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Belp

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Verwaltungskreis Bern-Mittelland, und ehemalige Freiherrschaft (bis 1798). Die Gemeinde am Talausgang der Gürbe ins Belpmoos und links der Aare umfasst das Dorf Belp, die Weiler Viehweide, Heitern, Hofmatt, Aussenhöfe, den Regionalflugplatz Bern-Belp, die Quartiere Eissel (entstanden 1956-1975), Montenach (1960er Jahre), Schafmatt (1970er Jahre), Hühnerhubel (1980) und seit der Fusion 2012 Belpberg. 1263 Belpo. 1764 789 Einwohner; 1850 1970; 1900 2343; 1950 4066; 2000 9193; 2010 10'636.

Ansicht des Dorfes von Westen gegen das Belpmoos, im Vordergrund das Alte Schloss. Aquarell von Albrecht Kauw, 1671 (Bernisches Historisches Museum; Fotografie Stefan Rebsamen).
Ansicht des Dorfes von Westen gegen das Belpmoos, im Vordergrund das Alte Schloss. Aquarell von Albrecht Kauw, 1671 (Bernisches Historisches Museum; Fotografie Stefan Rebsamen).

Neolithische Einzelfunde (Tuchfabrik), bronzezeitliche Gräberfelder (Hohliebe, Aebnit, Bützacker) und latènezeitliche Funde (Dorf, Sonneggstrasse) belegen die frühe Begehung bzw. Besiedlung des Gebiets. Aus dem Hoch- und Spätmittelalter sind drei Burganlagen (Holzburgen) bekannt: Fahrhubel, 700 m nordwestlich der Hunzigenbrücke (Burgberg abgetragen), Hohburg am nördlichen Abhang des Belpbergs (spärliche Mauerreste) und Hölzernes Schloss (1783 abgebrochen) im Dorf Belp zwischen Gürbe und Amtssitz. Die Siedlungsentwicklung litt bis zur umfassenden Flusskorrektion im 19. Jahrhundert unter den Überschwemmungen der Gürbe im Dorf und der Aare auf der Allmend.

Freiherrschaft

Stammburg war die Holzburg am Belpberg. Die Freiherren von Belp-Montenach dehnten ihren Einfluss im 12. und 13. Jahrhundert über ihre Stammherrschaft Belp auf die Herrschaften Montagny und Gerenstein aus. Ab 1277 bestand wieder eine kleine Herrschaft Belp mit den Schwerpunkten Belp und Belpberg. Nach dem Gefecht am Donnerbühl/Dornbühl 1298 zerstörten Berner Truppen die Burg und erzwangen 1306 einen Burgrechtsvertrag mit den Freiherren von Belp, der diesen eine neue Holzburg im Dorf zugestand (Hölzernes Schloss, um 1327). Nach dem Aussterben des Mannesstamms gelangte die Freiherrschaft Belp mit Hoch- und Niedergerichten an die bernburgerlichen Familien von Wabern 1383, vom Stein und von Luternau 1491, von Luternau allein 1550 (Bau des Alten Schlosses), Stürler 1624 (Vergrösserung des Schlosses), Muralt 1700 und von Wattenwyl 1720. Die Herrschaftsrechte wurden 1798 aufgehoben. 1810 erwarb der Staat Bern das Schloss von Karl von Wattenwyl und nutzte es als Sitz der Verwaltung des neu geschaffenen Oberamts bzw. Amtsbezirks Seftigen.

Gemeinde

Die 1228 erwähnte Kirche (Peter-und-Pauls-Patrozinium, romanische Bausubstanz) war vermutlich eine Gründung der Freiherren von Belp. Der Kirchensatz kam 1334 an das Kloster Interlaken, nach dessen Säkularisation 1528 mit der von Interlaken betreuten Kaplanei (1490 erwähnt, Marienpatrozinium) an Bern. In Steinbach ausserhalb des Dorfs an der Strasse nach Bern entstand um 1490 das Siechenhaus (1962 abgebrannt) des grossen Kirchspiels. 1699 trennte Bern die neu gegründete Kirchgemeinde Zimmerwald ab. Zur Kirchgemeinde Belp gehören auch Belpberg und Toffen. Die Siedlung erhielt ab dem 16. Jahrhundert neue Akzente durch Herrschaftssitze von Berner Patriziern: Im Dorf baute Augustin von Luternau nach 1554 das Alte Schloss gegenüber dem Hölzernen Schloss, Johann Rudolf Stürler vergrösserte es 1636-1644 um den westlichen Hauptbau. 1735-1736 entstand, erhöht über dem Dorf, der Landsitz Oberried des Postherrn Viktor Fischer (1937-1984 Landschulheim, danach Pflegeheim). Alexander Ludwig von Wattenwyl baute 1740 das Neue Schloss. Um 1800 entstand das Herrenhaus Lindenegg.

Die Bauern von Belp betrieben Ackerbau in Zelgen. Ausserhalb der Flurgenossenschaft standen die Steckhöfe Gruben, Winzenried-Hofmatt (bei der Grenzregulierung 1829-1831 zu Zimmerwald) und jenseits der Aare Aar-Leen. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts brachte die Auflösung der Zelgen und den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Die Korrektion der Aare 1824-1831 und der Gürbe 1855-1860 sowie die Melioration und Güterzusammenlegung im unteren Gürbetal 1917-1923 erschlossen das ausgedehnte Belpmoos dem Gemüsebau. Nun liessen sich auch die Verkehrswege sanieren: Die beiden Fähren bei Kleinhöchstetten und Münsingen (Schützenfähre) wurden 1836 durch die Hunzigenbrücke (alte Holzbrücke heute als Fussgängerbrücke im Augut) und 1883 durch die Schützenfahrbrücke ersetzt. Ein Pferdetram verband Belp mit Bern, bis die Gürbetal-Bahnlinie 1901 den wirtschaftlichen und demografischen Aufschwung einleitete und den Pendlerverkehr ermöglichte (1990 62% Wegpendler). Die Industrialisierung in Belp begann mit der Tuchfabrik (1844-1974). Es folgten die Nahrungsmittelfabrik Galactina (1901), Alupak AG (1972), Druckereien sowie zahlreiche Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe. 1990 zählten 62% der Arbeitsplätze zum 3. Sektor.

Der Gemeinderat winkt dem ersten Flugzeug der Alpar beim Start, im Hintergrund das Gerüst für den Bau des ersten Hangars. Fotografie, 1928/1929 (Archiv Rolf Ellwanger).
Der Gemeinderat winkt dem ersten Flugzeug der Alpar beim Start, im Hintergrund das Gerüst für den Bau des ersten Hangars. Fotografie, 1928/1929 (Archiv Rolf Ellwanger). […]

Die Gemeinde erfüllte eine Reihe von Zentrumsfunktionen, unter anderem mit dem Amtssitz des Amtsbezirks Seftigen 1803-2009, dem Bezirksspital für Belp, Belpberg, Kehrsatz und Toffen ab 1905 sowie der katholischen Kirche von 1968. Neben die Primarschule trat 1865 die als Privatschule gegründete Sekundarschule. Der 1928-1929 erbaute Flugplatz Belpmoos wuchs zum Regionalflugplatz Bern-Belp mit Motor- und Segelflugschulen. Pläne zum Ausbau (1947 bzw. 1984) oder zur Verlegung ins bernische Mittelland (erstmals 1942, letztmals 1972) scheiterten am Widerstand der Bevölkerung oder des Grossen Rats.

Quellen und Literatur

  • Burkhalter, Fritz: Die Orts- und Flurnamen der Gemeinde Belp, 1968.
  • LehmannWolfgang: Belp und das Gürbetal. Geschichte und Geschichten, 1983.
  • Lehmann, Wolfgang: Belper Chronik 1900-1985, 1987.
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Dubler, Anne-Marie: "Belp", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.09.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000484/2016-09-14/, konsultiert am 23.09.2021.