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Gänsbrunnen

Ehemalige Gemeinde des Kantons Solothurn, Bezirk Thal, bildet seit 2021 mit Welschenrohr die Gemeinde Welschenrohr-Gänsbrunnen, nördlich des Weissensteins und südlich einer Klus an der seit römischer Zeit benützten Strasse von Balsthal nach Moutier gelegen. 1428 Gänsbrunnen. Französisch früher Saint-Joseph. 1804 126 Einwohner; 1850 176; 1900 153; 1910 214; 1950 193; 1990 107; 2000 84; 2010 100; 2020 83.

Gänsbrunnen: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.
Gänsbrunnen: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.

Gänsbrunnen gehörte zur Landgrafschaft Buchsgau, einem Lehen des Bischofs von Basel, und unterstand ab 1427 der Hochgerichtsbarkeit von Solothurn, das 1669 auch nominell die Landeshoheit erlangte. 1535 wurde es dem Gericht Matzendorf zugeteilt. Das 1428 erstmals erwähnte Wirtshaus an der Grenze zum Fürstbistum Basel wurde nach einem Brand 1566 durch den Gasthof St. Joseph mit Zollamt und Post ersetzt (1797-1815 war Gänsbrunnen dann Grenzort zu Frankreich bzw. zu dessen Departementen Mont-Terrible und Haut-Rhin). Bis 1569 lag das Dorf im Zehntbezirk des Stifts Moutier-Grandval. Um die Ausbreitung des Täufertums (Täufer) zu verhindern, erfolgte 1628 die Weihe der Josefskapelle, die 1720 zur Pfarrkirche (Pfarrei) erhoben wurde. Solothurner Patrizier wie die Sury, Vigier von Steinbrugg und Arregger besassen in Gänsbrunnen Viehhöfe. Die 1563 erstellte Mühle brannte 1905 ab. In römischer Zeit und spätestens wieder ab dem 16. Jahrhundert wurde im Gebiet von Gänsbrunnen Erz (Eisen, Hammerschmiede) abgebaut. Eisenherren betrieben Hochöfen, so Philippe Choussard gemeinsam mit Jakob Rubischung (Rubischung) 1565-1569, Urs Graf, Emanuel Stupan und Johann Jakob Nussbaumer 1692-1732, die Gebrüder Dürholz & Cie. (Karl Dürholz) 1805-1810 sowie Ludwig von Roll & Co. (Von Roll) 1810-1845. Die in der Schafmatt um 1562-1603 und 1615-1636 unterhaltene Glashütte (Glas), die noch in den Rüschgraben in Oberdorf verlegt wurde, gab für die Nachfolgehütten in La Heutte und St. Blasien im Schwarzwald wichtige Impulse. 1908 erhielt Gänsbrunnen an der Eisenbahnstrecke Solothurn-Moutier eine Station und seit 1908 baut es in der Klus Steine ab (Steinindustrie). Gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann die Gemeinde mit Welschenrohr zusammenzuarbeiten, so im Schulwesen und bei der Feuerwehr. Das 2003 eröffnete Tanksäulenmuseum verlegte seinen Standort 2011 nach Laupersdorf. 2004 wurden Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg unter kantonalen Denkmalschutz gestellt.

Quellen und Literatur

Von der Redaktion ergänzt
  • Roth, Alexander: Unterwegs in der eisernen Welt. Auf den Spuren einer Schmelzer- und Hammerschmiedefamilie an schweizerischen, französischen, deutschen und kanadischen Eisenwerken von 1552 bis 1883, 2009.
  • Roth, Alexander; Schaffner, Walter: Glasmacher aus Böhmen an den Glashütten von Gänsbrunnen und La Heutte im Schweizer Jura – nebst weiteren neuen Erkenntnissen zu beiden Glashütten, 2013.
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1428: Gänsbrunnen
Endonyme/Exonyme
Gänsbrunnen (deutsch)
Saint-Joseph (französisch nicht mehr gebräuchlich)

Zitiervorschlag

Urban Fink: "Gänsbrunnen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.11.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001067/2021-11-08/, konsultiert am 25.06.2022.