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Arth

Politische Gemeinde des Kantons Schwyz, Bezirk Schwyz, am oberen Zugersee und an der Gotthardroute zwischen Rigi und Rossberg gelegen, mit den Dörfern Arth, Oberarth und Goldau sowie Anteilen (Klösterli, Kulm) an der Rigi. 1036 Arta, 1353 ze Arth. 1743 2134 Einwohner; 1850 2196; 1900 4739; 1950 5816; 2000 9593.

Unsichere Hinweise auf die Vorgeschichte und wenige Einzelfunde aus der Römerzeit vermögen keine dauerhafte Besiedlung des Raumes von Arth vor dem 7./8. Jahrhundert zu belegen. Urkundlich wird Arth, mit St. Georgshof und Kirche, erstmals 1036 als Vogtlehen des lenzburgischen Hausstifts Beromünster erwähnt. Über die Kyburger gelangten Ansprüche an Arth Ende des 13. Jahrhunderts an die Habsburger und die Hünenberger. Wahrscheinlich erfolgte in dieser Zeit die Aufteilung des beanspruchten Komplexes in einen "Oberhof" – mit Gütern in Oberarth, Goldau, Buosingen, Lauerz, Gengigen und Röten – und einen "Niderhof" mit dem heutigen Arth. 1353 kauften sich die Kirchgenossen von Arth und Goldau von der Markgräfin Maria von Baden frei. Mit dem Wegweisbrief von 1354 lässt sich die gmeindt der kilchhöri ze Arth als genossenschaftlich organisierter Verband fassen, der in der Folge trotz seiner Nähe zum Land Schwyz eine gewisse Selbstständigkeit bewahrte: Zu nennen sind der Besitz eines eigenen Siegels, die aus dem Genossenschaftsverband hervorgegangene Unterallmeind und die wichtige Rolle Arths und führender Arther in der Politik gegenüber Stadt und Landschaft Zug in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die teils erhaltenen und archäologisch untersuchten Schwyzer Letzinen um Arth datieren wohl in das frühe 14. Jahrhundert; sie dürften in Übereinstimmung mit den Leuten von Arth erstellt worden sein. Die Integration in das Land Schwyz – 1358 war Arth eines seiner sechs Viertel – ist nur teilweise geklärt. Bei der Abtretung des "Niderhofs" 1377 an die Arther Kirchgenossen behielten sich die Hünenberger die Rechte am Kirchensatz der nach 1312 erbauten Pfarrkirche (Patrone Georg und Zeno) vor. Diese hatte die Funktionen der beiden älteren Kirchen St. Georg (1036 erstmals erwähnt, 1656 Weihe der heutigen Kapelle) bzw. St. Zeno (1290 erstmals erwähnt, 1667 Weihe als Kapuzinerkirche) übernommen. Erst 1448 konnte Landammann Ital Reding diese kirchlichen Rechte für die Landleute von Schwyz erwerben.

Feuersbrunst von 1719. Aquarell von Alois Schmid nach einem Bild in der Kapelle St. Georg, 1847 (Staatsarchiv Schwyz, Graph. Slg. 269).
Feuersbrunst von 1719. Aquarell von Alois Schmid nach einem Bild in der Kapelle St. Georg, 1847 (Staatsarchiv Schwyz, Graph. Slg. 269). […]

Pfarrer Balthasar Trachsel, 1520-1524 in Arth, auch Dekan des Vierwaldstätterkapitels, versuchte die Reformation einzuführen. Die Schwyzer Landesführung unterband jedoch diese frühreformatorischen Bestrebungen. Im 17. Jahrhundert entstand in Arth eine neugläubige Gemeinde (Nikodemiten), deren harte Verfolgung durch Schwyz im sogenannten Hummelhandel (1655) zu den Ursachen des Ersten Villmergerkriegs von 1656 gehörte. Im gleichen Jahr wurden die Kapuziner zur Unterstützung der katholischen Reform nach Arth berufen. Neben der Zenokapelle wurde ein Kloster erbaut; 1973-1996 diente dieses dem Orden als Meditationszentrum. 1996 wurde es der syrisch-orthodoxen Kirche der Schweiz verkauft, welche ein religiöses und kulturelles Zentrum errichtete. Die bestehende Pfarrkirche entstand 1694-1697 als bewusster Ausdruck der katholischen Erneuerung. Sie ist mit ihrer Disposition (Chor und Langhaus liegen in der gleichen Wandflucht) und als Beispiel des vorarlbergischen Wandpfeilersystems auch architekturgeschichtlich bedeutend. Der Turm der alten Kirche ist erhalten geblieben. 1979-1990 fanden Innen- und Aussenrestaurierungen statt. Die im 15. Jahrhundert erwähnte Adrianskapelle am Rufibach wurde 1889 an einer vor dessen Hochwassern sicheren Stelle neu erbaut.

Mit der Kantonsverfassung von 1848 wurde aus dem Arther Viertel die Gemeinde Arth. Als Rathaus und Sitz der Gemeindeverwaltung dient seit 1925 ein von der Familie Reding 1721 erbautes Patrizierhaus. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten Viehzucht, Milchwirtschaft und Obstbau die wirtschaftliche Grundlage. Heute weist Arth zusammen mit Küssnacht die grösste Obstbaumdichte im Kanton auf; die Hälfte davon sind Kirschbäume. Entsprechend stehen in Arth Kirschbrennereien von zum Teil internationalem Ruf. Das Gersauer Seidengewerbe beschäftigte im späteren 18. und im 19. Jahrhundert eine grössere Zahl Arther Heimarbeiter.

Mit dem Aufkommen des Rigi-Tourismus gewann Arth als Fremdenstation an Bedeutung: Gastbetriebe, Fuhr-, Pferdehalter und sogenannte Rigiträger fanden ihr Auskommen. 1852 legte erstmals der Dampfer "Rigi" der Zugersee-Schifffahrtsgesellschaft in Arth an. Der Bau der Arth-Rigi-Bahn (1875) liess die Bedeutung Arths als Ausgangspunkt für Rigi-Reisen kurzzeitig weiter anwachsen; vielen Arthern brachte die Bahn jedoch auch Erwerbsverluste. Der bald darauf folgende Bau der Gotthardbahn (1882) und die Einführung der Südostbahn in den Bahnhof Goldau (1891) verlagerten den Schwerpunkt des Verkehrs nach Goldau. Die Talbahn Arth-Oberarth-Goldau wurde zum lokalen Tram, das 1959 durch einen Busbetrieb ersetzt wurde. Mit der Elektrifizierung der Arth-Rigi-Bahn (1907) hängt die Gründung des Elektrizitätswerks Arth zusammen. Energielieferant war – und ist heute noch – das Elektrizitätswerk Altdorf (UR). Daneben betreibt die Gemeinde Arth ein eigenes Wasserwerk. Der gewerbliche und industrielle Sektor von Arth wird durch Klein- und Mittelbetriebe geprägt. Die zeitweise bedeutende Maschinenfabrik Mettler existierte 1868-1993. 1862 nahm die Sparkassa-Gesellschaft in Arth ihre Banktätigkeit auf; das Institut ging 1936 in Konkurs. Zum 1. Sektor zählten 1990 8% der in Arth Erwerbstätigen, zum 2. Sektor 36%, zum 3. Sektor 56%. Als Hauptort der Gemeinde bewahrte Arth ein starkes Brauchtum: Klausenumzug, "Greiflet", Kilbi und Sennenkilbi, Viehausstellung, Rigi-Berglauf usw. Regional bedeutend ist das Arther Musiktheater mit seinen Operettenaufführungen (1994 Anerkennungspreis des Kantons Schwyz).

Quellen und Literatur

  • QW I/1-3
  • A. Rey, «Gesch. des Protestantismus in Arth bis zum Prozess von 1655», in MHVS 36, 1944, XI-XXIV, 1-179
  • H. Ganz, Die Rigi und die Arth-Rigi-Bahn, 1975
  • A. Meyer, Die Kirche St. Georg und Zeno in Arth SZ, 1986
  • W. Eigel, Die alte Meisterzunft und Bruderschaft St. Michael in Arth, 1987
  • Gem. Arth, 1994
  • A. Meyerhans, Arth, ein ma. Gemeinwesen zwischen Herrschaft und Autonomie, Liz. Zürich, 1995
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Franz Wyrsch; Josef Wiget: "Arth", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.08.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000726/2009-08-20/, konsultiert am 08.12.2022.