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Emmen

Politische Gemeinde des Kantons Luzern, Amt Hochdorf, im Mündungsgebiet der Kleinen Emme in die Reuss gelegen. Die Gemeinde umfasst die Ortsteile Emmen und Rottertswil sowie Gerliswil, Emmenweid und Emmenbaum, die heute das Siedlungszentrum Emmenbrücke bilden. 840 Emau. 1456 ca. 150 Einwohner; um 1695 ca. 550; 1798 1330; 1850 1764; 1900 3162; 1950 11'065; 1970 22'040; 2000 26'885.

Römische Siedlung bei Rottertswil. Erdburg in der Weeri bei Waldibrücke. 840 wird eine (vor 768 erfolgte?) Schenkung von fünf Emmer Freien an das Kloster Luzern bestätigt. Emmen war ein luzernisch-murbachischer Dinghof (mit Meier- und Kelleramt, Hofrecht des 14. Jh.). Der Hof Rottertswil bildete mit anderen Höfen einen Twing, desgleichen Gerliswil. Einzelne Höfe gehörten den Freiherren von Rotenburg (Rotenburger Gerichtsstätte im Wolfisbüel) und von Eschenbach, andere waren frei. Die Kastvogtei im Dinghof Emmen lag bei den Habsburgern, welche die Vogtei bis 1285 den Freiherren von Rotenburg verliehen. 1291 erwarben die Habsburger unter den Murbacher Gütern auch Emmen Das Meieramt wurde zu habsburgischen Lehen einschliesslich Gebot und Gerichte, aber ohne Dieb und Frevel (also nur Niedergerichtsbarkeit). Der Twing Emmen war Teil des bis 1386 habsburgischen, 1386-1798 luzernischen Amts Rothenburg. 1336-1404 gehörte die Twingherrschaft den Herren von Tottikon und gelangte über verschiedene Inhaber an mehrere Luzerner Patrizierfamilie, 1531 an die Feer (ab 1570 Linie Feer zu Buttisholz) und wurde als Fideikommiss 1775 samt Rottertswil den Balthasar vererbt. 1798 kam Emmen zum Distrikt Luzern, 1803 wurde der Twing Emmen mit Gerliswil vereint und dem Amt Hochdorf zugeteilt. Der Holzhof, ein kurz vor 1758 von den Sonnenberg zum Schlösschen ausgebautes patrizisches Landgut, gehörte 1846-1874 Philipp Anton von Segesser. Auf dem Hof Herdschwand lag 1752-1919 ein Fideikommiss der Schwytzer von Buonas.

Die Pfarrkirche St. Mauritius ist vermutlich eine Gründung des Klosters Luzern. 1291 erwarben die Habsburger mit dem Hof die Kollatur und vergabten sie 1337 dem Kloster Rathausen. 1848 fiel sie an den Kanton Luzern. Die Pfarrei Emmen wurde 1807 und 1812 zugunsten der Pfarreien Rothenburg und Neuenkirch verkleinert. Die spätbarock-klassizistische Kirche von 1828-1831 wurde 1912-1915 mit einer zweiten katholischen Pfarrkirche mit Pfarrhelferei ergänzt. Eine dritte katholische Kirche (1956-1958 erbaut) entstand in der 1958 eigenständig gewordenen Pfarrei Emmenbrücke, eine vierte 1971. Daneben existieren zwei reformierte Kirchen. Seit 1923 bildet Gerliswil eine eigene Pfarrei, deren Erlenkapelle eine Figur der heiligen Kümmernis von ca. 1680 beherbergt. Eine Schule ist im 17. Jahrhundert mehrfach belegt.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Emmen die grösste Siedlung der Gemeinde. Vorherrschende Nutzungsform war die Einzelhofwirtschaft mit Feldgrasbau. Daneben wurde Viehzucht betrieben, im 20. Jahrhundert auch Schweinezucht. Ab 1783 unterstützte Pfarrer Bernhard Leu ein kontrolliertes Einhegungsexperiment in den Zelgen von Emmen und Rottertswil. In der Emmenweid entstand mit der Niederlassung der Firmen Von Moos (Eisenverarbeitung) 1850-1853 und Viscosuisse (heute SwissFlock, Chemiefasern) 1906 ein Industriegebiet. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Emmen zur wichtigsten Industriegemeinde des Kantons sowie zum grössten Industriestandort der Zentralschweiz, was eine starke Zuwanderung zur Folge hatte. Das weiter reussabwärts gelegene Dorf Emmen behielt vorerst seinen ländlich-gewerblichen Charakter, bis sich ab ca. der Mitte des 20. Jahrhunderts u.a. die Sola-Besteckfabrik AG (1948), ein Stahlbauunternehmen (1962, ab 1975 Josef Meyer AG), der Milchhof des Zentralschweizerischen Milchverbands (Emmi) und die kantonale Handels- und Gewerbepolizei ansiedelten. Das durch die Von Moos 1894 gegründete und 1896 in Betrieb genommene Elektrizitätswerk bei Rathausen wird heute von der CKW betrieben. Auf dem Emmenfeld, ab 1807 Exerzierplatz des Kantons, war ab 1938 das Bundesamt für Militärflugplätze mit Eidgenössischem Flugzeugwerk (seit 2001 Ruag), Flugplatz und Waffenplatz domiziliert (seit 2004 Betriebe Luftwaffe). 1940-1941 wurde dort eine Kaserne der Fliegerabwehrtruppen, 1950 ein Armeemotorfahrzeugpark errichtet. 1883 eröffnete die Station der Seetalbahn, 1922 die Bahnstation Rothenburg-Dorf. Seit 1913 verfügt Emmen über eine gewerbliche Berufsschule, die 1933 zur Metallgewerbeschule erweitert wurde. 2000 stellte der 2. Sektor etwa 40% und der 3. gut die Hälfte der Arbeitsplätze in Emmen.

Quellen und Literatur

  • E. Weibel, Gem. Emmen, 1953
  • J. Graf, Emmen, 1958
  • Kdm LU 6, 1963, 25-39
  • F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
  • A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996
  • In Bewegung. Gesch. der Gem. Emmen, 2004
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Waltraud Hörsch: "Emmen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.03.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000595/2010-03-10/, konsultiert am 18.08.2022.