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Uetendorf

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk und Verwaltungskreis Thun, am westlichen Rand des Aaretals gelegen, umfasst die Gemeindeteile Dorf, Berg und Allmend sowie Hofgruppen. 994 Oudendorf. 1764 594 Einwohner; 1850 1546; 1900 1841; 1950 2365; 1960 2810; 1990 5449; 2000 5702.

Zeugnisse aus dem Neolithikum, der Bronzezeit im Limpach- und im Silbermoos und der Latènezeit im Heidenbühli sowie einige nicht datierte Funde wie das Bollensteinfundament in der Fältschersmad, der Schmelztiegel vom Eichberg und der sogenannte Teufelsstein im Huttenrain weisen auf eine frühe Besiedlung hin. Auf der Buchshalten lag in römischer Zeit (2. Jh.) ein Gutshof, auf dessen Areal wahrscheinlich später der burgundische Königshof Uetendorf entstand, den Kaiser Otto III. 994 dem Kloster Selz im Elsass schenkte. Vermutlich war dieser Hof 1370 Sitz der 1232-1437 erwähnten Herren von Uetendorf, die im bernischen Rat sassen. 1370 erwarb der Thuner Bürger Johann von Zeinigen Grundbesitz und Gericht, die im 15. Jahrhundert an das Spital Thun gelangten. Die Thuner Spitalverwaltung legte nach 1521 die Herrschaften Uetendorf (mit Längenbühl) und Uttigen zu einer einzigen Verwaltung mit Uetendorf als Gerichtsort zusammen, die bis 1783 dem Landgericht Seftigen unterstellt blieb und dann zum Amt Thun kam. Kirchlich gehörte Uetendorf zu Amsoldingen, 1578 erfolgte die Umteilung an die näher gelegene Kirchgemeinde Thierachern. Erst 1955 erhielt das Dorf Uetendorf eine eigene reformierte Kirche. Uetendorf sowie Uetendorf-Allmend (1983 kirchliches Zentrum) waren zu Beginn des 21. Jahrhunderts Pfarrkreise der Kirchgemeinde Thierachern.

Auf Moränenwällen gelegen, bildeten das Dorf Uetendorf, Uetendorfberg und Willenrüti eigene Flurverbände. Die Weidegemeinschaft zwischen Uetendorf und Längenbühl wurde 1546 durch eine Allmendteilung beendigt. Alle Siedlungen waren mit gemeinsamer Weide am weiten Schwemmgebiet des Glütschbachs und der Kander – diese floss bis zur Ableitung in den Thunersee 1714 durch das Glütschbachtal und die Thuner Allmend und mündete nördlich von Thun in die Aare – beteiligt und daher auch zu aufreibender Flusswehr gegen die Überflutungen gezwungen. Erst nach der Korrektion der Aare in den 1860er Jahren erfolgte die Drainage der Moore.

Die Inbetriebnahme der Gürbetalbahn 1902 mit der Station Dorf und den Haltestellen Allmend und Selve zog die Entstehung neuer Quartiere (u.a. Uetendorf-Allmend) in der Ebene nach sich, deren Bewohner in den industriellen Betrieben Thuns arbeiteten. Die Bern-Thun-Bahn von 1859 quert das Gemeindegebiet ohne Station. Seit 1971 verfügt Uetendorf über einen Autobahnanschluss (Auffahrt Heimberg an der Gemeindegrenze). 1953 löste die Schweizerische Metallwerke Selve AG (1993 geschlossen) mit ihrer Niederlassung den Zuzug weiterer Industrieunternehmen aus; dazu zählen Maschinenfabriken (Schleif-, Haushaltmaschinen, Mühlenbau), Hoch- und Tiefbaufirmen, eine Nahrungsmittelfabrik und eine Druckerei, unter anderem in den Gewerbezonen Obere Zelg und Obere Allmend. Kleingewerbe ist im Ort vielfältig vertreten. 2005 waren gut 70% der in der Gemeinde wohnhaften Erwerbstätigen Wegpendler, meist nach Bern oder Thun; Uetendorf verzeichnete aber auch knapp 48% Zupendler. Der seit 1960 kontinuierliche Bevölkerungsanstieg führte zu einer baulichen Verdichtung des Dorfkerns; an der Strasse nach Thun entstand das Quartier Fliederweg. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren Dorf und Quartiere vorstädtisch und industriell-gewerblich geprägt, während in den höher gelegenen Gemeindegebieten wie Gibliz, Willenrüti, Uetendorfberg und Buchshalten die Landwirtschaft wichtig blieb.

Der Landsitz Eichberg mit Gutsbetrieb, erbaut 1792-1793 für Carolus von Fischer, war in den 1830er Jahren Zentrum der patrizisch-konservativen Bewegung; er diente 1932-1984 als Schulheim. Nach der Auflösung des Schulverbands mit Thierachern erhielt Uetendorf 1959 eine eigene Sekundarschule, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Schulverband mit Uttigen geführt wurde. Die Gemeinde verfügt über ein Freibad, Sportanlagen und das Freizeitzentrum Zehntenhaus. Auf ihrem Gebiet liegt die Ara Thun, welche die Abwasserreinigung für 32 Gemeinden besorgt. Die Stiftung Uetendorfberg Schweizerische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Hörbehinderte wurde 1921 gegründet.

Quellen und Literatur

  • Das Amt Thun, Heimatkunde, 1943
  • M.-C. Clément, Bauinventar der Gem. Uetendorf, 1992
  • A.-M. Dubler, «Die Region Thun-Oberhofen auf ihrem Weg in den bern. Staat (1384-1803)», in BZGH 66, 2004, 61-117

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Uetendorf", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.02.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000543/2013-02-15/, konsultiert am 18.08.2022.