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Châtel-Saint-DenisGemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Freiburg, seit 1848 Hauptort des Bezirks Veveyse, liegt am Ufer der Veveyse, an der Strecke Bulle-Vevey und umfasst das Ski- und Wandergebiet Les Paccots, Fruence und einige Weiler, bis 1806 auch Remaufens. Das weitläufige Gemeindegebiet (4791 ha) weist eine typisch voralpine Landschaft mit Naturschutzgebieten wie dem Lac de Lussy und dem Lac des Joncs auf. 1850 2339 Einwohner; 1900 2509; 1950 2908; 1960 2666; 1970 2842; 1990 3797; 2000 4389.

Schloss und Städtchen Châtel-Saint-Denis. Stich aus der Neuen und vollständigen Topographie der Eydgnoßschaft, die David Herrliberger zwischen 1754 und 1777 veröffentlichte (Museum für Kommunikation, Bern).
Schloss und Städtchen Châtel-Saint-Denis. Stich aus der Neuen und vollständigen Topographie der Eydgnoßschaft, die David Herrliberger zwischen 1754 und 1777 veröffentlichte (Museum für Kommunikation, Bern).

1998 wurden in der Nähe des Lac de Lussy eine Fundstelle vom Ende des Paläolithikums und zwei aus dem Mesolithikum (Châtel-Saint-Denis-Pramontey 1 und 2) freigelegt. In Châtel-Saint-Denis-Lac de Lussy, der wichtigsten Grabung, wurde erstmals im Kanton Freiburg ein Werkzeug aus oolithischem Kalkstein entdeckt, das mit jenen aus den Magdalénien-Fundplätzen in Moosseedorf-Moosbühl, Hauterive-Champréveyres (NE) sowie Neuenburg-Monruz vergleichbar und deshalb wohl in die Zeit um 13'500 v.Chr. zu datieren ist. Dieses Werkzeug ist das älteste menschliche Zeugnis, das bis heute auf Freiburger Gebiet gefunden wurde.

Nach dem Erwerb der Herrschaft Fruence 1296 gründete Amadeus V. von Savoyen Châtel-Saint-Denis, das zum Zentrum der gleichnamigen Herrschaft wurde und den Flecken Fruence verdrängte, der zusehends verödete. Das Schloss, das die Neustadt überragte, wurde um 1305 fertiggestellt. Der Ort war mit 1336 von Aymo von Savoyen bestätigten Freiheiten ausgestattet, die denjenigen Moudons entsprachen. Trotz der idealen Lage an der Strecke zwischen dem Oberlauf der Broye und dem Genfersee inmitten eines urbar gemachten Gebiets entwickelte sich Châtel-Saint-Denis nur zögerlich; sein Markt erlangte lediglich regionale Bedeutung. Von 1384 an existierte eine Heiliggeistbruderschaft. Ab 1536 unterstand Châtel-Saint-Denis der Oberherrschaft Freiburgs; 1574-1798 war es Hauptort der Landvogtei, welche die vormalige Herrschaft ablöste. Im 18. Jahrhundert profitierte das Städtchen an der Route du fromage vom wirtschaftlichen Aufschwung und vom Handel zwischen dem Greyerz und dem Genferseegebiet. Der Aufstand gegen das Freiburger Patriziat fand auch in Châtel-Saint-Denis Anhänger, die 1780-1784 die Gruppe um Pierre-Nicolas Chenaux unterstützten und sich dem Club helvétique anschlossen. 1798 nahm Châtel-Saint-Denis an der revolutionären Bewegung der Waadt teil. 1798-1848 war es Hauptort des gleichnamigen Bezirks, der an die Stelle der Landvogtei trat.

Die 1228 erstmals erwähnte Pfarrei beschränkt sich auf das Territorium der Herrschaft Châtel-Saint-Denis. Die Kollatur gehörte bis zur Reformation dem Priorat Lutry. 1580 kam die Pfarrei ans Kapitel St. Nikolaus in Freiburg; Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie dem Bischof der Diözese abgetreten. Die Kirche St. Dionys aus dem späten 13. Jahrhundert wurde 1636 durch eine neue Kirche ersetzt, die 1787 umgestaltet wurde und dann einer Privatschule als Kapelle diente. Die aktuelle Kirche wurde 1872-1875 von Adolphe Fraisse erbaut. Die Pfarrei besitzt mehrere Kapellen, so Saint-Roch mit einem Pestfriedhof (1655), Notre-Dame-du-Scex (1867), Saint-Blaise in Prayoud (1902) und Notre-Dame-des-Neiges in Les Paccots (1935).

Bevölkerungswachstum und das Fehlen von Industrie führten im 19. Jahrhundert zu Auswanderungen nach Argentinien, zum Beispiel in die Schweizer Kolonie in Baradero. Nur zögerlich siedelten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts einige industrielle Betriebe an, die Rohrmöbel, Korbwaren, Zigarren und Milchpulver herstellten. Letztere Fabrik verlegte 1914 die Produktion nach Vuadens. Die Brüder Genoud errichteten 1898 ein Elektrizitätswerk. 1960 kamen kleinere Unternehmen aus verschiedenen Branchen hinzu (Textil und Bekleidung, Metallstoffe, Verschalungen, Laminate, Isoliermaterialien). Die Freigabe der A12 1980 und die Ausscheidung einer grossflächigen Industriezone waren die Voraussetzungen für die Niederlassung neuer Firmen (Metallbau, Elektronik, Abfallverarbeitung, Maschinen, medizinische Produkte, Sanitärartikel). Der Tourismus setzte 1856 mit der Eröffnung der Bäder ein und erlebte Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Höhepunkt, als die schmalspurigen Eisenbahnstrecken Palézieux-Châtel-Saint-Denis-Bulle (1901) und Vevey-Châtel-Saint-Denis (1904) in Betrieb genommen wurden; Letztere wurde 1970 durch eine Buslinie ersetzt. Ergänzend zu den touristischen Attraktionen des Genferseegebiets bietet Les Paccots gute Ski- und Wandermöglichkeiten. Die erste Liftanlage, die dritte in der Westschweiz, wurde 1938 errichtet. In den 1960er Jahren wurde die Infrastruktur der Station ausgebaut. Die Landwirtschaft ist vor allem auf die Viehzucht ausgerichtet. Die 1922 gegründete Société des laiteries châteloises réunies produziert Greyerzer Käse sowie Freiburger Vacherin und beliefert die Industrie. Mehr als ein Viertel des Gemeindegebiets ist bewaldet. Die Produktion von Wagen, Kisten und Holzwolle wurde eingestellt, die Sägereien, Zimmereien und Tischlereien zu industriellen Betrieben aufgerüstet. Andere dem Baugewerbe nahe Geschäfte machten ähnliche Entwicklungen durch.

Das 1873 errichtete Hospiz für Pfründner, Waisen und bedürftige Kinder wurde 1979 in ein medizinisch voll ausgestattetes Heim umgebaut. Das 1892 von Victor Monney gegründete Krankenhaus war anfänglich Mitgliedern der Kirchgemeinde Châtel-Saint-Denis vorbehalten, später stand es den Einwohnern des gesamten Bezirks offen. Eine gemischte Schule ist 1687 bezeugt. Von 1739 an wurde eine reine Mädchenklasse geführt, eine Lateinklasse bestand seit 1760. Pfarrer Déglise eröffnete 1803 eine Lateinschule für Knaben, die der Vorbereitung auf weiterführende Schulen diente. 1876 wurde eine Sekundarschule und 1973 eine Orientierungsstufe für den gesamten Bezirk eingerichtet.

Quellen und Literatur

  • A. Genoud, Châtel-Saint-Denis, hier et aujourd'hui, 1972
  • La Veveyse, une terre ... des hommes, 1980
  • L. Pedrini, Châtel-Saint-Denis (Saint-Denis de Fruence): une "villa nova" de la fin du XIIIe siècle, Liz. Lausanne, 1989
  • J.P. Anderegg et al., 700 ans Châtel-Saint-Denis,1997
  • JbSGUF 82, 1999, 248; 83, 2000, 195
  • J.-L. Boissaubert et al., «Premiers indices d'une occupation magdalénienne de la Veveyse», in Cahier d'archéologie fribourgeoise 1, 1999, 14-19
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Jean-Claude Vial: "Châtel-Saint-Denis (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.08.2005, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001046/2005-08-23/, konsultiert am 05.10.2022.