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Bettingen

Politische Gemeinde des Kantons Basel-Stadt. Ländliche Wohngemeinde der Agglomeration Basel, rechts des Rheins in erhöhter Lage am Fusse von St. Chrischona und an der Grenze zu Deutschland gelegen. 777 Bettingen. 1774 193 Einwohner; 1850 279; 1900 490; 1950 553; 1970 1062; 2000 1151.

Paläolithischer Faustkeil. Frühe Siedlungszeugen sind eine neolithische Freilandstation (Schafrain), bronzezeitliche Einzelfunde und ein frühmittelalterliches Plattengrab (7./8. Jahrhundert) bei der Kirche St. Chrischona. Der Hof Bettingen wechselte Ende des 14. Jahrhunderts von den Edlen von Bärenfels zu den Truchsessen von Wolhusen, die vom Bischof von Basel mit der hohen Gerichtsbarkeit belehnt waren und im 15. Jahrhundert die niedere Gerichtsbarkeit vom Basler Frauenkloster St. Clara übernahmen. 1513 erwarb die Stadt Basel Bettingen und verwaltete es vorerst als eigenes Amt, ab 1627 im Amt Riehen. Die ausser- und oberhalb des Dorfes stehende Kirche (ältester Vorgängerbau um 700 mit Anbauten des 9. und 10. Jh., Neubauten: Westturm 1450/1460, Chor 1503-1509, Schiff 1513-1516) ist 1353 als Filiale von Grenzach erwähnt. Das ursprüngliche Brictiuspatrozinium wich im 14. Jahrhundert jenem von St. Chrischona (Kult der heiligen Christiana). Die Kirche wurde nach 1513 der Pfarrei Riehen unterstellt und verlor mit der Reformation ihre Bedeutung als Wallfahrtsort. Die Einwohner lebten vom Acker- und Weinbau, ergänzt durch Heimweberei (Leinen, im 18. Jh. Posamenten). In der Helvetischen Republik gehörte Bettingen zum Distrikt Basel, danach 1803-1815 zum Distrikt Liestal. 1833 verblieb Bettingen zusammen mit Riehen und Kleinhüningen als Teil des bis 1875 bestehenden sogenannten Landbezirks beim Kanton Basel-Stadt. 1840 entstand auf St. Chrischona (Chrischona-Gemeinden) die Missionsschule "Pilgermission", die sich zu einem Zentrum des Pietismus entwickelte. Das Projekt einer Chrischonabahn verlor sich im Verlauf des Ersten Weltkriegs. Seit 1930 verbindet ein Busbetrieb Bettingen mit Basel. Nach 1950 wandelte sich Bettingen zur Wohngemeinde (v.a. Einfamilienhäuser) und zum beliebten Basler Naherholungsgebiet. 1962 nahm der Sender, 1984 der 250 m hohe Fernsehturm auf St. Chrischona den Betrieb auf.

Quellen und Literatur

  • L.E. Iselin, A. Bruckner, Gesch. des Dorfes Bettingen, 1963
  • R. Moosbrugger-Leu, Die Chrischonakirche von Bettingen, 1985
  • E. Richter, «Die hist. Beziehungen zwischen Grenzach und Bettingen (Kt. Basel-Stadt)», in Das Markgräflerland 46, 1986, 82-89
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Brigitta Strub: "Bettingen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.04.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001187/2004-04-28/, konsultiert am 05.10.2022.