de fr it

Aesch (BL)

Politische Gemeinde des Kantons Basel-Landschaft, Bezirk Arlesheim. Strassendorf am linken Birsufer, heute Agglomerationsgemeinde Basels. 1252 Esch. Aesch entstand am Verbindungsweg Birseck-Laufental über den Plattenpass und war im 18. Jahrhundert Vogteisitz und Zollort. 1586 48 Häuser; 1771 655 Einwohner; 1815 787; 1850 998; 1900 1867; 1950 3149; 2000 9735.

Vorrömische Zeit

Ein jungsteinzeitliches Dolmengrab (Typ Aesch-Schwörstadt, ca. 3. Jt. v.Chr.) im Gmeiniwald wurde 1907 entdeckt, 1907 und 1909 ausgegraben. In der zentralen, rechteckigen Grabkammer von 2,4 x 4,1 m, unter einem flachen Erdhügel von 9 m Durchmesser, fanden sich Skelettreste von 47 Individuen, darunter 14 Kindern, sowie etwas Leichenbrand. Beigaben waren Pfeil-, Speerspitzen und Messer aus Silex, Tierzahnanhänger, ein Schlegel aus Buntsandstein und Quarzit sowie Keramikfragmente.

1977 wurden an der Fluhstrasse mittelbronzezeitliche Siedlungsreste (1500-1300 v.Chr.) gefunden: eine Feuerstelle und Steinsetzungen, ein Hausgrundriss von 2,7 x 3,1 m sowie Topfscherben. Im Känelacker kam 1923 ein Metalldepot eines Giessers aus der beginnenden Spätbronzezeit (um 1300 v.Chr.) zum Vorschein: mehrere kupferne Gusskuchenstücke sowie zum Einschmelzen bestimmte Bronzefragmente wie eine Tüllenlanzenspitze (Spitze fragmentiert), zwei mittelständige Grifflappenbeile, diverse teilweise verzierte Bleche und Sicheln. Spätbronzezeitliche Kulturschichten mit Keramik (1300-800 v.Chr.) fanden sich beim alten Tramdepot an der Hauptstrasse und an der Lerchenstrasse.

Römische Zeit bis heute

Archäologisch nachgewiesen sind drei römische Gutshöfe aus dem 1.-4. Jahrhundert sowie Rebbau. Frühmittelalterliche Gräberfelder liegen im Steinacker (7. Jh.) und in Saalbünten (Teile einer Kirche, vermutlich 8.-10. Jh.). Dieser Befund lässt an der Annahme Zweifel aufkommen, das Dorf Aesch sei aus dem im 12. Jahrhundert fassbaren Dinghof entstanden, zu dem der Kirchensatz von Pfeffingen gehörte. Die 1292 erwähnte, vor 1356 in Abgang geratene Burg Frohberg (genannt "Tschöpperli") war eine Gründung der Schaler. Als Teil der bischöflichen Vogtei Pfeffingen war Aesch vom 13. Jahrhundert bis 1519 Erblehen der Grafen von Thierstein und stand danach bis 1792 unter Verwaltung des Pfeffinger Landvogts (1583-1792 Familie von Blarer). 1566 wurde eine bischöfliche Ziegelscheune, 1611 eine neue bischöfliche Trotte erbaut. Aesch wurde 1702 Vogteisitz (Blarerschloss, 1604-1607 erbaut, ehemalige Herberge) und entwickelte sich nach dem Neubau der Angensteiner Brücke zum Zollort (1715 Zollhaus an der "Mugge"). Die Einwohner waren nach Pfeffingen kirchgenössig. Ab 1672 besass das Dorf eine von der Familie von Blarer gestiftete Kapelle (Josephspatrozinium, Wegkapelle schon im 16. Jh. erwähnt). Im Spätmittelalter bestand in der Klus ein kleines Frauenkloster, zu dem nur dürftige schriftliche und archäologische Hinweise bestehen.

Obwohl Aesch wie die ganze Vogtei Pfeffingen nicht mit der Stadt Basel verburgrechtet war, nahm es um 1529 den reformierten Glauben an. 1582-1588 stand das Dorf im Zentrum der letztlich erfolgreichen gegenreformatorischen Bemühungen des Basler Bischofs Jakob Christoph Blarer von Wartensee. Infolge seiner Grenzlage erlitt Aesch mehrmals Plünderungen und Brandschatzungen, vor allem im Dreissigjährigen Krieg (1618-1648); die historische Bausubstanz ist daher bescheiden. Das Bauerndorf war dank fruchtbarer Böden, mildem Klima und Sonnenhängen vom Weinbau geprägt. Dessen Bedeutung spiegelte sich in der Handwerksstruktur: 1745 gab es sechs Küfer, und Landarme sowie Taglöhner verdingten sich bei den (Wein-)Bauern. Nach der kurzlebigen Raurachischen Republik (1792-1793) unterstand Aesch 1793-1815 französischer Herrschaft (1793-1800 Departement Mont-Terrible, 1800-1815 Departement Haut-Rhin), unter welcher es 1803 selbstständige Pfarrei wurde. 1819-1820 erfolgte der Bau der Pfarrkirche St. Joseph (1938-1939 Umbau). 1815 wurde Aesch wie das ganze Birseck dem Kanton Basel zugesprochen. In den 1830er Trennungswirren stellte Aesch politische und militärische Anführer (u.a. Anton von Blarer), und 1830 erhob sich im Dorf ein Freiheitsbaum mit der Losung "Freiheit oder Tod". Bis ins 20. Jahrhundert hinein behielt Aesch seinen vorwiegend agrarischen Charakter (1881 Milchgenossenschaft, 1885 landwirtschaftliche Genossenschaft). Daneben bestanden Unternehmen wie die Seilerei Stoecklin (1865) und die Blech- und Metallwarenfabrik Vogel (1876). Dem starken Rückgang der Rebfläche von 34 (1846) auf 16 ha (1906) begegnete man mit Schädlingsbekämpfung (Reblaus), einer Weinbaugenossenschaft und Güterzusammenlegungen, sodass Aesch heute den grössten Anteil an Rebland in Basel-Landschaft stellt (1985 23 ha).

Trotz der Erschliessung durch die Jurabahn Basel-Delsberg (1875) und die Tramlinie Basel-Aesch (1907) erfolgte der industriell-gewerbliche Durchbruch in Aesch erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Betriebe der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus und der Pharmaindustrie in den neuen Gewerbezonen ansiedelten. Die Birskorrektion erschloss 1970 weiteres Industrieland. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ging von 88 (1929) über 21 (1980) auf 16 (1999) zurück. Das Bevölkerungswachstum führte zu reger Bautätigkeit (Neu-Aesch, 1987 Siedlung Im Birspark). 1990 zählten 54% der Arbeitsplätze zum 2. Sektor, 74% der Erwerbstätigen waren Wegpendler. Das 1851 von der Gemeinde als Gemeinde- und Schulhaus ersteigerte Blarerschloss wurde 1959 zum modernen Verwaltungsgebäude renoviert. Die 1902 gegründete Darlehenskasse Aesch-Pfeffingen wurde 1974 zur Raiffeisenkasse. Seit 1928 besteht die Kreissekundarschule Aesch-Pfeffingen.

Quellen und Literatur

Vorrömische Zeit
  • E. Gersbach, «Zur Herkunft und Zeitstellung der einfachen Dolmen vom Typus Aesch-Schwörstadt», in JbSGUF 53, 1966/67, 15-28
  • V. Schaltenbrand, «Eine neue mittelbronzezeitl. Station bei Aesch», in Archäologie und Mus. 1, 1984, 25-31
  • F. Leuthardt, «Neuere urgesch. Funde aus dem Kt. Baselland», in Archäologie und Mus. 2, 1984, 78-82
Römische Zeit bis heute
  • Kdm BL 1, 1969, 20-30
  • L. Häfliger et al., Heimatkunde Aesch, 1985
  • Tatort Vergangenheit, hg. von J. Ewald, J. Tauber, 1998
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Gutzwiller, Paul; Strub, Brigitta: "Aesch (BL)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.06.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001189/2009-06-23/, konsultiert am 07.12.2021.