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Freienbach

Politische Gemeinde des Kantons Schwyz, Bezirk Höfe, bestehend aus den fünf Dörfern Freienbach, Pfäffikon, Wilen, Bäch, Hurden und den beiden Inseln Lützelau und Ufenau (Ufnau). 972 Friginbach. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Zürichsee (406 m) bis zum Etzel (1098 m). 1743 1198 Einwohner; 1850 2058; 1900 2270; 1950 3950; 1970 8429; 2000 13055.

Plan über das Grundstück genannt Leutschen, gehörig der Statthalterei Pfäffikon resp. dem Stift Einsiedeln, aufgenommen im März 1864 durch M. Nussli, Geometer von Kaltbrunn (Klosterarchiv Einsiedeln, Plan 2.0550.0001).
Plan über das Grundstück genannt Leutschen, gehörig der Statthalterei Pfäffikon resp. dem Stift Einsiedeln, aufgenommen im März 1864 durch M. Nussli, Geometer von Kaltbrunn (Klosterarchiv Einsiedeln, Plan 2.0550.0001). […]
Das Leutschenhaus. Aufnahme eines unbekannten Fotografen, 1920 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).
Das Leutschenhaus. Aufnahme eines unbekannten Fotografen, 1920 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege). […]

1935 wurden im See vor Freienbach Spuren einer Seeufersiedlung (um 2750 v.Chr.) entdeckt; zahlreiche Fundgegenstände (Steinbeile, Pfeilspitzen, Keramikfragmente, Silex-Abschläge usw.) kamen später dort zum Vorschein. 965 schenkte Kaiser Otto I. die grundherrlichen Rechte über Freienbach dem Kloster Einsiedeln, das in Pfäffikon um 1250 einen Turm errichtete. Kirchlich gehörte Freienbach zunächst zur Pfarrei Ufenau. 1132 wurde eine Kapelle in Pfäffikon und 1150 eine im Dorf Freienbach geweiht. 1308 erfolgte die Ablösung von der Mutterpfarrei; Freienbach bildet seither eine eigenständige Pfarrei. Im Alten Zürichkrieg brannte das Dorf Freienbach ab, als die Eidgenossen 1443 die Zürcher und Österreicher in einer Schlacht vertrieben. Die heutige Pfarrkirche St. Adalrich wurde 1672-1674 gebaut. Das Kloster Einsiedeln errichtete 1762 auf seinem Rebgut das prächtige Leutschenhaus mit grossem Keller und Trotte. Politisch gehörten Freienbach, Pfäffikon und Hurden zum Vorderen Hof (Pfäffikon), Bäch und Wilen zum Hinteren Hof (Wollerau). Die Dorfbewohner von Freienbach verwalteten ihr Allmendgut an Weiden, Wald, Reben und Sandsteinbrüchen in einer eigenen Korporation. Erst durch die Kantonsverfassung von 1848 erhielt die Kirchgemeinde auch politische Aufgaben im nun vereinten Bezirk Höfe. Die Gemeindeverwaltung befindet sich in Pfäffikon.

Im 18. Jahrhundert sprengte einzig Bäch mit einer Sust, der Salzfaktorei und einer Papierfabrik den Rahmen landwirtschaftlicher Tätigkeit. In den 1820er Jahren fasste die Textilindustrie in Bäch und Pfäffikon Fuss. Neue Impulse erhielten Gastronomie und Gewerbe, als 1875 die links des Sees geführte Eisenbahnlinie eröffnet wurde, 1878 die Bahnverbindung von Pfäffikon über den neuen Seedamm nach Rapperswil und 1891 diejenige nach Arth-Goldau. Der Bezirk Höfe gründete 1923 eine Mittelpunktschule, die auch von den Oberstufenschülern der umliegenden Dörfer besucht wird. Der Kanton baute Anfang der 1970er Jahre die Sonderschule für den äusseren Kantonsteil (March, Einsiedeln, Höfe). Die Eröffnung der Autobahn A3 Richtung Zürich 1968 hatte eine stürmische Entwicklung des ganzen Gemeindegebiets zur Folge, vor allem des Dorfes Pfäffikon. Freienbach wurde zur Wohn- und Industriegemeinde und zog dank eines tiefen Steuerfusses zahlreiche vermögende Zuzüger an. Als Knotenpunkt im Grossraum Zürich ist Freienbach starkem Verkehr ausgesetzt. Doch die aufgelockerte Siedlungsweise mit Wiesen, Äckern, Rebbergen, Wäldern und einem grossen Naturschutzgebiet am See (Frauenwinkel) verleihen der Gemeinde trotz grosser Wohn- und Industriequartiere immer noch ein ländliches Gepräge.

Quellen und Literatur

  • R. Henggeler, Die Gesch. der Korporation Freienbach, 1959
  • A. Suter, Freienbach-Bäch 972-1972, 1972
  • U. Schelbert, Bevölkerungsgesch. der Schwyzer Pfarreien Freienbach und Wollerau im 18. Jh., 1989
Von der Redaktion ergänzt
  • Buschow Oechslin, Anja: Der Bezirk Höfe, 2010, S. 74-109 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz, Neue Ausgabe 4).
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Paul Wyrsch: "Freienbach", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.03.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000713/2005-03-03/, konsultiert am 29.02.2024.