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Binningen

Politische Gemeinde des Kantons Basel-Landschaft, Bezirk Arlesheim, am Unterlauf des Birsigs. Bis 1837 mit Bottmingen vereinigt, ist Binningen im Lauf des 19. Jahrhunderts in die Agglomeration Basel eingewachsen. 1004 Binningen. 1585 25 Einwohner; 1774 325; 1815 627; 1850 1229; 1900 5135; 1950 7864; 1970 15'344; 2000 13'977.

Vorrömische Zeit

1914 im Langrebengässlein entdeckte Reste zweier junger Mammute stehen wohl nicht mit Aktivitäten des paläolithischen Menschen im Zusammenhang. In den 1860er Jahren wurde das für die Nordwestschweiz aussergewöhnlich reiche Brandgrab einer Frau aus der beginnenden Spätbronzezeit (um 1200 v.Chr.) entdeckt. Über den genauen Fundort und die Fundzusammenhänge sind keine Angaben überliefert. Die durch den Brand stark in Mitleidenschaft gezogenen Beigaben liegen im Historischen Museum Bern. Auf die hohe soziale Stellung der Toten weist vor allem ein Kleiderbesatz hin, ein für diese Zeit in seiner Art seltenes, mit schraffierten Bändern, Zickzack-Linien und konzentrischen Kreisen gepunztes Goldblech. Zwei Gewandnadeln mit stark gewölbtem oberen Kopfteil und fünf Rippen wurden 1927 von Georg Kraft als Nadeltyp Binningen umschrieben; seither steht der Name Binningernadeln für diesen Typus. Auf dem Margarethenhügel wurde – erstmals in der Basler Gegend – im Jahr 2000 eine spätschnurkeramische Grube (2600-2500 v.Chr.) mit Keramik, Sielexgeräten und einem Rinderknochen entdeckt.

Römische Zeit bis heute

Das Schloss mit Wassergraben, Ansicht aus der Vogelperspektive. Aquarell von Albrecht Kauw, entstanden 1670 nach einer Skizze des Basler Graveurs Georg Friedrich Meyer (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen.
Das Schloss mit Wassergraben, Ansicht aus der Vogelperspektive. Aquarell von Albrecht Kauw, entstanden 1670 nach einer Skizze des Basler Graveurs Georg Friedrich Meyer (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen.

Spuren römischer Besiedlung wurden beim Margarethenhügel und beim Bruderholz entdeckt. Basel erwarb das im Stadtbann liegende Binningen 1534 pfandweise, 1585 definitiv vom Bischof von Basel und schlug es zum Amt Münchenstein. Das Schloss Binningen (1299 erwähnt, im 13. Jh. als Weiherhaus auf Eigengut erbaut, nachträglich stark umgebaut und seit 1960 im Besitz der Gemeinde) trug keine herrschaftlichen Rechte über das Dorf. Das Patronat der Kirche St. Margarethen (ältester Bau des 9.-ca. 11. Jh., 1251 erstmals erwähnt, heute Winkelhakenbau von 1673) stand bis 1251 dem Bischof von Basel, danach bis 1260 dem Domkapitel und in der Folge dem Dompropst zu. Vom 14. Jahrhundert an war die Kirche, deren Sprengel Binningen, Bottmingen und Gundeldingen (Gemeinde Basel) umfasste, eine Filiale von St. Ulrich in Basel, nach der Reformation 1529-1708 Filiale der Basler St. Elisabethenkirche. Seither ist St. Margarethen Pfarrkirche für Binningen und Bottmingen.

Die Einwohner von Binningen lebten in vorindustrieller Zeit vor allem von Acker- und Rebbau; das Ziegler- und Hafnergewerbe entwickelte sich vom 16. Jahrhundert an stark (Lehmvorkommen) und erlebte im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. In den Trennungswirren der 1830er Jahre hielt Binningen vorerst zur Stadt Basel, trat indes 1833 dem neuen Kanton Basel-Landschaft bei. 1837 trennten sich Binningen und Bottmingen politisch, nachdem bereits 1737 die Weide und 1807 das Vermögen geschieden worden waren. Im Sog Basels entwickelte sich Binningen im Lauf des 19. Jahrhunderts zur (Bau-)Arbeitersiedlung mit Mietshäusern und Wirtschaften («Italiener-Dorf»). Der spätere Bevölkerungszuzug und die bessere Erschliessung durch die Birsigtalbahn (1887) und das Tram (1934) hatten die Überbauung der Rebhänge und nach 1950 auch von Gärtnereiarealen zur Folge. Die alten Siedlungskerne (Hauptstrasse, Schloss, ehemaliges Landgut Holee, Neubad) verschmolzen miteinander und mit Basel. Mangels Anschluss an das SBB-Netz blieb die Industrialisierung Binningens bescheiden (1904-1970 Aluminiumwarenfabrik Gröninger AG), und das Dorf entwickelte sich zum Wohn- und Villenvorort (1990 82% Wegpendler) mit einem vor allem nach Eröffnung des Kantonsspitals Bruderholz (1973) dominierenden 3. Sektor (1990 82%). Nach erfolglosen Eingemeindungsversuchen 1888 und 1918 grenzte sich Binningen gegenüber Basel ab (1968 Gemeinde Europas, 1977 «Binniger Fescht», 1978 Markt, 1987 Ortsmuseum).

Quellen und Literatur

Vorrömische Zeit
  • C. Unz, «Das spätbronzezeitl. Frauengrab von Binningen BL», in ArS 5, 1982, 194-201
Römische Zeit bis heute
  • Kdm BL 1, 1969, 211-241
  • H. Bühler et al., Heimatkunde Binningen, 1978
  • R. Nebiker, Bottmingen und Binningen, 1987
  • M. Banholzer, «Binningen – eine stadtnahe Gem.», in Jurabl. 52, 1990, 17-22
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Paul Gutzwiller; Brigitta Strub: "Binningen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.08.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001193/2004-08-10/, konsultiert am 20.05.2022.