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Beckenried

Politische Gemeinde des Kantons Nidwalden. Geschlossenes Strassendorf entlang des Vierwaldstättersees mit den alten Zentren Oberdorf, Niederdorf und Dorf. 1314 Beggenriet. 1743 823 Einwohner; 1850 1342; 1900 1663; 1950 1981; 2000 2825.

Spätbesiedeltes Einzelhofgebiet entlang der Berglehne der Klewenalp. Im Mittelalter verfügten die Klöster Engelberg, Murbach-Luzern und Steinen über beträchtlichen Güterbesitz. Die beiden Wohntürme (Retschrieden, Isenringen) waren im 13. Jahrhundert Sitz zweier einflussreicher Familien. 1323 empfing in Beckenried Johann von Aarberg als Vertreter des Reichs die Huldigung der drei Waldstätte. Später war Beckenried bis ins 17. Jahrhundert mehrmals Tagsatzungsort der inneren Orte. Kirchlich bis 1638 zu Buochs gehörig, bildet es seither eine eigene Pfarrei und Kirchgemeinde; eine erste Kapelle (Heinrichs-Patrozinium) wird schon 1323 bezeugt. Die heutige Kirche wurde 1792-1807 von Niklaus Purtschert erbaut. Im 13.-14. Jahrhundert entstand eine politische Körperschaft (Dorfleute), die 1349 als verfestigte Kommune aller Ansässigen in Erscheinung trat; sie bestimmte bis 1850 im Wesentlichen das Geschehen im Dorf und regelte den Gemeinnutzen (Alpen, Wald, Allmend). Die politische Gemeinde wurde 1850 als Bezirksgemeinde ins Leben gerufen, 1878 entstand die Schulgemeinde als selbstständige Institution. Eine eigene Armengemeinde bestand 1877-1980 (1852 Errichtung eines Armen- und Waisenhauses). Heute sind deren Aufgaben der politischen Gemeinde übertragen.

Wirtschaftlich war Beckenried bis ins 20. Jahrhundert stark von der Land- und Alpwirtschaft (Käse-Export nach Italien) geprägt. Andere Verdienstmöglichkeiten brachten ab dem 19. Jahrhundert die beiden Schiffsbauhütten sowie die Seiden- und Baumwollspinnerei (Verleger in Gersau). Leinenweben war als Heimarbeit begehrt. Verkehrsmässig verband vor allem der Seeweg das Dorf mit der Aussenwelt. Beckenried besass seit dem 18. Jahrhundert eine eigene Sust (hier entstand 1898 die Anlegestelle der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee). Die alte Landstrasse von Buochs nach Beckenried aus dem 16. Jahrhundert wurde 1866 mit neuer Linienführung ans Seeufer verlegt. 1880 erfolgte der Bau der Strasse nach Emmetten, 1933 der Beginn des Autofährenbetriebs nach Gersau, 1980 die Eröffnung des Autobahnteilstücks (A2) nach Uri, dessen Lehnenviadukt die Gemeinde teilt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Beckenried zu einem beliebten Sommerkurort. Der Bau einer Luftseilbahnanlage 1933 (seither mehrmals erweitert) auf die Klewenalp brachte zusätzliche Wintergäste (2000 ca. 38'000 Hotellogiernächte), heute starker Tagestourismus. Ab 1889 zwei Steinbrüche der Kalch- und Steinfabrik AG (Betrieb 1976 liquidiert), 1897 Gründung des gesamtschweizerisch tätigen Bauunternehmens Murer AG, im 20. Jahrhundert Sägerei (1982 verlegt) und Holzbaubetriebe (Chalet- und Elementbau), Lederverarbeitung (heute Sportartikelherstellung). 1990 waren 51% (1990) der Arbeitsplätze in Beckenried im 3. Sektor (2. 39%) und 56% der erwerbstätigen Einwohner arbeiteten ausserhalb der Gemeinde (v.a. in Stans und Luzern).

Quellen und Literatur

  • Beckenried, 1976
  • Beckenried Mosaik, 1988-
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Hansjakob Achermann: "Beckenried", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 17.02.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000747/2011-02-17/, konsultiert am 05.10.2022.