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Kirchenthurnen

Ehemalige Gemeinde des Kantons Bern, Verwaltungskreis Bern-Mittelland, 2020 mit Mühlethurnen und Lohnstorf zur Gemeinde Thurnen fusioniert. Das Dorf liegt im Gürbetal (Gürbe) über dem Talboden am Osthang des Längenbergs. Es hiess bis 1860 Thurnen, dann erfolgte die Namensänderung zu Kirchenthurnen. 1228 Tornes. 1764 96 Einwohner; 1850 284; 1880 306; 1900 277; 1950 199; 1970 375; 2000 292; 2010 273.

Kirchenthurnen: Situationskarte 2019 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.
Kirchenthurnen: Situationskarte 2019 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.

In der Ried-Kiesgrube wurden hallstättische Gräber mit Beigaben entdeckt. Grundbesitz und Herrschaftsrechte in Kirchenthurnen gehörten im 14. Jahrhundert der Bernburgerfamilie von Blankenburg. Diese übergab Güter, Vogtei und Kirchensatz 1343 dem Kloster Interlaken und stiftete 1349 die Katharinen-Kaplanei, um die es 1464 mit Interlaken zum Streit kam. Kirchenthurnen lag hochgerichtlich ab 1388 im bernischen Landgericht Seftigen. Die 1228 erstmals erwähnte Kirche (1671-1739 neu erbaut) wurde 1351 dem Kloster einverleibt. Die mittelalterliche Pfarrei Thurnen umfasste ein weites Gebiet, das von der Mitte des Längenbergs bis zum Gurnigel reichte. Die Kirchgemeinde Thurnen schloss bis 1659 auch Wattenwil und bis 1935 Riggisberg sowie Rüti bei Riggisberg mit ein, danach weiterhin Burgistein, Kaufdorf, Kirchenthurnen, Lohnstorf, Mühlethurnen und Rümligen. Die Herrschaftsinhaber von Riggisberg, Rümligen und Burgistein hatten in der Kirche eigene sogenannte Schlossstühle. In der Reformation fiel der Interlakner Besitz an Gütern, Gericht und Kirchensatz 1528 an Bern, das Thurnen seinem gleichnamigen Gericht zuteilte. Im 18. Jahrhundert kam es zum Vennergericht Mühlethurnen. Als Teil des Landgerichts Seftigen gelangte es 1803 zum Oberamt bzw. 1831 zum Amtsbezirk Seftigen (bis 2009). Die Bevölkerungszahl des bäuerlich-kleingewerblichen Dorfes wuchs im 19. Jahrhundert an, fiel nach 1880, stieg erst ab den 1960er Jahren dank Arbeitsangeboten vor allem im Raum Bern wieder an und nahm bereits ab den 1970er Jahren von neuem kontinuierlich ab. Die kleine Gemeindefläche von 123 ha verhinderte eine grössere Bautätigkeit. 2000 arbeiteten mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen von Kirchenthurnen auswärts. Im Kirchgemeindehaus, das 1978 erbaut wurde, besitzt das Dorf ein multifunktionales regionales Zentrum.

Quellen und Literatur

  • Egger, Hans: Die Gürbe und ihr Tal. Eine Erinnerungsschrift zur hundertsten Wiederkehr des Beginnes der Verbauungen an der Gürbe, 1855-1955, 1958.
  • Schneeberger, Hansjürg; Ryser, Hans-Peter: Bauinventar der Gemeinde Kirchenthurnen, 2004.
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1228: Tornes
Variante(n)
Thurnen (bis 1860)

Zitiervorschlag

Dubler, Anne-Marie: "Kirchenthurnen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.04.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000496/2020-04-23/, konsultiert am 29.09.2020.