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Hilterfingen

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Thun, am rechten unteren Ende des Thunersees gelegen, vom Ufer (560 m) zur Haltenegg (800 m) ansteigend mit den ehemaligen Siedlungskernen Dorf Hilterfingen und Hünibach, das 1958 von der Gemeinde Heiligenschwendi durch Vertrag an die Gemeinde Hilterfingen abgetreten wurde. 1175 Hiltolfingen. 1764 319 Einwohner; 1850 509; 1900 854; 1920 953; 1930 1097; 1950 2864 (Hünibach 369); 1960 3382; 2000 3821.

Frühbronzezeitliche Gräber mit Beigaben im Areal der Hünegg (Frauengräber) und im Äbnit (Männergräber), frühmittelalterliche Gräberfelder aus dem 6.-7. Jahrhundert bei den Schlossbauten Eichbühl und Hünegg, eventuell mittelalterliches Skelettgrab im Bächihölzli. Der Ort gehörte zur Oberländer Herrschaft der Freiherren von Oberhofen, die Hilterfingen Ende des 12. Jahrhunderts dem Stift Amsoldingen übergaben. Die Grund- und Gerichtsherrschaft verwaltete ein einheimischer Ammann im Auftrag des Stifts. Nach dem Übergang an Bern 1488 kam Hilterfingen zum bernischen Amt Thun, 1652 an die neu geschaffene Vogtei Oberhofen, 1798 zum Kanton Oberland und 1803 wieder zum Oberamt Thun. Die ehemalige Andreaskirche Hilterfingen liegt an der Gemeindegrenze auf Oberhofener Boden. Sie ist laut der "Strättliger Chronik" eine der zwölf Thunerseekirchen. Dem heutigen Bau von 1727 gingen vier Kirchen voraus, die erste stammt aus dem 7./8. Jahrhundert. Der Kirchensatz, eine Schenkung des Libo von Oberhofen an das Stift Amsoldingen, fiel nach langem Streit an das Kloster Interlaken, 1424 an die Inhaber der Privatherrschaft Oberhofen und mit dieser 1652 an Bern. Die Kirchgemeinde Hilerfingen, bestehend aus Hilterfingen, Oberhofen und Heiligenschwendi, umfasste ehemals auch den Weiler Ringoldswil (seit 1870 Kirchgemeinde Sigriswil) und die Gemeinde Teuffenthal (seit 1936 Kirchgemeinde Buchen).

Hilterfingens Landwirtschaft war von Reb- (1800 ca. 20 ha) und Obstbau geprägt, daneben gab es Fischerei. Getreidebau betrieben die Bauern in Strättligen jenseits des Sees. 1858 erwarb die Gemeinde im Simmental drei Alpen (heute verpachtet). In den 1880er Jahren begann sich Hilterfingen zu wandeln. Mit dem Verschwinden des Rebbaus richtete es sich auf die Hotellerie aus: Pensionen und Hotels wurden ab 1894 erbaut, die erste Schiffsstation entstand 1925, die erste schweizerische Segelschule 1935. Nachhaltiger war die Entwicklung zur Wohngemeinde mit Ausrichtung auf Thun und Bern als Arbeitsorte: Mit dem steten Bevölkerungszuwachs vor allem zwischen 1950 und 1970 wurde die Uferregion bis auf 600 m Höhe fast zusammenhängend überbaut. Die Gemeinde, in der sich Gewerbe angesiedelt hatte (Bauunternehmen, Holz- und Metallbau, Druckereien, Gartenbau, Samenzucht), verzeichnete 2000 einen Wegpendleranteil von mehr als zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung. Die 1895 eröffnete Sekundarschule fusionierte 1917 mit jener in Oberhofen. In Hünibach besteht seit 1968 ein eigenes Sekundarschulhaus; dort befindet sich auch eine Gärtnerinnenschule (Stiftung 1933). Auf dem vom Schultheissen Niklaus Friedrich von Mülinen nach 1807 erbauten neogotischen Landsitz Chartreuse wurde 1811 die Schweizerische Geschichtforschende Gesellschaft gegründet, deren erster Präsident von Mülinen war. Nach mehreren Besitzerwechseln und Umbauten wurde das Anwesen schliesslich überbaut. Das Schloss Eichbühl (1860) wird seit 1942 als Schulhaus genutzt, das Schloss Hünegg (1861-1863) beherbergt heute ein Museum für Wohnkultur.

Quellen und Literatur

  • F. Häsler, Hilterfingen und Hünibach in Vergangenheit und Gegenwart, 1985
  • H. von Fischer, Schloss Hünegg, 2002
  • R. Ganz, Hilterfingen und Hünibach, 2002
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Hilterfingen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.12.2007. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000528/2007-12-13/, konsultiert am 14.04.2024.