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Muntelier

Politische Gemeinde des Kantons Freiburg, Seebezirk. Ehemaliges Fischerdorf am Murtensee, Teil der Agglomeration Murten. 1270 Es Montelliers, französisch Montilier. 20 Haushalte im 15. Jahrhundert; rund 15 im 17. Jahrhundert; 1811 374 Einwohner; 1850 408; 1900 576; 1950 493; 2000 719. 91% der Einwohner sprachen im Jahr 2000 Deutsch, 8% Französisch.

Ur- und Frühgeschichte

Die neolithischen Seeufersiedlungen von Muntelier gehören zu den ältesten, fundreichsten und besterhaltenen der Schweiz. Zwischen 1971 und 2003 untersuchte der Archäologische Dienst des Kantons Freiburg sechs Siedlungen: Muntelier-Dorf, Muntelier-Fischergässli und Muntelier-Strandweg für das mittlere Neolithikum (klassische Cortaillod-Zeit), Muntelier-Platzbünden für das Spätneolithikum (Horgener Kultur) sowie Muntelier-Steinberg und Muntelier-Dorfmatte für das Endneolithikum (Lüscherzer Kultur und sogenanntes Auvernier-Cordé). Die dendrochronologischen Datierungen bewegen sich zwischen 3890 und 2625 v.Chr.

Die Bronzezeit (2300-800 v.Chr.) manifestiert sich in der Region Murten durch einige Fundorte am See sowie durch Siedlungen in den sumpfigen Senken und auf den Hügeln weiter südlich. Auf dem Gemeindegebiet von Muntelier wurde nur ein bedeutender Fundort entdeckt, die grosse spätbronzezeitliche Ufersiedlung Muntelier-Steinberg, die im 19. Jahrhundert vom Bieler Friedrich Schwab und später von Gustav von Bonstetten ausgegraben wurde. Zudem fanden wilde Grabungen statt. Dieser reiche Fundort ist seit Ende des 20. Jahrhunderts durch starke Erosion bedroht. 2007 und 2008 wurde mit Tauchgrabungen versucht, die Ausdehnung und den Zustand der Siedlung genauer einzuschätzen. Bei der Aushebung eines Grabens in der Nähe eines Wohngebäudes im Dorfzentrum wurden 1974 in einer organischen Schicht abgelagerte Tonscherben aus der Spätbronzezeit entdeckt. Aus der Eisenzeit sind bislang keine Spuren bekannt. Ein ehemaliger römischer Weg ist stratigrafisch erfasst. Eine Niederlassung aus derselben Epoche befindet sich nahe der Kirche.

Vom Mittelalter bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts

Muntelier gehörte bis 1533 zur Gemeinde Murten und teilte deren Geschichte bis nach der Reformationszeit. Die Kirche St. Mauritius wird 1228 erstmals erwähnt, ihre Gründung erfolgte jedoch in spätrömisch-merowingischer Zeit. Sie diente als Pfarrkirche der Pfarrei Murten, bis sie 1762 ersatzlos abgebrochen wurde. Seit 1684 unterhält Muntelier eine Dorfschule, das Schulhaus stammt von 1702. Der hochbarocke Herrensitz der Berner Familie von Ernst wurde um 1700 erbaut. Das Strassendorf wurde nach dem Dorfbrand von 1741 wieder aufgebaut. Das ab 1863 erwähnte Hotel Bad Muntelier entstand aus einer Brauerei, einer Pinte, einem Seebad sowie einem Tanz- und Theatersaal. Die 1825-1826 errichteten Gebäude der Rotfärberei Erath übernahm 1854 Etienne-Ovide Domon, dessen Uhrengehäusefabrik als einzige frühindustrielle Gründung im Kanton Erfolg hatte. Die Montilier Watch Co. SA beschäftigte in ihren besten Zeiten 600 Personen (Schliessung 1962). Seit 1957 befindet sich der Sitz des Getränkeautomatenherstellers Selecta AG in Muntelier.

Quellen und Literatur

  • J.-P. Anderegg, Die Bauernhäuser des Kt. Freiburg 1, 1979
  • E. Löffel, Muntelier, 1985
  • D. Ramseyer, «Le lac de Morat et la rive sud du lac de Neuchâtel à l'époque néolithique», in Die ersten Bauern 1, Ausstellungskat. Zürich, 1990, 313-323
  • Kdm FR 5, 2000, 410-420
  • Muntelier/Fischergässli, hg. von D. Ramseyer, 2000
  • Freiburger H. für Archäologie 7, 2005, 4-73, 90-113, 148-163
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Denis Ramseyer; Hermann Schöpfer: "Muntelier", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.01.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001013/2010-01-21/, konsultiert am 11.08.2022.