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Zell (LU)

Politische Gemeinde des Kantons Luzern, Amt Willisau, Wahlkreis Willisau, am Luthernfluss an der alten Verbindungsstrasse zwischen Huttwil und Willisau gelegen. 965 Zella. Um 1695 ca. 200 Einwohner (Pfarrei); 1798 844; 1850 1355; 1900 1265; 1950 1680; 2000 1975; 2010 1965.

965 erhielt das Kloster Disentis Zell von Kaiser Otto I. Es verwaltete Zell von Oberentfelden aus und stiftete vermutlich die 1275 genannte Pfarrkirche St. Martin. Ein Meierhof wurde eingerichtet. Die Herren von Büttikon waren vermutlich schon 1309 klösterliche Vögte in Zell. Um 1330 überliess Disentis die Güter und Rechte Königsfelden. 1333 kamen Hof und Kirchensatz an die Herren von Rubiswile und über die von Hattstatt, Rust und von Luternau Ende des 14. Jahrhunderts an die von Büttikon. 1421 verkaufte Agnes von Büttikon Twing, Vogtei und Kirchensatz der Stadt Luzern, die Zell 1424 den Herbort von Willisau überliess. Ulrich Heinserlin wurde gegen 1600 Twingherr, integrierte Zell in die Herrschaft Kasteln bei Alberswil und verkaufte es 1628 Ludwig Schumacher. Um 1670 erwarb Luzern Zell zuhanden von Kasteln zurück, behielt aber die Pfarrkollatur. Die Weiler und Höfe Bodenberg, Hüswil, Stocki und Briseck waren selbstständige Twinggemeinden und bildeten nach 1798 zum Teil eigene Steuerbriefe. Zell und Briseck waren Dorfsiedlungen mit verzelgtem Ackerland, in Bodenberg prägten grosse Einzelhöfe das Siedlungsbild. 1836-1837 drohte der Gemeinde der Konkurs wegen Problemen in der Verwaltung und im Armenwesen.

1606 und 1801-1803 wurde die Pfarrkirche neu gebaut, 1900 umgebaut. Das Pfarrhaus stammt von 1683. Die Pfarrei erhielt 1804-1809 Zuwachs durch Briseck und weitere rund 70 Höfe. In Hüswil entstand 1940 eine reformierte Kirche. Infolge der Verlegung der Verbindungsstrasse Willisau-Huttwil in den Talboden um 1770 gewannen Zell und die Zollstätte Hüswil rasch an Bedeutung. Über den Bodenberg führte bis ins 19. Jahrhundert der Weg nach Grossdietwil. Wegen der Grenzlage des Dorfs stand auf dem Bodenberg bis in die 1860er Jahre eine Hochwacht an der Signallinie nach Luzern. 1895 erfolgte die Eröffnung der Huttwil-Wolhusen-Bahn. Bis gegen 1960 bestand ein bedeutender Vieh- und Warenmarkt. In Zell steht ein Lagerhaus der Treuhandstelle der schweizerischen Lebensmittelimporteure (seit 2003 Réservesuisse), in Hüswil befinden sich eine Kegelbahnautomaten- und seit 1966 eine Landmaschinenfabrik. In den Kieswerken wird der eiszeitliche Zeller Schotter gewonnen. Der Schieferkohleabbau bei Zell und Hüswil wurde schon um 1609, dann erneut im Ersten und Zweiten Weltkrieg betrieben. Grösster Arbeitgeber ist die Firma Bell (Geflügelverarbeitung). Ein Schulmeister ist 1574 erstmals belegt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war Zell das Zentrum des westlichen Amts Willisau mit einem Oberstufenschulzentrum und dem Ausbildungsgelände des Schweizerischen Baumeisterverbands.

Quellen und Literatur

  • Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern 5, 1959, 281-287
  • F. Glauser, J.J. Siegrist, Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
  • H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kantons Luzern im 18. Jahrhundert, 1979
  • A. Roth, Roth: Lebensbilder einer Familie aus dem Luzerner Hinterland 1, 1992, 164
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
965: Zella

Zitiervorschlag

Hörsch, Waltraud: "Zell (LU)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.01.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000689/2020-01-22/, konsultiert am 20.10.2020.