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FreiburgGemeinde

Ansicht der Stadt von Osten. Chromolithografie von Alfred Guesdon und Jules Arnout, veröffentlicht in La Suisse à vol d'oiseau, 1857 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Ansicht der Stadt von Osten. Chromolithografie von Alfred Guesdon und Jules Arnout, veröffentlicht in La Suisse à vol d'oiseau, 1857 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). […]

Politische Gemeinde des Kantons Freiburg, Saanebezirk, Hauptort von Bezirk und Kanton. Ab 1162 Fribor, später auch Friborc, Friborch, Friburch, Friburg, d.h. Freie Stadt. Französisch Fribourg, italienisch Friburgo, romanisch Friburg. Freiburg wurde 1157 von Berchtold IV. von Zähringen auf einem von der Saane umflossenen Felsengrat, dem heutigen Burgquartier, gegründet. Nach den Burgunderkriegen wurde es 1478 Freie Reichsstadt und trat 1481 als "Stadt und Republik Freiburg" der Eidgenossenschaft bei. 1803 wurden Stadt und Kanton endgültig getrennt. In der Stadt wird Deutsch und Französisch gesprochen.

Als Bollwerk des alten Glaubens (ab 1524) ist Freiburg seit 1615 Bischofssitz und besitzt seit 1889 eine katholische Universität (Universität Freiburg). Die Stadt liegt seit 1862 an der Eisenbahnlinie Lausanne-Bern und ist seit 1971 mit der Autobahn verbunden. 2002 wurde sie zum Zentrum einer Agglomeration von mehr als 70'000 Einwohnern, die vor allem im Dienstleistungssektor tätig sind.

Bevölkerungsstruktur der Gemeinde Freiburg

JahrEnde 13. Jh.um 145017981811
Einwohner2 000-3 000ca. 6 0005 1176 200
     
Jahr18501870a18881900191019301950197019902000
Einwohner9 06510 58112 19515 79420 29321 55729 00539 69536 35535 547
Sprache          
Französisch  7 5569 70112 35813 52418 28622 43721 24022 603
Deutsch  4 5235 5956 6887 1769 63011 1148 2887 520
Italienisch  943587644646233 4071 7991 359
Andere  221404833934662 7375 0284 065
Religion, Konfession          
Katholischb8 5549 73110 51213 27017 74619 10025 82635 86329 75024 614
Protestantisch5111 1361 6072 3952 3722 2872 8343 2563 1483 082
Andere 37761291751703455763 4577 851
davon jüdischen Glaubens  74109121771371156362
davon islamischen Glaubens       1011 1321 676
davon ohne Zugehörigkeitc       1791 6412 843
Nationalität          
Schweizer8 5749 79411 32114 20816 79819 58827 06932 20827 63225 834
Ausländer4911 110874 1 5863 4951 9691 9367 4878 7239 713

a Einwohner: Wohnbevölkerung; Religion, Nationalität: ortsanwesende Bevölkerung

b 1888-1930 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch

c zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

Bevölkerungsstruktur der Gemeinde Freiburg -  Autor; eidgenössische Volkszählungen

Von der Urgeschichte bis zum Frühmittelalter

Nach dem Rückzug der Gletscher schnitt die Saane zwischen Voralpen und Seeland ihre Mäander tief in den Sandstein der Molasse. Nur wenige Stellen bieten zwischen den hohen Felswänden einen Zugang zum Fluss, und noch seltener befinden sich zwei Zugänge einander so gegenüber, dass eine Furt oder Brücke angelegt werden konnte. An einer solchen Stelle liegt Freiburg, wo die Furt in der Au - später abgelöst durch die Bernbrücke - von der Mittelsteinzeit an benutzt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch Silexfunde in Bürglen und im Galterntal. Streufunde (Steinbeilklingen, Bronzenadel) bezeugen die vorrömischen Epochen ab der Jungsteinzeit. Eine prähistorische oder römische Siedlung im Bereich der mittelalterlichen Stadt ist jedoch nicht nachgewiesen, ebensowenig eine vorstädtische Anlage aus dem Mittelalter. Gestützt auf den Chronisten Franz Rudella wurde der Vorgängerbau der Liebfrauenkirche ausserhalb der Zähringergründung von 1157 zwar für älter als die Stadt gehalten, doch fehlen Belege für diese Vermutung. Verstreut wurden Münzen und Keramik aus der Römerzeit gefunden. Auf der Pérolleskuppe kamen 1861 und 1902 römische Gebäudereste an den Tag; darin lagen einige frühmittelalterliche Gräber, darunter auch solche mit Gürtelgarnituren aus dem 7. Jahrhundert. Schon in römischer Zeit war die Umgebung der späteren Stadt Freiburg mit einem lokalen Wegnetz erschlossen; die West-Ost-Achse durch das Mittelland führte jedoch nördlich des heutigen Stadtgebietes durch das Broyetal. Erst im 12. und 13. Jahrhundert entstand eine zweite, weiter südlich gelegene West-Ost-Achse, die durch die neu gegründeten zähringischen Städte Burgdorf, Bern und Freiburg verlief.

Mittelalter und frühe Neuzeit

Herrschaft, Politik und Verfassung

1156 verlor Herzog Berchtold IV. von Zähringen das Rektorat über Burgund und büsste damit einen wichtigen Teil seines Einflusses in der Westschweiz ein. Mit der Gründung der Stadt Freiburg 1157 versuchte er, im Raum Aare-Saane eine Hausmacht zu etablieren. Der gewählte Standort konnte leicht befestigt werden und lag verkehrsstrategisch günstig. Das Hinterland bot zudem die Voraussetzung für eine positive Entwicklung. Der lokale Adel hatte Verwaltungserfahrung, und die Zisterzienser im nahe gelegenen Hauterive vermittelten Kompetenz in Handwerk und Handel.

Freiburg unterstand während des ganzen Spätmittelalters bis zum Eintritt in die Eidgenossenschaft 1481 einer Stadtherrschaft. Nach dem Tode des letzten Zähringers 1218 kam die Stadt erbweise an das Haus Kyburg, 1277 durch Kauf an die Habsburger und 1452 an Savoyen. Nach den Burgunderkriegen wurde Freiburg souveräner Stadtstaat, 1478 freie Reichsstadt. 1481 wurde Freiburg als erster zweisprachiger Ort Mitglied der Eidgenossenschaft. In der Freiburger Kanzlei wurde in der Folge Deutsch zur Amtssprache.

Freiburgs Randlage innerhalb der Güter Habsburgs, dessen Konkurrenz zu Savoyen, die Nähe der Eidgenossenschaft und deren Unabhängigkeitsstreben förderten die Entwicklung zum Stadtstaat. Die allmähliche Erwerbung des engeren Umlandes, der sogenannten Alten Landschaft, hatte bereits im 13. Jahrhundert eingesetzt, doch gelang eine offene Territorialpolitik erst nach den Burgunderkriegen. Das 16. Jahrhundert brachte Freiburg dann bedeutende Gebietsgewinne. Früh hatte Freiburg Bündnisse mit den Nachbarstädten geschlossen: 1239 mit Avenches, 1243 mit Bern und 1245 mit Murten. Das älteste Siegel Freiburgs stammt von 1225, eigene Münzen schlug die Stadt ab 1435, Goldmünzen ab 1509.

Berchtold IV. verlieh Freiburg mit der in der Fassung von 1249 überlieferten Handfeste ein Stadtrecht, auf dessen Grundlage sich im 14. und 15. Jahrhundert die städtische Verfassung herausbildete. Mit ihrem rechtlichen und siedlungsplanerischen Rahmen bot die Handfeste den Bürgern Freiraum und durchbrach so die Gesellschaftsordnung des 12. Jahrhunderts: In Eigeninitiative schufen Bürger Vermögen, erwarben Grundrechte und Land, sammelten Handelserfahrung und entwickelten das Handwerk zu vorindustriell betriebenen Gewerben. Auch besass die Bürgerschaft vermutlich von Anfang an das Wahlrecht für den Vogt, hier Schultheiss genannt, den Pfarrer und den Zolleinnehmer. 1308/1309 erhielt sie das Patronatsrecht der Pfarrkirche St. Niklaus, das sie kurzzeitig verloren hatte, durch Verzicht der Stadtherren zurück. Das war der Beginn der Entwicklung zur Republik.

Freiburger Venner. Zeichnung aus der Schweizer Chronik von Christoph Silberysen, 1576 (Aargauer Kantonsbibliothek, Aarau, Ms. WettF 16: 1, S. 299; e-codices).
Freiburger Venner. Zeichnung aus der Schweizer Chronik von Christoph Silberysen, 1576 (Aargauer Kantonsbibliothek, Aarau, Ms. WettF 16: 1, S. 299; e-codices). […]

Eine erste Gesetzessammlung entstand zwischen 1363 und 1467; eine systematische Zusammenstellung des Stadtrechts, Municipale genannt, schuf erst Wilhelm Techtermann (1551-1618). Sie diente der Verwaltung der Stadt und der Alten Landschaft und umfasste auch die privatrechtlichen Belange. Im Strafrecht hatte ab 1541 die Carolina Vorrang. Die Regierung bestand aus dem Rat der Vierundzwanzig oder dem Kleinen Rat (1249 erwähnt) unter dem Vorsitz eines bzw. ab 1647 von zwei sich ablösenden Schultheissen, dem Rat der Sechzig (1347 erwähnt) und dem Rat der Zweihundert (1337 erwähnt). Venner standen den vier Stadtquartieren vor und organisierten ursprünglich das Wehrwesen, der Bürgermeister besass Polizeikompetenz. Die Neuerrichtung des Rathauses im frühen 16. Jahrhundert am Platz der zähringischen Burg (vorher beim Münsterchor) stellt die sinnfälligste Ablösung der adligen Stadtherrschaft dar.

Der Lokaladel behielt im Rat Einsitz, ab 1404 war ihm aber das Amt des Venners verwehrt. Einflussreiche lokaladlige Familien waren die Maggenberg, Düdingen (Duens)/Velga, Faucigny (alle an der Wende zur Neuzeit ausgestorben), Montenach, Englisberg und Praroman. Durch Gewerbe, Handel oder Solddienst reich und politisch bedeutsam wurden unter anderen die Rich, Mossu, Gambach (alle drei im 15. Jh. ausgestorben), Lombard, Techtermann, Gottrau, Lanthen-Heid, Affry, Diesbach (aus Bern zugezogen), Reyff, Weck, Von der Weid und Fegely; im 15. und 16. Jahrhundert erwarben sie Adelstitel. Aus ihnen bildete sich im 15. Jahrhundert ein faktisches Patriziat. Die Maggenberg stellten vom 13. bis 15. Jahrhundert fünf Schultheissen, die Düdingen/Velga im 14. und 15. Jahrhundert zehn Schultheissen und sechs Bürgermeister, die Praroman im 15. und 16. Jahrhundert sieben Schultheissen und fünf Bürgermeister. Vergleichbare Häufungen der höchsten Ämter in derselben Familie sind im Ancien Régime nicht mehr festzustellen.

Die dank Handwerk und Handel reich gewordenen Familien Freiburgs, welche die Ereignisse im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts politisch bestimmt hatten, führten aber auch in den folgenden Jahrhunderten die Republik. Sie erklärten sich 1627 als allein regimentsfähig, d.h. mit aktivem und passivem Wahlrecht ausgestattet, und errichteten - analog zum bernischen oder solothurnischen Patriziat - eine Oligarchie. Bei diesem Staatsstreich von oben schlossen sie an die bereits restriktiven Behördenstrukturen des 14. und 15. Jahrhunderts wie die Institution der sogenannten Geheimkammer an. Die patrizische Regierung fand im Neubau des Münsterchors 1627-1631 einen Ausdruck, indem sich die damaligen Spitzen der Republik mit ihren Wappen in den Schlusssteinen des gotisierenden Sterngewölbes verewigen liessen. Die Verfassung von 1627 behielt ihre Gültigkeit bis 1798. Nach dem Chenaux-Handel (1780-1784) wurde der Kreis der Patrizier allerdings von 77 auf 100 Familien erweitert.

Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft

Freiburgs Stärke lag im Mittelalter im Gewerbe. Die Stadterweiterungen des 13. und 14. Jahrhunderts - 1253 erhielten die Bewohner Freiburgs die Erlaubnis, das rechte Saaneufer zu besiedeln und zu befestigen - setzen einen grossen Bevölkerungszuwachs und wirtschaftliche Prosperität voraus. Da die Gewerbe Wasser brauchten, entstanden am Fluss weitere Quartiere (Au, Neustadt, Matten), doch dehnte sich die Siedlung sehr früh auch um das Burgquartier herum aus (Murten-, Lausanne- und Romontgasse). Im Galterntal ausserhalb des Stadtrings und an der Saane standen um 1350 etwa 30 Wasserwerke (Mühlen, Walken, Stampfen, Sägen, Hammerschmieden). Nach der letzten Erweiterung nach Norden und Westen um 1400 besass die Stadt bis zum Bau der Eisenbahn und zur Industrialisierung nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ausreichend Raum. Freiburg zählte am Ende des 13. Jahrhunderts 2000 bis 3000 Einwohner. Die Verluste während der grossen Pest 1348-1349 wurden durch Zuwanderung aus dem Umland und aus benachbarten Kleinstädten wettgemacht. Um 1450 besass Freiburg rund 6000 Einwohner. Die Bevölkerungsentwicklung vom 16. bis 18. Jahrhundert ist nicht untersucht. 1798 zählte die Stadt 5117 Einwohner, 1811 6200.

Gerberei und Tuchherstellung, in minderem Rahmen auch die Eisenbearbeitung, bildeten im Mittelalter die Grundlage für den Reichtum Freiburgs. Sie wurden protoindustriell betrieben und arbeiteten ab der Mitte des 14. Jahrhunderts für den Export. Auf dem Höhepunkt im Jahr 1435 stellte Freiburg 14'000 Tücher her. Nach mehreren wirtschaftlichen Krisen kam es jedoch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Zusammenbruch; von da an produzierten die Tuch- und Ledergewerbe in Freiburg nur noch für den Binnenmarkt. Mehrere Gründe waren für diesen wirtschaftlichen Wandel verantwortlich: Zum einen wiesen die Zünfte, die politisch in Freiburg zwar bedeutungslos waren, im beruflichen, sozialen und religiösen Leben aber eine wichtige Rolle spielten, die Produktion neuer Stoffe und Moden zurück, zum anderen begannen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts die Rohmaterialien Wolle und Häute spärlicher zu werden, da in der Viehhaltung allmählich die Kuh das Schaf ersetzte. Zudem wechselten reich gewordene Kaufleute zur Führungsschicht. Schliesslich veränderte sich die städtische Gesellschaft und Wirtschaftsstruktur auch mit der Ausbildung des faktischen Patriziats im 15. Jahrhundert. Das Patriziat gab Handel und Gewerbe auf, erwarb wie die (von wichtigen Ämtern weiterhin ausgeschlossene) Aristokratie Land und verschaffte sich Adelstitel; im 17. und 18. Jahrhundert soll das Patriziat zwei Drittel seines Einkommens dem Landbesitz verdankt haben. Diese Entwicklung ging Hand in Hand einerseits mit den bedeutenden Erweiterungen des Herrschaftsgebiets von Freiburg im 15. und 16. Jahrhundert, die eine grössere Verwaltung erforderten, andererseits mit langfristigen Bündnissen mit fremden Fürsten, namentlich dem französischen König. Das Patriziat verpflichtete sich zu Solddiensten; als Gegenleistung bezogen die Republik und einzelne Familien Pensionen. Die patrizischen Familien stellten die Offiziere, die Bürger und Untertanen die Soldaten.

Kirche und Kultur

Kirchen und Klöster sind der augenfälligste Ausdruck des städtischen Reichtums. Baukunst, Bildhauerei und Malerei kamen im 14., 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu grosser Blüte, befruchtet durch die Lage an der Grenze zweier Kulturen. Das Münster St. Niklaus, eine Gründung des Stadtherrn, wurde 1182 geweiht und 1308/1309 von der Bürgerschaft übernommen, von der es 1798 an den Kanton überging. Im Auftrag der Bürgerschaft entstand zwischen 1283 und 1490 in mehreren Etappen die heutige Kirche, eine hochgotische Pfeilerbasilika mit Frontturm. Der Rat errichtete 1512 ein Kollegiatstift und verpflichtete gebildete Kleriker und Musiker, namentlich Hans Kotter und Johannes Wannenmacher.

Ausschnitt aus der parallelperspektivischen Stadtansicht aus südlicher Richtung von Gregor Sickinger. Geschenk an die Herren von Freiburg, 1582 © Museum für Kunst und Geschichte Freiburg; Fotografie A. & G. Zimmermann, Genf.
Ausschnitt aus der parallelperspektivischen Stadtansicht aus südlicher Richtung von Gregor Sickinger. Geschenk an die Herren von Freiburg, 1582 © Museum für Kunst und Geschichte Freiburg; Fotografie A. & G. Zimmermann, Genf. […]

Im Kloster der Franziskaner, einer Stiftung des Jakob von Riggisberg aus dem Jahre 1256, waren bedeutende Gelehrte (u.a. Friedrich von Amberg und Jean Joly) tätig, die dort vom Ende des 14. Jahrhunderts an eine Bibliothek zusammentrugen. Das Kloster stand in enger Verbindung mit dem Rat, dessen Archiv (bis 1433) und Gästezimmer sich hier befanden; die Bürgerversammlungen wurden in der Klosterkirche abgehalten. Das in der Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Augustinerkloster in der Au genoss die Gunst der Velga, der wohl mächtigsten Freiburger Familie des Spätmittelalters. Das ausserhalb der Stadtmauern stehende, 1255 erstmals erwähnte Frauenkloster La Maigrauge schloss sich 1262 dem Zisterzienserorden an.

Ab 1299 sind in Freiburg auch Beginen nachgewiesen, die zunächst einzeln oder in kleinen Gruppen lebten, ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in grösseren Häusern. Sie starben spätestens Anfang des 16. Jahrhunderts aus. In Freiburg gab es auch Anhänger der Waldenser. Sie stammten aus bedeutenden Familien der Stadt (Mossu, von Praroman, Studer). 1399 und 1430 wurde ihnen der Prozess gemacht. Fast nahtlos gingen dann die Waldenser- in Hexenverfolgungen über.

Die grösste soziale Stiftung Freiburgs war das Bürgerspital aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Es diente der Armenpflege und stand zunächst am Rand des Burgquartiers neben der älteren Liebfrauenkirche, die als Spitalkirche diente. Die Heiliggeistbruderschaft versah mit ihren Spenden (Brot, Fleisch, Tuch, Schuhe) die nicht hospitalisierten Armen. Die grossen Vermögen der beiden Einrichtungen wurden durch Vorsteher verwaltet, die ebenso wie andere städtische Beamte jeweils am 24. Juni gewählt wurden.

Den Pilgern und Reisenden diente das Johanniterhaus. Die Johanniter hatten sich 1224 in der Au niedergelassen, wechselten aber 1259 auf die Obere Matte und bauten dort eine Komturei mit Spital, Kirche und Friedhof. Mit der Trennung von der Pfarrei Tafers erfolgte 1511 die Erhebung von St. Johann zur Pfarrkirche. Das Leprosenhaus, das mit zwei Kapellen ausserhalb der Stadtmauern in Bürglen stand, wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet. Die erhaltene Marienkapelle ist seit dem 15. Jahrhundert ein regionaler Wallfahrtsort.

Trotz humanistischer und reformatorischer Tendenzen blieb Freiburg beim alten Glauben. Die Zurückweisung der Reformation durch den Rat von Freiburg isolierte die Stadt und ihr Untertanengebiet, da sie vom reformierten Bern territorial (abgesehen von den Seeanstössen) vollständig umschlossen waren. Die Politik des Rates machte aus Freiburg eine Hochburg der Gegenreformation. Die in den 1580er Jahren einsetzende Kirchenreform führte zu einer bemerkenswerten kulturellen Blüte: Neben den Jesuiten, die mit Hilfe der Obrigkeit und unter der Leitung von Petrus Canisius ab 1582 das Kollegium St. Michael errichteten, liessen sich die Kapuziner (1608), die Kapuzinerinnen auf dem Bisemberg (1621), die Ursulinen (1634) und die Visitandinnen (1635) nieder, womit sich die Zahl der klösterlichen Niederlassungen in Freiburg mehr als verdoppelte. Die alten Niederlassungen blieben bestehen, wurden reformiert und baulich erneuert. Das in der Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Bürgerspital wurde in den 1680er und 1690er Jahren vom Liebfrauenplatz an die heutige Spitalgasse verlegt. Mit den grosszügigen Neubauten verdichtete sich das Weichbild der Stadt vor allem in der Murten-, Lausanne- und der Spitalgasse; das Kloster Bisemberg steht zwar innerhalb der mittelalterlichen Ringmauer, doch an einer bis dahin unverbauten Lage.

Gelehrsamkeit und Pflege der Literatur war bis ins 16. Jahrhundert den Klöstern vorbehalten. Zwar erwähnt die Handfeste von 1249 einen Schulmeister, und aus dem 15. Jahrhundert sind Schulordnungen erhalten. Vor 1400 fehlen aber literarische Zeugnisse. Dann setzen die Chronisten ein. Die bedeutendste Freiburger Chronik schrieb Franz Rudella in den 1560er Jahren. Auf Anregung der Jesuiten liess sich 1585 der Drucker Abraham Gemperlin in Freiburg nieder, womit eine obrigkeitliche Druckerei entstand, die vor allem religiöse Werke herstellte; Papiermühlen waren bereits ab dem 15. Jahrhundert an Wasserläufen in Stadtnähe in Betrieb. Zur religiösen Erbauung pflegten die Jesuiten auch das Theater. Ebenfalls auf deren Anregung hin wurde beim Bürglentor über dem Steilufer der Saane mit italienischem Sinn für Inszenierung und Monumentalität die Loretokapelle errichtet.

Der Bischof von Lausanne, dessen Rumpfbistum ab der Reformation im Wesentlichen aus dem freiburgischen Herrschaftsgebiet bestand, liess sich 1613 in Freiburg nieder, was sowohl dem Rat als auch dem örtlichen Klerus missfiel. Der Rat hatte nämlich im Rahmen der Eroberung der Waadt 1536 das bischöfliche Bulle an sich gerissen. Gleichzeitig nahm sich das vom Bischof exemte Kollegiatstift der Verwaltung der verbliebenen Pfarreien an. Zunächst wurde einzig die Entschädigung für Bulle geregelt, indem der Rat dem Bischof fortan eine Rente bezahlte.

Die Gründung und Prosperität der Klöster sowie die Niederlassung des Bischofs kamen den Handwerkern und Künstlern zugute. Zu erwähnen sind vor allem die Architekten, Bildhauer, Maler, Goldschmiede, Glockengiesser, Hafner, Fayenciers und Cartiers, die Werke von überregionaler Bedeutung schufen. Viele Meister stammten aus dem süddeutschen Kulturraum. Eine Ausnahme waren die Reyff, eine Architekten- und Bildhauerfamilie aus dem Freiburger Patriziat, die unter anderem die architektonisch phantasievollen frühbarocken Bauten der Ursulinen und Visitandinnen sowie die Loretokapelle schufen.

Zum Deutschen als Amtssprache kam im Verlauf der frühen Neuzeit immer mehr das Französische hinzu. So wurden die Geschäfte der französischsprachigen Untertanen in ihrer Sprache getätigt; namentlich die Ratsmanuale sind je nach der betroffenen Sprachregion in Deutsch oder Französisch geführt. Andererseits liess der Solddienst das Französische zur ersten Kultursprache Freiburgs werden.

Architektur und Stadtbild

Erweiterungen der befestigten Stadtfläche Freiburgs bis 1400
Erweiterungen der befestigten Stadtfläche Freiburgs bis 1400 […]

Dem Burgquartier liegt das zähringische Siedlungssystem mit orthogonalem Strassen- und Hofstättenraster zugrunde. Es wurde bei jüngeren Gassen übernommen (Spital- und Alpen-, vielleicht auch Romontgasse), anderswo verhinderte dies die Topografie. In der Au, auf der Oberen Matte und am Kurzweg entstanden in kyburgischer Zeit Dreieckplätze. Das Brandmauersystem reicht ins 13. und 14. Jahrhundert zurück. Rund 200 gotische Hausfassaden sind vor allem in der Au und in der Neustadt erhalten. Ab dem späten 14. Jahrhundert belegte Brunnen- und Abwassersysteme taten ihren Dienst bis zur Anlage der modernen Wasserversorgung in den 1870er Jahren. Voraussetzung für die Erweiterung der Stadt war im 13. Jahrhundert der Bau von Brücken; die Bernbrücke ist bis heute eine gedeckte Holzbrücke, die Mittlere und die St. Johannbrücke wurden 1720 bzw. 1746 in Tuff ersetzt. Die Stadtbefestigung des 13. bis 15. Jahrhunderts ist erhalten. Sie bildet das bedeutendste Ensemble mittelalterlicher Militärarchitektur in der Schweiz. Vom einfallsreich in die Flusslandschaft gesetzten Mauerring stehen noch 14 Türme, ein grosses Bollwerk des 15. Jahrhunderts und rund 2 km Ringmauer. Im 17. Jahrhundert veranlassten soziale und konfessionelle Spannungen sowie die Entwicklung der Artillerie den Ausbau der Befestigungen. Die Bastionspläne hingegen wurden nicht verwirklicht.

"Warhaffte und Eigentliche Abconterfactur Der Berümbten Catholischen Eidtgnossischen Statt Frÿburg In Üchtlandt Sampt Irer Gelegenheit. Anno 1606". Parallelansicht von Süden, Kupferstich auf acht Platten von Martin Martini © Museum für Kunst und Geschichte Freiburg.
"Warhaffte und Eigentliche Abconterfactur Der Berümbten Catholischen Eidtgnossischen Statt Frÿburg In Üchtlandt Sampt Irer Gelegenheit. Anno 1606". Parallelansicht von Süden, Kupferstich auf acht Platten von Martin Martini © Museum für Kunst und Geschichte Freiburg.

Die mittelalterliche Stadt bewahrte - von den neuen oder erneuerten Konventen abgesehen - ihre grosszügig konzipierte, aber kleinteilige Struktur weit über das Ancien Régime hinaus. Allerdings erneuerte das Patriziat seine Stadthäuser, die sich vor allem in der Nähe des Rathauses befanden, d.h. in der Reichen-, Murten- und Lausannegasse. Den frühesten Bau eines neuen Haustyps gab Hans Ratze in Auftrag. Er setzte mit seinem an der Murtengasse ab 1581 errichteten, frei stehenden Stadtpalais einen Massstab nach Lyoner Vorbild (heute Museum für Kunst und Geschichte). Die Reichengasse, die Patriziergasse par excellence, trägt ein freundliches Dixhuitième-Gesicht mit schmucken Fassaden und oft raffinierten Raumaufteilungen; die Interieurs sind meistens in französischem Geschmack, doch in einer süddeutschen Brechung ausgestattet. Ein Teil der saaneseitigen Häuser der Reichengasse wurde nach dem einzigen grossen Stadtbrand (1737) in einem schlichten, doch eleganten Régence-Stil erneuert. Der Schultheiss François-Philippe de Lanthen-Heid liess um 1700 das Lustschloss La Poya bauen, eine Villa im palladianischen Stil am Stadtrand beim Murtentor, für die selbst im aristokratischen Frankreich jener Zeit nur wenige Analogien zu finden sind. Sie ist das prominenteste der rund 200 Lustschlösser, die das Freiburger Patriziat im nahen Umkreis der Stadt errichtet hat, um dort den Sommer zu verbringen und Feste zu feiern.

Die Gassen und Brunnen, das Abwassersystem, die Türme, Tore und Ringmauern wurden in der frühen Neuzeit weiterhin unterhalten. Brunnen mit Renaissance-Figuren und oktogonalen Becken ersetzten um 1550 nach und nach die schlichten Holzbrunnen des 14. und 15. Jahrhunderts. An Neubauten, die letztlich eine straffere Planung und Organisation des Staatswesens zum Ziele hatten, entstanden 1708-1709 das grosse Kornhaus auf den Matten, 1730-1731 das Stadthaus, 1734-1737 die Kanzlei, 1762-1767 die Rechtsschule (heute Albertinum) und 1782 die Stadtwache neben dem Rathaus. Erst 1775-1776 wurden, mit den besten Künstlern Freiburgs, die Rathaussäle erneuert. Die Mittel hierzu kamen primär aus den Untertanengebieten, deren Einkünfte - nach Abzug der Honorare für die Landvögte - bis zu 95% in die Staatskasse flossen. Dies erklärt denn auch die Pracht der Stadt und die Ärmlichkeit des Landes.

19. und 20. Jahrhundert

Politische Geschichte

Der Niedergang des patrizischen Regierungssystems hängt stark mit der Französischen Revolution zusammen. Am 2. März 1798 kapitulierte die Stadt und Republik Freiburg vor den französischen Truppen. Die Stadt musste die Herrschaft über die Landschaft aufgeben und war fortan nicht mehr eins mit dem Staat. Mit den Gesetzen vom 13. und 15. Februar 1799 wurde - neben der Burgergemeinde - eine Einwohnergemeinde geschaffen, und im Frühjahr 1799 wählten alle Aktivbürger eine Gemeindebehörde. Erster Stadtammann von Freiburg wurde Jean (de) Montenach, der einstige Präsident der provisorischen Regierung. Die Verwaltung umfasste sieben Ämter: Buchhaltung (Finanzen), Unterkünfte (Militärwesen), Waisenhilfe, Armenfürsorge, Volkszählung, Polizei und Staatsanwaltschaft (Justiz). Von Anfang an hatte die Munizipalität mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Ferner hatte sie zahlreiche Kompetenzstreitigkeiten mit der Verwaltungskammer («Kantonsregierung») und der Gemeindekammer (Burgergemeinde) auszufechten. Die Dotationsakte vom 8. Oktober 1803 bestätigte die Gütertrennung zwischen Stadt und Kanton.

In der Mediationszeit gehörte Freiburg zu den Vorortskantonen und war zwischen 1803 und 1809 alternierend eine der Hauptstädte der Schweiz. 1803-1847 bestand der konservative Munizipalrat ausschliesslich aus Freiburger Burgern. Vom radikalen Umsturz von 1847 an konnte jeder in Freiburg niedergelassene Schweizer Bürger an den Wahlversammlungen teilnehmen. Seit 1865 ist ein Generalrat (Gemeindeparlament) dem Gemeinderat (Exekutive) übergeordnet.

1847, 1858 und 1874 setzte die Kantonsregierung (Staatsrat) den Gemeinderat ab. 1871-1879 und 1886-1903 verloren die Katholisch-Konservativen im Gemeinderat die Mehrheit an die radikal-liberale Opposition, deren Presseorgan "Le Bien public" hiess. Eine liberal-radikale Partei wurde 1895 gegründet. Ein sozialistischer Zirkel, der 1904 entstand, entsendet seit 1907 Vertreter in den General- und den Gemeinderat. Seit 1894 wird der Gemeinderat nach dem Proporzsystem gewählt und der Stadtammann von seinen Kollegen ernannt (und nicht mehr vom Staatsrat). 2001 wurde der Gemeinderat von neun auf fünf vollamtliche Mitglieder verkleinert. Gewählt wurden zwei Vertreter der CVP, einer der FDP und zwei der SP. Im Generalrat gab es erstmals eine schwache Linksmehrheit. Zehn Gemeinden im Raum Gross-Freiburg schlossen sich 2002 zusammen, um eine Agglomeration zu bilden.

Wirtschaft und Gesellschaft

Bis 1870 beherrschte das Kleingewerbe die Freiburger Wirtschaft. 1845 war jeder vierte Werktätige Dienstbote. 1876 waren 20% der Einwohner und 829 von 3510 Burgern (23,6%) armengenössig. Die Sparkasse der Stadt Freiburg (1829) sowie eine Handels- und Gewerbekasse (1840) stellten um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch kein organisiertes Kreditwesen dar.

Plakat für die Brauerei Cardinal aus dem Jahr 1905, als die neue Fabrik beim Bahnhof eröffnet wurde (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Plakat für die Brauerei Cardinal aus dem Jahr 1905, als die neue Fabrik beim Bahnhof eröffnet wurde (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

Die Finanzen der Stadt waren 1869 in solch desolatem Zustand, dass die Gemeinde sich zur Veräusserung ihrer Wälder entschloss. Der Neuenburger Ingenieur Guillaume Ritter betrieb die Gründung eines Regiebetriebs, nämlich der Allgemeinen Wasser- und Forstgesellschaft, und errichtete in der Magerau ein Stauwehr in der Saane. Das Wasserwerk lieferte die Energie für eine Sägerei und eine Waggonfabrik auf der Pérolleskuppe. Binnen weniger Jahre schuf die Gesellschaft an die zehn Betriebe mit 800 Arbeitsplätzen, ging jedoch 1875 konkurs. Die Industrialisierung schritt indes im Nahrungsmittelbereich fort. Paul-Alcide Blancpain erwarb 1877 eine Brauerei im Neustadtquartier, die sich 1890 den Markennamen Cardinal gab und 1904-1905 in der Nähe des Bahnhofs vergrössert wurde. 1970 verschmolz sie mit der 1883 gegründeten Brauerei Beauregard zur Sibra Holding AG, die 1991 von der Brauerei Feldschlösschen und 2001 mit dieser zusammen von Carlsberg übernommen wurde. Ein weiteres Beispiel ist die 1901 gegründete Schokoladefabrik Villars.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts erhielt die Stadt ein neues Gesicht. Als Meisterwerke der Drahtseiltechnik galten die 1834 und 1840 erbauten Hängebrücken über die Saane (Grosse Hängebrücke) und über das Galterntal; Erstere wurde 1924 abgerissen. 1830-1850 wurden die Westtore und ein Grossteil der Wehrmauern geschleift. Der Bau des Grandfey-Viadukts ermöglichte 1862 den Anschluss an die Eisenbahnlinie Lausanne-Bern. Die Stadt begann, sich um den 1872-1873 errichteten Bahnhof auszubreiten. Die Unterstadt erhielt 1880 mit der Route Neuve und 1899 mit der Standseilbahn Neustadt-St. Peter leichteren Zugang zu den neuen Oberstadtquartieren. Das Platzquartier wurde modernisiert: 1863 mit dem Umbau der ehemaligen Rechtsakademie von 1767 zum Hotel (heute Albertinum, Sitz der Dominikaner) und 1900 mit dem Hauptpostgebäude. In den 1890er Jahren erweiterte sich die Stadt rasch und ihr Schwerpunkt verlagerte sich Richtung Bahnhof und auf die Pérolleskuppe. Nachdem ihr die Gemeinde Villars-sur-Glâne 1903-1906 ein umfangreiches Gebiet abgetreten hatte, entwickelte sie sich vor allem in Richtung Westen. 1890-1910 entstanden das Alt-, das Beauregard-, das Gambach- und das Pérollesquartier, nach dem Ersten Weltkrieg das Vignettaz- und das Daillettesquartier mit beinahe 400 neuen Gebäuden. Diese Jahre brachten einen deutlichen Entwicklungsschub. Der erste Sitz der Kantonalbank wurde 1905 errichtet, der Hauptsitz der Kantons- und Universitätsbibliothek 1910. Neue Durchgangsstrassen wurden gebaut, so 1903-1908 die kühne Alpenstrasse am Felshang und um 1900 die Pérolles-Allee.

Stadtentwicklung von Freiburg 1850-2000
Stadtentwicklung von Freiburg 1850-2000 […]
Entwicklung der Agglomeration Freiburg seit 1930
Entwicklung der Agglomeration Freiburg seit 1930 […]

1878 waren 12 km Leitungen für die Wasserversorgung verlegt, Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Abwässer kanalisiert. Der Telegraf wurde 1852 eingeführt, die erste Telefonzentrale 1889 eröffnet, die elektrische Beleuchtung 1896 eingerichtet, der neue Friedhof 1904 eingeweiht. 1897-1965 besass die Stadt ein Strassenbahnnetz von 6 km, ab 1949 wurden die Schienenfahrzeuge nach und nach durch Trolleybusse ersetzt. 1929 wurde ein neuer Bahnhof gebaut, 1941 die Universität durch einen Bau im Miséricordequartier erweitert. Mehrere Brücken wurden neu gebaut, so 1922 die Pérollesbrücke (Ende des 20. Jh. verbreitert), 1924 die Zähringerbrücke (an Stelle der Grossen Hängebrücke), 1927 das Grandfey-Viadukt, 1960 die Galternbrücke. Das Stadtzentrum im Umfeld des Bahnhofs wurde Anfang des 21. Jahrhunderts neu gestaltet. Geplant ist (neben mehreren Grossprojekten) die Errichtung der sogenannten Poyabrücke, welche die Innenstadt mit dem Münster vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Erst in den 1960er Jahren erlebte die Stadt einen neuerlichen Aufschwung, der vom Bau der Autobahn A12 (Eröffnung 1971) gefördert wurde. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts arbeitete die Mehrheit der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor.

Bildung, Kirche und Kultur

In der Helvetik war der Chorherr Charles-Aloyse Fontaine die treibende Kraft im Erziehungsrat, der zur Förderung der Alphabetisierung eingesetzt wurde. In der Mediationszeit wurde Pater Gregor Girard mit der Leitung der französischen Primarschulen beauftragt, die deutschsprachigen Schüler wurden von den Augustinerpatres betreut. 1849 wurde eine kantonale Mädchenschule gegründet. Die 1885 errichtete berufliche Knabensekundarschule war Vorstufe zur 1898 gegründeten Gewerbeschule, die 1903 zum Technikum erhoben wurde.

Die Stiftskirche St. Niklaus, seit 1924 Kathedrale, ist für ihre Orgel von Aloys Mooser und die Jugendstilfenster des Polen Józef Mehoffer berühmt. Neue Kirchen wurden errichtet: 1875 die reformierte Kirche, 1931 St. Peter, 1954 Christkönig, 1966 St. Theresia und 1977 St. Paul.

Eine Meinungspresse gibt es seit 1830. 1848-1849 wurden der liberal-radikale "Confédéré de Fribourg" und die konservative "Gazette de Fribourg" gegründet. Die erste Freiburger Tageszeitung, La Liberté, erscheint seit 1871. Die Freiburger Nachrichten, die 1904 aus der 1863 gegründeten "Freiburger Zeitung" hervorgingen, sind seit 1915 eine Tageszeitung.

Das Naturhistorische Museum wurde 1873 gegründet und 1897 nach Pérolles umgesiedelt. Das Museum für Kunst und Geschichte wurde 1922 im Ratzehof und der Espace Tinguely Niki de Saint-Phalle 1998 im ehemaligen Tramdepot eröffnet. Freiburg ist Schauplatz eines Festivals geistlicher Musik, eines internationalen Folkloretreffens, einer Jazz-Parade, internationaler Filmfestspiele, von Cinéplus (seit 1978) und einer mittelalterlichen Veranstaltung (seit 2001). Die Gegenwartskultur ist vertreten mit der Kunsthalle Fri-Art (seit 1990) sowie Rock- und Punkmusik im Fri-Son.

Mit seinen zwei Kulturen und seiner Universität spielt Freiburg eine wichtige Rolle als Brückenstadt mit internationaler Ausstrahlung.

Quellen und Literatur

  • StadtA
  • Die Freiburger Handfeste von 1249, hg. von H. Foerster, J.-D. Dessonnaz, 2003
  • Die grosse Freiburger Chronik des Franz Rudella, 2 Bde., hg. von S. Zehnder-Jörg, 2007
Reihen
  • ASHF, 1850-1978
  • FGB, 1894-
  • Ann. frib., 1913-
  • Kdm FR 1-3, 1956-64
  • Freiburger Archäologie, 1983-
  • Archäolog. Fundber., 1984-1997
  • Freiburger Bibl., 1990-
  • Patrimoine fribourgeois / Freiburger Kulturgüter, 1991-
  • Freiburger H. für Archäologie, 1999-
Allgemeines
  • Encycl.FR, 2 Bde. 1977
  • Mieux connaître Fribourg, 1977
  • H. Schöpfer, Kunstführer Stadt Freiburg, 1979
  • Freiburg: Die Stadt und ihr Territorium, hg. von G. Gaudard et al., 1981
  • Gesch.FR, 1981
  • Bibl. des Kt. Freiburg, 1982
  • INSA 4, 165-247
  • H. Schöpfer, Kleiner Kunstführer Stadt Freiburg, 1989 (21997)
  • Freiburg auf den Wegen Europas, hg. von C. Fedrigo et al., Ausstellungskat. Freiburg, 2000
Mittelalter und frühe Neuzeit
  • J. Niquille, L'hôpital de Notre-Dame à Fribourg, 1921
  • J. Zollet, Die Entwicklung des Patriziates von Freiburg i. Ue., 1926
  • A. Maillard, La politique fribourgeoise à l'époque de la Réforme catholique, 1954
  • Fribourg = Freiburg: 1157-1481, 1957
  • P. Rück, «Das Staatsarchiv Freiburg im 14. und 15. Jh.», in FGB 55, 1967, 235-279
  • A.-J. Marquis, Le collège Saint-Michel de Fribourg (Suisse), sa fondation et ses débuts 1579-1597, 1969
  • P. Rück, «Heiml. Kammer, Heiml. Rat, Kriegsrat und Geheimer Rat in Freiburg i.Ue. vor 1798», in FGB 58, 1972/73, 54-67
  • P. Schnetzer, «Das Eindringen des Deutschen in die Stadtkanzlei Freiburg (1470-1500)», in FGB 62, 1979/80, 85-135
  • Der Kirchenschatz des St. Niklausenmünsters in Freiburg, Ausstellungskat. Freiburg, 1983
  • Das Freiburger Buch 1585-1985, Ausstellungskat. Freiburg, 1985
  • U. Portmann, Bürgerschaft im ma. Freiburg, 1986
  • N. Morard, «Une charité bien ordonnée: la confrérie du Saint-Esprit à Fribourg à la fin du Moyen Age (XIVe-XVe siècles)», in Le mouvement confraternel au Moyen Age, 1987, 275-296
  • M. Blattmann, Die Freiburger Stadtrechte z.Z. der Zähringer, 2 Bde., 1991
  • E. Tremp, «Könige, Fürsten und Päpste in Freiburg», in FGB 68, 1991, 7-56
  • W. Schulze, «Landesfürst und Stadt», in FGB 72, 1995, 131-173
  • Zur geistigen Welt der Franziskaner im 14. und 15. Jh., hg. von R. Imbach, E. Tremp, 1995
  • E. Maradan, J.-P. Uldry, «Sources et conditions de la vie culturelle et intellectuelle au temps des Lumières dans le canton de Fribourg, 1750-1798», in Ann. Benjamin Constant 18/19, 1996, 21-36
  • G. Bourgarel, Fribourg - Freiburg: Le Bourg de fondation sous la loupe des archéologues, 1998
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  • C. Gutscher, V. Villiger, Im Zeichen der Nelke: der Hochaltar der Franziskanerkirche in Freiburg im Üchtland, 1999
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19. und 20. Jahrhundert
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  • C. Aebischer, Le paupérisme en ville de Fribourg entre 1850 et 1869, Liz. Freiburg, 1983
  • B. Verdon, Les transports en commun à Fribourg, Liz. Freiburg, 1994
  • S. Gumy, L'Auge au XXe siècle, 1997
  • S. Bavaud, L'action de la Société de développement de la ville de Fribourg (1899-1960), Liz. Freiburg, 1998
  • 1899-1999: Fribourg 100 ans au service du tourisme, 1999

Zitiervorschlag

Guex, François; Schöpfer, Hermann; Czouz-Tornare, Alain-Jacques: "Freiburg (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.02.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000953/2010-02-04/, konsultiert am 14.10.2021.