Gräber weisen auf die Existenz einer Kirche aus der vor- oder frühkarolingischen Zeit. Das Gebiet von La Neuveville gelangte 999 aufgrund der Schenkung der Abtei Moutier-Grandval, die hier zahlreiche Güter besass, an das Fürstbistum Basel. Ab dem 12. Jahrhundert bezog hier auch die Abtei Bellelay den Zehnten. Vor der Stadtgründung von La Neuveville durch den Fürstbischof von Basel um 1310 verschmilzt die Geschichte des Orts mit jener von Nugerol, einem Gebiet, das zwischen dem Fürstbischof und dem Grafen von Neuenburg umstritten war. In diesem Kontext liess Fürstbischof Heinrich von Isny 1283-1288 die Burg Schlossberg bauen (über der heutigen Stadt). Aus denselben Motiven gründete dessen Nachfolger Fürstbischof Gérard de Vuippens die Stadt und schob damit den territorialen Ansprüchen der Grafen von Neuenburg östlich des Bachs Ruz de Vaux einen Riegel; noch heute bezeichnet der Ruz de Vaux die Kantonsgrenze. Auch wenn der Freibrief erst von 1318 datiert, wird bereits 1310 ein Bürger von La Neuveville erstmals erwähnt. Zur selben Zeit begann wohl der Bau der Stadt, der bis 1318 dauerte. Die These, wonach La Neuveville durch Flüchtlinge des 1301 zerstörten La Bonneville (Val-de-Ruz) errichtet worden sei, lässt sich nicht aufrechterhalten. Das Stadtrecht gewährte dem neuen Ort, der als Vorposten des Fürstbischofs und als Garnisonsort diente, grosse Autonomie. Bis zur Besetzung des südlichen Teils des Fürstbistums Basel durch die Franzosen 1797 fallen die Geschichte der Stadt und jene der gleichnamigen Kastlanei zusammen. Im Gefolge des Streits zwischen Bischof Johann von Vienne und der Stadt Bern wurden La Neuveville und die Burg Schlossberg, in die sich der Prelat geflüchtet hatte, 1367 von den Berner Truppen belagert. Doch drängten die Einwohner von La Neuveville die Berner zurück. Aus Dank für die bezeugte Loyalität gestand der Fürstbischof 1368 der Stadt zusätzliche Rechte zu, die 1386 und 1539 bestätigt wurden. Auf dieser Grundlage entfaltete sich das politische System von La Neuveville, das während vier Jahrhunderten Bestand hatte. Die Stadt besass einen Grossen und Kleinen Rat, der anfänglich je zwölf, ab 1504 je 24 Mitglieder zählte, ferner zwei Bürgermeister, der eine im Amt, der andere "ruhend". Auf das Landgericht, den plaid de Sales, das bereits vor der Stadtgründung existiert hatte, folgte der grand plaid, an dem sich die Stadtbewohner versammelten. Die Zusatzrechte von 1368 gewährten der Stadt auch ein Banner und das Mannschaftsrecht für die Herrschaften Tessenberg und Erguel, was La Neuveville eine gewisse militärische Unabhängigkeit sicherte. 1388 schloss es mit Bern einen Burgrechtsvertrag, der 1633 erneuert wurde, 1395 einen weiteren mit Biel, dem es sein Bannerrecht über das Erguel abtrat. 1604 und 1704 wurden Stadtordnungen angenommen. Nach einer langen Zeit der politischen Beständigkeit erschütterten im 17. und 18. Jahrhundert Unruhen die Stadt, besonders heftig jene von 1711-1713 und 1714-1717, während derer La Neuveville mit dem Fürstbischof Johann Konrad von Reinach im Streit lag und die auf Intervention Berns im Abkommen von Reiben beigelegt wurden. 1734 gingen von Jean Rodolphe Petitmaître politische Turbulenzen aus. Unter der französischen Herrschaft unterstand La Neuveville mit dem südlichen Teil des Fürstbistums 1797-1800 dem Departement Mont-Terrible als dessen Hauptort, 1800-1813 dem Departement Haut-Rhin. Dann kam es 1815 zum Kanton Bern, war ab 1816 Teil des Oberamts Erlach, 1831-1846 des Amtsbezirks Erlach und 1846-2010 Hauptort des französischsprachigen Amtsbezirks La Neuveville. Seit 1834 besteht die Einwohnergemeinde neben der Burgergemeinde. 1973 forderte die neue Partei Forum neuvevillois erstmals die Freisinnig-Demokratische, die Sozialdemokratische und die Schweizerische Volkspartei heraus. Bei den Juraplebisziten von 1974 und 1975 stimmte die Bevölkerung von La Neuveville für den Verbleib beim Kanton Bern. Seit der Schaffung des Conseil du Jura bernois 2006 ist die Stadt Sitz der Organisation.

Die Kapelle Saint-Ursanne, seit 1276 Blanche Eglise genannt, wird bereits 866 in einer Bestätigungsurkunde von König Lothar II. für die Abtei Moutier-Grandval erwähnt. Das Patronatsrecht ging im 12. Jahrhundert an die Abtei Bellelay. Die Kirche, die 1984-1985 renoviert wurde, erfuhr durch die Jahrhunderte hindurch bedeutende Veränderungen. Es lassen sich zwölf Bauetappen nachweisen. Das Gebäude weist Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert auf, die 1914 restauriert wurden. 1312 wurde innerhalb der Stadtmauern die Kapelle Sainte-Catherine errichtet. Bern führte 1529 und 1530 durch Guillaume Farel die Reformation ein. Im 17. Jahrhundert war La Neuveville für die hugenottischen Flüchtlinge ein wichtiger Durchgangsort. Die nach dem Vorbild des Temple du Bas in Neuenburg 1729 erbaute reformierte Kirche wurde am Ort der Kapelle Sainte-Catherine und der alten Kornhalle errichtet. Die katholische Kirche Notre-Dame-de-l'Assomption entstand 1954, die Pfarrei 1967.

Ab 1338 besass La Neuveville einen Wochenmarkt; das Marktrecht hatte Bischof Johann Senn von Münsingen verliehen. Schon früh sind die drei Zünfte der Schumacher (Escoffiers), der Rebleute und der Fischer bezeugt, die unter der französischen Herrschaft ein erstes Mal aufgelöst wurden und 1869 endgültig verschwanden. Das sozioökonomische Leben wurde vor allem vom Rebbau als lange Zeit wichtigste Einnahmequelle und vom Fischfang bestimmt. Ab dem 17. Jahrhundert verfügte die Stadt über eine Lateinschule und ab dem 18. Jahrhundert beherbergte sie Schulpensionate für fremdsprachige junge Leute.

Obwohl die geografische Lage zwischen See und Jura eine Erweiterung der Stadt verhinderte und die Altstadt und Stadtmauern von La Neuveville unversehrt geblieben sind, sorgten der Bau der Seestrasse um 1830 und der Eisenbahnstrecke Biel-Neuenburg 1860, die erste Juragewässerkorrektion 1868-1891 sowie die Eröffnung der A5 1977 für eine gute Erschliessung. Ab dem 19. Jahrhundert siedelte sich in La Neuveville Industrie an, vor allem Betriebe der Uhrenindustrie, die noch 2005 36% der Arbeitsplätze in La Neuveville anbot. Die grössten Firmen Lamineries Matthey (1901 gegründet), Polissage Auchlin (1945), Frifri (1947, Hersteller von Industriefriteusen, 2008 weggezogen), Capsa (1951, Hersteller von Uhrenteilen), Rollier SA (1979, Hersteller von Metallwerkzeugen) und Rama Watch (1983, Uhrenfabrikation) beschäftigen je rund 50 Personen. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts spielt der Rebbau eine gewichtige Rolle. Die Anbaufläche verringerte sich nur gering von 90 Hektaren 1980 auf 84,8 Hektaren 2008, vor allem wegen den grösseren Produktionsanlagen der einzelnen Betriebe, von denen es 2008 rund ein Dutzend gab. Seit dem 20. Jahrhundert entwickelt sich der Tourismus sowie der Pflege- und Bildungsbereich mit der 1912 gegründeten, angesehenen Handelsschule, mit dem seit 1864 bestehenden Asyl Montagu, aus dem das Altersheim hervorging, mit der 1906 errichteten Pflegeanstalt Mon Repos für Chronischkranke (2008 rund 160 Angestellte) und mit dem 1995 gegründeten Architekturbüro Oï (2008 rund 20 Mitarbeiter). Das Historische Museum besteht seit 1877 (seit 1959 in neuen Räumlichkeiten), das in Chavannes beheimatete Museum über den Rebbau am Bielersee seit 1973.

Quellen und Literatur

  • Burgerarchiv, La Neuveville
  • A. Gross, C.-L. Schnider, Histoire de La Neuveville, 1914 (Neudruck 1979)
  • F. Imer, La Neuveville, 1969
  • A. Moser, I. Ehrensperger, Jura bernois, Bienne et les rives du lac, 1983, 124-145
  • J.-M. Gertsch, A. Rothenbühler, Le refuge huguenot à La Neuveville, 1604-1715, Lizenziat Neuenburg, 2 Bde., 1985
  • P. Hirt, R. Gossin, "Restauration de la Blanche Eglise de La Neuveville", in Actes de la Société jurassienne d'émulation, 1986, 333-345
  • A. Glaenzer, "Nugerol", in Musée neuchâtelois, 1996, 55-66
  • N. Maillard, Recensement architectural de la Commune de La Neuveville, 2004
  • F. Dubois, La Neuveville, 1797-1815, 2007
  • J.-C. Rebetez, "La charte de franchises de La Neuveville: date, contenu, signification et évolution au XIVe siècle", in Actes de la Société jurassienne d'émulation, 2013, 207-222
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1314: Nova-villa
Endonyme/Exonyme
Neuenstadt (deutsch)