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Meggen

Politische Gemeinde des Kantons Luzern, Amt Luzern. Am Küssnachter Arm des Vierwaldstättersees gelegen. 1226 Meken (ältere Nennungen als Abschrift des 14. Jh. in den Acta Murensia um 1160). Um 1465 ca. 160 Einwohner; um 1695 ca. 460; 1798 585; 1850 874; 1900 1130; 1950 2165; 2000 5923.

Der Herrensitz Meggenhorn. Kupferstich von David Herrliberger nach einer Zeichnung von Johann Ulrich Schellenberg, 1755 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Der Herrensitz Meggenhorn. Kupferstich von David Herrliberger nach einer Zeichnung von Johann Ulrich Schellenberg, 1755 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). […]

Im Gemeindegebiet wurden eiszeitliche Tierknochen (u.a. Rentier) und Steinbeile aus der Jungsteinzeit gefunden. Vom 11. Jahrhundert bis 1359 war das Kloster Muri in Meggen begütert. 1259 erscheint in Meggen ein Dinghof des Klosters Murbach-Luzern, den die Habsburger zu Lehen trugen und 1291 als Eigen übernahmen. Sie besassen die Burgstelle Meggenhorn oder Altstatt auf einer der Landspitze vorgelagerten Insel. Um 1244 errichtete Rudolf von Habsburg-Laufenburg auf der Ramesfluh am See die Burg Neu-Habsburg. Sie war vermutlich im 13. Jahrhundert Verwaltungszentrum für den habsburgischen Innerschweizer Besitz und soll 1352 von den Waldstätten zerstört worden sein. Im 14. Jahrhundert gelangte Meggen mit dem Amt Habsburg als Pfand an die Hunwil, 1406 an die Stadt Luzern. Erste Dorf- bzw. Hofrechte stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und von 1397. In Meggen bestanden vom 14. Jahrhundert an zwei Nutzungsgenossenschaften, Obkilchen (Murbacher Hof) und jene im niederen Dorf bei der Kapelle in Vordermeggen (13 freie Bauernhöfe, unter anderem Seematt). Sie unterstanden dem habsburgischen Amtsvogt und verfügten über zum Teil gemeinsame, zum Teil separate Allmendgüter. 1583 wurde der Gemeindewald auf die einzelnen Höfe verteilt. Aus den beiden Genossenschaften entstanden die Gemeindeteile Hinter- und Vordermeggen.

Die alte Pfarrkirche St. Gallus und Maria Magdalena (Kirchensatz habsburgisch, ab 1406 bei der Stadt Luzern) in Hintermeggen wurde um 1418 sowie 1463 erneuert und 1775-1776 vom Seeufer an die Landstrasse verlegt (Neubau von Jakob Singer). Der Siedlungsschwerpunkt verschob sich nach Vordermeggen: Um 1666/1674 wurde die Wallfahrtskapelle auf der Platte (Weihe 1520) durch eine Kaplanei (Familienpatronat Cloos, ab 1739 Göldlin, ab 1876 Schwytzer von Buonas) aufgewertet. 1964-1966 entstand die neue Pfarrkirche St. Pius von Franz Füeg, eine Stahlkonstruktion mit lichtdurchlässigen griechischen Marmorplatten. Bei Altstatt steht auf einer kleinen Felsinsel die aus dem beginnenden 14. Jahrhundert stammende Niklausenkapelle. Die reformierte Kirche wurde 1939 gebaut. Heute noch wird die Fronleichnamsprozession mit Nauen begangen.

Schon im Mittelalter erwarben Luzerner in der stadtnahen Seegemeinde Besitz, errichteten Junkergüter und Landsitze: 1583 besass auch der «Schweizerkönig» Ludwig Pfyffer einen Hof in Meggen; ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese zum Teil von Ausländern in Prunkvillen umgestaltet. Die Villa Saint-Charles-Hall entstand auf dem Gelände des ehemaligen Junkergutes Seematt (Cloos 17. Jh.-1738, Göldlin von Tiefenau bis 1875); die heutige neubarocke Villenanlage mit grossem Park liess der deutsche Petrolunternehmer Tonio von Riedemann 1924-1925 errichten (seit 1963 eine Stiftung für kulturelle Anlässe). Die Schlossvilla Neu-Habsburg wurde 1868-1871 in neugotischen Stil unter Einbezug der mittelalterlichen Burgruine gebaut. Weitere Landhäuser stehen in Altstatt, Einholz und Schönheim, herrschaftliche Bauernhäuser in Siten und Seematt.

Meggen liegt an der Landstrasse und Seeverbindung von Luzern nach Küssnacht (SZ), 1897 erhielt es den Anschluss an die Gotthardbahn. 2006 wurde die S-Bahn-Station Meggen-Zentrum eröffnet. In Altstatt befindet sich das ehemalige Zoll- und Wirtshaus (Zollstelle 1765-1848). Die Fischenz war im Mittelalter im Besitz des Luzerner Stifts St. Leodegar. Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren vier Berufsfischer in Meggen tätig. Ab dem 17. Jahrhundert bestanden Fahrrechte über den Küssnachtersee. Meggen war schon im Spätmittelalter viehwirtschaftlich orientiert. Im milden Seeklima gediehen Kastanien, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde intensiver Obst- und Mostbau betrieben. Ab der Frühneuzeit siedelten sich stadtorientierte Landhandwerker an. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist Meggen Teil der Agglomeration Luzern (2000 1943 Wegpendler, 721 Zupendler). Es weist zahlreiche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, unter anderem im Gartenbau, und die bedeutende Weinimportfirma Scherer & Bühler (1837 gegründet, seit 1909 Aktiengesellschaft) auf. Dank Stadtnähe und tiefstem Steuerfuss des Kantons entwickelte sich Meggen in den letzten Jahrzehnten zu einer einwohnermässig stark wachsenden, reichen Wohngemeinde.

Quellen und Literatur

  • Kdm LU 1, 1946, 465-486
  • A. Stalder, Meggen, 1966
  • Meggen, wie es war, 1-, 1982-
  • H. Lustenberger et al., Mit See- und Weitblick: Meggen – eine Ortsgesch., 2004
Von der Redaktion ergänzt

Zitiervorschlag

Waltraud Hörsch: "Meggen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 17.07.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000626/2015-07-17/, konsultiert am 18.05.2022.