de fr it

Villars-sur-Glâne

Politische Gemeinde des Kantons Freiburg, Saanebezirk, angrenzend an die Stadt Freiburg. 1143 Vilar, 1228 Vilar lo Torel, 1789 Villars-sur-Glâne, deutsch früher Glanewiler. 1452 10 Feuerstätten; 1811 249 Einwohner; 1850 335; 1900 856; 1950 1490; 1960 2584; 1970 5214; 2000 9339.

Die ersten menschlichen Spuren datieren aus der Bronzezeit (2300-800 v.Chr.). Zwei Tumuli aus der Hallstattzeit (800-480 v.Chr.) stehen im Zusammenhang mit der befestigten Anlage Châtillon-sur-Glâne. Der eine liegt bei Les Daillettes, der andere – von europäischer Bedeutung und einer der grössten der Schweiz – im Wald Moncor. Die viereckige Einfriedung im Wald Belle-Croix könnte aus der Latènezeit stammen (480-30 v.Chr.). In der Römerzeit wurde die Glane durch eine Furt unterhalb der Steinbrücke Sainte-Apolline überquert. Die Brücke wurde lange Zeit den Römern zugeschrieben, sie stammt aber aus dem 16. oder 17. Jahrhundert und hatte möglicherweise eine oder mehrere Vorgängerinnen aus Holz. Die angrenzende, 1147 erwähnte Kapelle Sainte-Apolline wurde nach einem Brand 1566 wieder aufgebaut. In Villars-sur-Glâne besassen unter anderem der Graf von Greyerz, die Abtei Hauterive, das Priorat Payerne und die Familie von Affry Rechte und Güter. Die Villars-Achars, die Herren von Villars-sur-Glâne, werden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert erwähnt und erscheinen als Wohltäter von Hauterive. 1442 wurde Villars-sur-Glâne von Freiburg gekauft und gehörte bis 1798 zur Alten Landschaft (Neustadtpanner), 1798-1848 zum Bezirk Freiburg, danach zum Saanebezirk. Die ersten Gemeindestatuten datieren von 1737. Die Pfarrei Villars-sur-Glâne wird 1143 erstmals erwähnt, geht aber wahrscheinlich auf das Frühmittelalter zurück. Die 1156/1173 erwähnte Kirche St. Peter wurde um 1450 neu gebaut und 1916 durch ein neues, den Heiligen Peter und Paul geweihtes Gotteshaus ersetzt.

Die Brücke über die Glane. Fotografie von Léon de Weck, um 1888 © Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg, Sammlung Léon de Weck-Georges de Gottrau.
Die Brücke über die Glane. Fotografie von Léon de Weck, um 1888 © Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg, Sammlung Léon de Weck-Georges de Gottrau. […]

Einst lagen auf dem Gemeindegebiet Weiler und Patriziersitze, dann wandelte sich die ländliche Gemeinde in eine Vorstadt, deren Schicksal eng mit jenem von Freiburg und dessen Agglomeration verknüpft ist. Im Lauf der Jahrhunderte wurde das Land langsam von der expandierenden Hauptstadt aus überbaut. Die Kantonsstrasse Freiburg-Bulle, welche die Glane über ein 1853-1858 von Richard La Nicca erstelltes Viadukt überquert, der Anschluss an die Eisenbahn 1862 und die Autobahn A12 1971 trugen zum gewaltigen demografischen und wirtschaftlichen Wachstum seit dem Zweiten Weltkrieg bei. Villars-sur-Glâne bildete nach Freiburg und Bulle die drittgrösste Gemeinde des Kantons und erreichte 2005 die Schwelle von 10'000 Einwohnern. Zulasten der Grünfläche entstanden neue Wohnquartiere (Villars-Vert, Dailles, Cormanon), die nach neuer Infrastruktur (Kindergärten, Primarschulen, Sport- und Verwaltungszentren) verlangten. Die Zuwanderung ist der Hauptgrund für diesen Boom. Sie führte zu einer ethnischen Durchmischung, die auch dem Aufstieg der Universität Freiburg und den Arbeitsplätzen in der Industrie zuzuschreiben war. Diese tief greifende Änderung beeinflusste auch die politische Zusammensetzung des Gemeinderats (Exekutive): Die Linke (SP, CSP) erstarkte, die bisher ununterbrochen regierende Rechte (CVP, FDP) verlor 2006 die Mehrheit.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bot Villars-sur-Glâne über 6800 Arbeitsplätze (2005 32% im 2. Sektor), die sich mehrheitlich in der Industrie- und Einkaufszone Moncor befanden, wo die wichtigsten Unternehmen (Cremo, Cartier, Meggitt SA) angesiedelt sind. Die Gemeinde zählt mehr Zu- als Wegpendler. Die städtische Dichte von Villars-sur-Glâne und Freiburg lässt die Grenzen zwischen den beiden Gemeinden verschwinden. Deshalb wird mittelfristig eine Agglomeration angestrebt, die alle vorstädtischen Gemeinden umfassen und laut Prognosen in ein paar Jahrzehnten rund 100'000 Einwohner aufweisen soll.

Quellen und Literatur

  • G. Bourgarel, «Pont et chapelle de Sainte-Apolline», in Archéologie fribourgeoise: chronique archéologique, 1989/92, 149-154
  • M. Charrière, Une commune à travers les siècles, 2007
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Georges Andrey: "Villars-sur-Glâne", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.07.2013, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000981/2013-07-09/, konsultiert am 16.06.2024.