de fr it

Flüelen

Ansicht des Dorfs am Ostufer des Urnersees mit der das Reusstal dominierenden Pyramide des Bristen im Hintergrund. Dekorative Papiertapete von 1840 nach einem Aquarell von Salomon Corrodi, Haus zum Roten Adler, Zürich (Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich).
Ansicht des Dorfs am Ostufer des Urnersees mit der das Reusstal dominierenden Pyramide des Bristen im Hintergrund. Dekorative Papiertapete von 1840 nach einem Aquarell von Salomon Corrodi, Haus zum Roten Adler, Zürich (Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich).

Politische Gemeinde des Kantons Uri, bestehend aus dem Dorf, dem Ausserdorf und zerstreuten Tal- und Bergheimwesen. 1266 Vluolon. Die Entwicklung des Strassendorfes mit seinen Hafen- und Sustanlagen war eng mit der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee (Gotthardverkehr) verknüpft. 1685 337 Einwohner; 1743 372; 1799 469; 1850 600; 1880 1420; 1900 941; 1950 1645; 2000 1787.

Der Ursprung der Turmburg Rudenz dürfte mit der erstmals 1313 erwähnten Reichszollstätte zusammenhängen. Die Fraumünsterabtei Zürich besass in Flüelen Grundbesitz, zwei Fährstellen und das Zehntrecht. Der Reichszoll von Flüelen ging samt Sust und -recht zwischen 1360 und 1427 vollständig an das Land Uri über. 1360 wird die Kirche St. Georg und St. Nikolaus als Filiale von Altdorf erwähnt, 1374 die Dorfleute; das erste Dorfrecht stammt von 1541. 1664 Neubau der Kirche, 1665 Abkurung von Altdorf. 1910-1912 Bau der Pfarrkirche Herz Jesu mit Dekorationen im Jugendstil sowie Malereien der Beuroner Schule. Die 1383 erwähnte Säumer- und die 1374 erwähnte Schifffahrtsgenossenschaft dienten nebst Spezialgewerbe und Gaststätten dem Verkehr. 1675 erhielt Flüelen mit Altdorf und Bürglen den Gruonwald zur Nutzung. Durch die seit 1830 fahrbare Gotthardstrasse und die Dampfschifffahrt wuchs Flüelens Bedeutung als Warenumschlagplatz. Der 1865 abgeschlossene Bau der Axenstrasse leitete eine touristische Entwicklung ein. Mit der 1882 eröffneten Gotthardbahn wurde Flüelen Knotenpunkt im regionalen Personenverkehr, was den Aufschwung von Gewerbe und Kleinindustrie nach sich zog. Nach der 1884-1886 erfolgten Verbauung des Gruonbaches entstanden Wohnquartiere im Ausserdorf, und am südlichen Seeufer bildete sich eine Industriezone. 1943 wurden die Korporationsbürger- und Kirchgemeinde aus der Einwohnergemeinde ausgeschieden. 1988 wurde für den Dorfkern ein neues Verkehrskonzept erlassen, 1995 eine neue Gemeindeordnung. 2005 wurde ein Umfahrungstunnel eröffnet.

Quellen und Literatur

  • R. Müller, Flüelen, seine Gesch. und Entwicklung, 1912
  • Flüelen, hg. von L. Birchler u.a., 1965
  • Kdm UR 2, 1986, 61-138
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Hans Stadler: "Flüelen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.10.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000696/2009-10-28/, konsultiert am 28.05.2024.