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MenzingenGemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Zug, umfasst das Dorf Menzingen, viele Hofgruppen und Einzelhöfe. Die Gemeinde liegt in der stark gegliederten Moränenlandschaft auf dem Hochplateau zwischen Lorze und Sihl (auf ca. 800 m). 1848 trennte sich Neuheim als eigenständige politische Gemeinde von Menzingen ab. 1217/1222 Meincingin. 1743 1676 Einwohner; 1799 2290; 1850 2113; 1900 2495; 1950 3398; 2000 4495.

Pollenanalysen zeigen erste menschliche Nutzungen um 3750 v.Chr. und erste Dauersiedlungen um die Zeitenwende. Intensiver besiedelt wurde Menzingen wohl erst im Hochmittelalter. Drei grundherrliche Höfe ausserhalb des heutigen Gemeindebanns prägten Menzingens Herrschaftsverhältnisse im Spätmittelalter: Der Hof der Hünenberger hatte sein Zentrum in Hinterburg (Gemeinde Neuheim). Er wurde spätestens 1431 mit Gericht, Twing und Bann an die Hofleute verkauft. Der Hof des Klosters St. Blasien (Schwarzwald) in Neuheim ging erst 1537 an Stadt und Amt Zug über. Der wichtigste Hof war jener des Klosters Einsiedeln in Neuheim, zu dem ausser den «Bergleuten» von Menzingen auch «Talleute» von Ägeri gehörten. Der Verkauf des Hofgerichts (mit Fall, Ehrschatz und Fasnachtshühnern) an Menzingen und Ägeri kam erst 1679 zustande, nachdem ein Versuch 1464 am Schwyzer Widerstand gescheitert war. Der Ammann dieses nun bäuerlichen «Gotteshausgerichts» (bestehend bis 1798) nahm besonders in der Zeit vor der Herausbildung fester gemeindlicher Strukturen eine führende Rolle ein.

1352 trat Menzingen zusammen mit den andern Gemeinden des Äusseren Amtes und der Stadt Zug der Eidgenossenschaft bei. Doch wird die Gemeinde am Berg, wie Menzingen bis in die frühe Neuzeit genannt wurde, erst 1374 als politische Organisation fassbar. Ein Weibel ist ab 1467 nachweisbar, ein Rat ab Anfang des 16. Jahrhunderts, ein Rathaus ab 1611. Das «Bergrecht» von 1517 regelte hauptsächlich Bürgerrechtsfragen. 1799 war Menzingen ein Zentrum des antihelvetischen Hirthämmli-Aufstandes. Im 19. Jahrhundert blieb Menzingen von den Parteikämpfen unberührt, da hier die Konservativen stets die Vormacht besassen. 1823 trat die Gemeinde im sogenannten Geldhandel für kurze Zeit aus dem Kantonsverband aus, nachdem sie vergeblich Anspruch auf die vom Wiener Kongress dem Kanton zugeteilte Geldsumme erhoben hatte.

Bis 1479, als die Bergleute hinter dem Rücken des Kirchherrn eine eigene Pfarrei erhielten, gehörte das Menzinger Gebiet zur grossen, dem Kloster Kappel inkorporierten Pfarrei Baar. Das alte kirchliche Zentrum des Berges bildete die Filialkapelle Schönbrunn. Die neue Pfarrkirche wurde indes 1480 in Menzingen gebaut (Neubau 1624-1625), das damit zum neuen Zentrum der Gemeinde wurde. Prägend war die 1844 erfolgte Gründung des Instituts vom Heiligen Kreuz, das mit seinen Lehrschwestern und dem bis 2006 betriebenen Lehrerinnenseminar den Auf- und Ausbau der Volksschule in der katholischen Schweiz stark beeinflusste. Ein zweites Kloster (Kapuzinerinnen) entstand 1846-1851 auf dem Wallfahrtsort Gubel.

Das Kurhaus Schönbrunn, von Osten. Kolorierte Aquatinta, um 1865/1870 (Museum Burg Zug).
Das Kurhaus Schönbrunn, von Osten. Kolorierte Aquatinta, um 1865/1870 (Museum Burg Zug). […]

Wirtschaftlich war die topografisch stark gegliederte und schlecht erschlossene Gemeinde, die keine Allmendkorporationen kannte, von der Feldgraswirtschaft mit Viehzucht und Milchverwertung geprägt. Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Sennhütten. Daneben war im 18. und 19. Jahrhundert die weibliche, primär für Zürcher Verleger betriebene Heimarbeit sehr wichtig, vor allem in der Seidenweberei: 1850 wies die Hälfte der 344 Haushalte in diesem Bereich Tätige auf. Der Kohleabbau bei Finstersee 1837-1861 und 1942-1943 war wenig ergiebig. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein auf die drei Kurhäuser Schwandegg (1839), Schönbrunn (1857) und Gottschalkenberg (1867) abgestützter Tourismus, der im Ersten Weltkrieg in die Krise geriet. Die kurz zuvor wesentlich verbesserte Erschliessung durch die neue Lorzentobelbrücke und die Strassenbahn (seit 1953 Bus) führte zu keinem erheblichen Strukturwandel. Zwischen 1900 und 1970 wuchs die Bevölkerung nur halb so stark wie die des Kantons. Noch 2005 wies der Primärsektor mit fast 20% einen weit überdurchschnittlichen Beschäftigungsanteil auf, wozu auch der bedeutende Kiesabbau beitrug. Doch hatte in der Zwischenzeit eine erhebliche Zuwanderung eingesetzt, die sich vor allem auf das Dorf Menzingen und den vorgelagerten Weiler Edlibach auswirkte und die Zahl der Wegpendler stark anwachsen liess. 1977 wurde die interkantonale Strafanstalt Bostadel (Zug und Basel-Stadt) eröffnet.

Quellen und Literatur

  • P. Hoppe, «Das Haus "Spittel" in Hinterburg und die alte Gem. am Berg.», in Tugium 9, 1993, 116-137
  • A. Staub, Menzingen, die Gem. am Berg, 1993
  • Kdm ZG, NF 1, 1999, 132-212
Kurzinformationen
Variante(n)
Am Berg

Zitiervorschlag

Morosoli, Renato: "Menzingen (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24.10.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000790/2008-10-24/, konsultiert am 17.01.2022.