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Gunzwil

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Luzern, Amt bzw. Wahlkreis Sursee, seit 2009 Teil der Gemeinde Beromünster. Ausgedehntes Gebiet mit dem Dorf Gunzwil und zahlreichen Weilern, zwischen Suren- und Seetal gelegen. 1036 Gunczwilare (Kopie 14. Jahrhundert), 1173 in Gunzewile. 1456 ca. 335 Einwohner; um 1695 ca. 894; 1798 1181; 1816 1619; 1850 1806; 1900 1439; 1950 1583; 2000 1857.

Um 1930 wurde ein hallstattzeitliches Wagengrab im Gewann Bettlisacker bei Adiswil (6. Jh. v.Chr.) entdeckt. Neben Wagenresten und einem Bronzeeimer kamen Schmuck und Zubehör einer weiblichen Tracht zum Vorschein: Kopf-, Hals- und Armschmuck aus Gagat, Gold und Bernstein. Das Grab von Gunzwil ist eines der seltenen, in der Schweiz bis jetzt das einzige Frauengrab mit Wagen. In Maihusen ist ein römischer Gutshof archäologisch belegt. 1036 wies Graf Ulrich von Lenzburg Gunzwil dem Kastvogtsgut von Beromünster zu. Bis 1798 gehörte es zum Michelsamt (luzernische Landvogtei und Herrschaftsgebiet des Propstes von Beromünster). Das Kerndorf Gunzwil bildete einen eigenen Twing und mit Rickenbach das Münsterer Gericht Gunzwil Rickenbach wurde als Gericht 1750 selbstständig. Noch bis 1803 bildeten beide aber einen gemeinsamen Steuerbrief. Gunzwil gehörte ab 1798 zum Gerichtsbezirk Münster. 1824-1868 wurden grössere Grenzbereinigungen vorgenommen. 1849 scheiterte ein Gesuch um Abtrennung des südwestlichen, liberal geprägten Teils als Gemeinde Kommeln.

Bis in die Gegenwart ist Gunzwil kirchlich zersplittert. Der grösste Teil der Einwohner ist nach St. Stefan in Beromünster pfarrgenössig, der Rest nach Rickenbach, Sursee (bis 1809 Oberkirch), Eich, Neudorf und Pfeffikon. Das Dorf besitzt keine Pfarrkirche, aber mehrere Kapellen: die 1581 erbaute St.-Diebolds- bzw. Theobaldskapelle, die Kapelle im Bühl mit dem Heiliggrab-Christus aus dem 14. Jahrhundert und die 1638 geweihte Borromäuskapelle. Schulisch erfolgte im 19. Jahrhundert die Zuteilung zu zahlreichen, zum Teil auswärtigen Primarschulkreisen. Gunzwil verfügte über Zelgensysteme – unter anderem rund um das Dorf – während in den zahlreichen Einzelhöfen der Umgebung Feldgraswirtschaft betrieben wurde. 1597 teilten die Höfe von Gunzwil ihre Allmend auf. Vom 14.-18. Jahrhundert wurde im Dorf ein Siechenhaus betrieben. Die Winonmühle ist seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen. 1778 zerstörte ein Dorfbrand einen Teil des Dorfes. Im 18. Jahrhundert wurde in Gunzwil Baumwolle verarbeitet, im 19. Jahrhundert der Torfabbau gefördert. Umfangreiche Drainagen und Rodungen erfolgten in den 1930-1940er Jahren. Nach 1950 spezialisierte sich die Landwirtschaft auf Schweine- und Geflügelzucht. 2000 war immer noch mehr als ein Drittel der werktätigen Bevölkerung im 1. Sektor beschäftigt. Ab 1931 war Gunzwil Standort des Landessenders Beromünster (Stillegung 2008).

Quellen und Literatur

  • Kdm LU 4, 1956, 223-229
  • A. Dormann, Die Gesch. der Pfarrei St. Stephan Beromünster, 1959
  • H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kt. Luzern im 18. Jh., 1979
  • Willkommen in Gunzwil, 1990
  • A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Waltraud Hörsch: "Gunzwil", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.11.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000639/2016-11-03/, konsultiert am 09.12.2022.