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EbikonGemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Luzern, Amt Luzern-Land. Das Strassendorf Ebikon liegt an der alten Landstrasse Luzern-Zürich. Die Gemeinde umfasst den grössten Teil des Rotsees, das obere Rontal und den Ortsteil Rathausen. Ende 9. Jahrhundert marcha Abinchova. 1465 ca. 110 Einwohner; um 1695 ca. 300; 1798 532; 1850 854; 1900 1287; 1930 2240; 1950 3007; 1970 7770; 2000 11'322.

Das Gebiet der Gemeinde deckt sich mit demjenigen der Vogtei Ebikon, ebenso deren Herrschaftsgeschichte. Um 900 bildete die "Mark Ebikon" einen reichslehenbaren Verband freier Bauern. Die Vogtei konstituierte sich aus den Genossen von Ebikon und vom Rotsee. Zahlreiche Höfe und der Rotsee gehörten den Zisterzienserinnen in Rathausen.

Die erste Nennung des Friedhofs geht auf 1245 zurück, diejenige der Kirche auf 1257. 1275 wird Ebikon als Pfarrei bezeichnet, obwohl es zu dieser Zeit eine Filiale von St. Leodegar in Luzern war. 1518 erfolgte die Stiftung einer Kuratkaplanei, erst 1875 die Erhebung zur Pfarrei. Die Kirche wurde um 1400 und 1655 erneuert und 1790 durch einen Neubau von Josef Singer ersetzt (1926-1927 Vergrösserung). Ebikon war mit dem Grab des legendären Einsiedlers Diobald (14. Jh.) bis in die frühe Neuzeit regionaler Wallfahrtsort. 1961 wurde die reformierte Kirche gebaut.

Die Streusiedlung mit Einzelhöfen lag in der Feldgraswirtschaftszone. Bereits 1551 war die Allmend aufgeteilt und 1577 die Privatisierung des Gemeindewaldes vorgenommen worden. 1868-1921 produzierten in Ebikon eine Teppichweberei und Färberei, ab 1921 die Kuvertfabrik Bochsler. Seit den 1950er Jahren setzte infolge der verkehrsgünstigen Lage der Gemeinde eine rasche Industrialisierung ein. Nachdem 1950-1957 die Aufzüge- und Elektromotorenfabrik Schindler ihren Sitz von Luzern nach Ebikon verlegt hatte, etablierte sich 1958 dort ebenfalls der Lebensmittelgrosshandel Hofer & Curti AG. In den 1980er Jahren siedelte sich die Automobilbranche an, Ende der 1990er Jahre eröffneten Grossmärkte ihre Tore. 1957 wurde die erste Ortsplanung geschaffen, der 1973 die Abkehr der Gemeinde vom Verstädterungsprozess folgte. In der bedeutenden Wohngemeinde der Agglomeration Luzern waren 2000 gut zwei Fünftel der Beschäftigten im 2. und gut die Hälfte im 3. Sektor tätig. 1864 wurde die Bahnlinie Zug-Luzern eröffnet, 1986 die A14. Der Kanton Luzern erwarb 1838 von Rathausen den Sedelhof, nutzte ihn vorerst als Arbeitshof des Zuchthauses, 1884-1975 dann als kantonale Strafanstalt (Neubau 1932-1934). Der Seehof diente 1893-1953 als Frauenarbeitsanstalt. In den 1930er Jahren wurden in Ebikon eine Hotelfachschule sowie zwei noch heute existierende Privatschulen errichtet: die 1931 von Klara Rey gegründete Rey-Schule und das 1932 eröffnete Pallottiner-Gymnasium St. Klemens mit Lehrlingsheim.

Quellen und Literatur

  • Kdm LU 1, 1946, 247-261
  • F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
  • P. Bernhard et al., Ebikon, 1984
  • M. Huber, R. Huber, Die Gem. Ebikon, 1950-1988, Ms., 1988, (Geogr. Inst. Univ. Bern)
  • A. Ineichen, «Bäuerl. Verschuldung – Ebikon um 1690», in SZG 42, 1992, 69-93
  • A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996
  • P. Schnider, Fabrikindustrie zwischen Landwirtschaft und Tourismus, 1996
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Waltraud Hörsch: "Ebikon (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.10.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000617/2009-10-29/, konsultiert am 11.08.2022.