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Wollerau

Politische Gemeinde des Kantons Schwyz, Bezirk Höfe. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von Hinterbäch (406 m) am Zürichsee über das Dorf Wollerau (520 m) bis zum Wildspitz (1062 m). 1217-1222 Wolrowo. 1743 474 Einwohner; 1850 1168; 1900 1459; 1950 1969; 2000 6074.

Der Hintere Hof, auch Oberer Hof genannt, mit den Dörfern Bäch, Wollerau, Wilen und Schindellegi gehörte ab 965 zur Grundherrschaft des Klosters Einsiedeln (Höfe). Im 13. und 14. Jahrhundert sind die Ritter von Wollerau bezeugt; der von ihnen bewohnte Turm südöstlich des Dorfs Wollerau wurde wohl zu Beginn des 14. Jahrhunderts gebaut. Die Schirmvogtei über den Hinteren Hof ging an die Herren und späteren Grafen von Rapperswil, im 14. Jahrhundert an die Grafen von Homberg, dann an die von Habsburg-Laufenburg, 1342 als Pfand an den Zürcher Jakob Brun, 1366 durch Kauf an die Herzöge von Habsburg, nach dem Sempacherkrieg 1386 an Zürich sowie im Alten Zürichkrieg (1436-1450) mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit 1440 an Schwyz (bis 1798). Im Alten Zürichkrieg, während der Religionskriege und beim Franzoseneinfall (30. April 1798) war Wollerau Schauplatz heftiger Kämpfe. In der Helvetischen Republik gelangten die Höfe 1798 zum Kanton Linth, 1803-1848 bildete der Hintere Hof im Kanton Schwyz den Bezirk Wollerau, der sich 1848 mit Pfäffikon zum Bezirk Höfe vereinigte. Die Kirchgemeinde Wollerau wurde zur politischen Gemeinde und das Dorf zum Bezirkshauptort, endgültig 1979 mit der Einweihung des ersten Bezirksrathauses.

Kirchlich gehörte das Hofgebiet zu den drei Pfarreien Richterswil, Freienbach und Feusisberg. Die Hofleute westlich des Krebsbachs lösten sich während der Reformation von Richterswil und bildeten 1536 die Pfarrei Wollerau, der 1657 und 1797 mehrere Freienbacher Höfe zugeteilt wurden. Die Marienkapelle wurde zur Pfarrkirche. 1558 und 1781-1787 wurde sie neu gebaut. Wollerau setzte sich nun als Hauptort des Hinteren Hofs durch. Hier befand sich das 1682 errichtete Gemeindehaus (heute Korporationshaus) und hier versammelte sich die Gemeinde, wenn sie politische und wirtschaftliche Angelegenheiten verhandelte. Das Hofrecht regelte auch die Nutzung der Genosssame, der alle Hofleute angehörten. 1906 gründete die im Bezirk niedergelassene reformierte Bevölkerung eine eigene Kirchgemeinde und errichtete gut zehn Jahre später die reformierte Kirche.

Seit jeher trieben Krebs- und Mülibach Sägereien und Mühlen an. Die von Bäch nach Wollerau verlegte Papierfabrik stellte um 1850 den Betrieb ein und wurde bis 1890 als Baumwollspinnerei genutzt. Nach der Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Kanton Zürich 1831 waren die Schulkinder von Wollerau begehrte Arbeitskräfte für die Spinnerei in Richterswil. Die Heimarbeit für die Seidenindustrie blühte bis in die 1880er Jahre. 1859 wurde in der Roos eine Baumwollweberei gegründet, die 1877 in eine Bleicherei-Färberei umgewandelt wurde, über ein eigenes Kleinkraftwerk verfügte und bald um die 100 Leute beschäftigte (1991 Stilllegung). 1890 entstand in Wollerau eine Buchdruckerei, die seit 1891 das «Volksblatt des Bezirks Höfe» (seit 1911 «Höfner Volksblatt») herausgibt. 1891 erfolgte auch der Bahnanschluss mit der Eröffnung der Südostbahnlinie Pfäffikon-Arth-Goldau. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen weitere Firmen in Wollerau ihren Betrieb auf, unter anderem 1954 eine Turnschuhfabrik, 1960 eine Polstermöbelfabrik, 1962 eine Verzinkerei und 1966 ein Unternehmen der Industrieelektronik. Mit dem Autobahnteilstück Richterswil-Wollerau der A3 setzte in der Region nach 1968 eine rasche wirtschaftliche Entwicklung ein, in deren Gefolge die Bevölkerung stark anstieg. Der Steuerfuss der Gemeinde gehört seit Ende des 20. Jahrhunderts zu den tiefsten im Kanton Schwyz. Wollerau ist bekannt für sein buntes Fastnachtstreiben (Schwertübergabe, Höfner Narrenfahrt).

Quellen und Literatur

  • J. Landolt, «Gesch. der Orts- und Kirchgem. Wollerau», in Gfr. 29, 1874, 1-139
  • J. Fuchs, «Die Ritter von Wollerau», in MHVS 47, 1948, 53-69
  • R. Henggeler, Die Gesch. der Korporation Wollerau, 1955 (21982)
  • U. Schelbert, Bevölkerungsgesch. der Schwyzer Pfarreien Freienbach und Wollerau im 18. Jh., 1989
  • Kdm SZ, NF 4, 2010, 221-267
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Paul Wyrsch-Ineichen: "Wollerau", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.11.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000714/2014-11-18/, konsultiert am 22.05.2022.