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Wolfwil

Politische Gemeinde des Kantons Solothurn, Bezirk Gäu, im Aaregäu gelegen. Wolfwil und die Siedlung Far verschmolzen vom 17. Jahrhundert an zu einem Strassendorf über der Aare. Der Weiler (Steckhof) Oberer Schweissacher lag ursprünglich im Mannlehen der von Rohr von Kestenholz in der Holzmarch. 1266 Wolfwiler. 1739 317 Einwohner; 1798 555; 1850 1033; 1888 880; 1900 926; 1950 1738; 2000 1939.

Wolfwil und vermutlich auch Far (mit erster Fähre) waren Teile der flussübergreifenden Herrschaft der Vorfahren jener von Bechburg und Falkenstein. Die Aarefähre nach dem bernischen Wynau ist immer noch in Betrieb. Solothurn erwarb Wolfwil (wohl mit Mühle, Fähre und Kirchensatz) wahrscheinlich 1402 zusammen mit der Herrschaft Falkenstein. Bis 1518 blieb der grössere Teil von Wolfwil bei der Vogtei Falkenstein. 1518-1798 gehörte Wolfwil zum Oberen Amt der Vogtei Bechburg, ab 1519 auch zum Gericht Oensingen, ab 1798 zum Distrikt bzw. später zur Amtei Balsthal, seit 1986 Amtei Thal-Gäu genannt. Die älteste archäologisch nachgewiesene christliche Grablegung datiert aus dem 11. Jahrhundert. Unter Solothurner Herrschaft wurde Wolfwil zunächst vom Pfarrer in Laupersdorf, 1521-1622 von Kestenholz aus betreut. 1622 erfolgte die erneute Gründung einer selbstständigen Pfarrei, der bis 1679 auch Fulenbach angehörte. Die 1616-1620 neu erbaute katholische Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt (1976-1977 erweitert) ist Wallfahrtsstätte geblieben. Seit 1988 besitzt die reformierte Kirchgemeinde Gäu-Egerkingen in Wolfwil ein Kirchgemeindezentrum. Der nach 1740 erbaute herrschaftliche Landsitz, der spätere Gasthof zum Kreuz, wurde 1790/1791 vermutlich nach Plänen von Paolo Pisoni aufgestockt und gehörte den Familien Wagner, von Roll und Roggenstill. Das erste Schulhaus wurde 1828 errichtet und steht seit 2010 unter Denkmalschutz. Die Bezirksschule von 1957 wurde 1979 in den dezentralen Zweckverband Kreisschulen Gäu integriert; seit 2005 befinden sich je nach Bedarf Klassen der Sekundarstufe I in Wolfwil. An die Beschäftigung der Armen erinnert der Besenbinderinnen-Brunnen von 1960. Bis zur Rezession um 1974 waren neben landwirtschaftlichen sowie holz- und metallverarbeitenden Betrieben Unternehmen der Uhrenbranche ansässig. Im noch immer als Viehhändler-Dorf bekannten Wolfwil nahm der Dienstleistungssektor zulasten von Landwirtschaft und Gewerbe zu (2005 56% der Beschäftigten im 2. und 36% im 3. Sektor). Die wachsende Wohngemeinde mit zunehmendem Individualverkehr verfügt über Busverbindungen nach Olten und ins Gäu.

Quellen und Literatur

  • Wolfwil, 2 Bde., 1981-1991
  • E. Schenker, «Der Obere Schweissacher von Wolfwil – einst Teil von Kestenholz?», in JbSolG 64, 1991, 77-153
  • E. Schenker, J. Pfluger, «Eine Mühle und ihre Geschichte», in Jurabl. 51, 1989, 81-99
  • Die Wallfahrtskirche Wolfwil, 2005
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Erich Schenker: "Wolfwil", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.11.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001064/2013-11-20/, konsultiert am 20.05.2024.