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Schönengrund

Politische Gemeinde des Kantons Appenzell Ausserrhoden, ehemaliger Bezirk Hinterland. Strassendorf an der Grenze zum Kanton St. Gallen an der wichtigen Strassenverbindung Herisau-Toggenburg gelegen, umgeben von zahlreichen Einzelhöfen. Bevölkerungsmässig kleinste Gemeinde Ausserrhodens. 1268 Zem Schönengrund. 1734 400 Einwohner; 1850 609; 1870 792; 1900 661; 1950 502; 1970 384; 2000 459.

Das Gebiet Schönengrunds bildete bis 1720 unter dem Namen hinder dem Ham eine Unterrhode (Verwaltungsbezirk) der Kirchhöri Urnäsch, mit der die Hinderhamer 1525 zur Reformation übertraten. 1720 wurde beim Hofgut Schönengrund eine neue Kirche gebaut; 1720-1722 löste sich Schönengrund von Urnäsch und wurde eine selbstständige Kirchgemeinde. Das neue Gotteshaus wurde Mittelpunkt eines Dorfs, das dank blühendem Textilgewerbe rasch wuchs und um 1800 schon beinahe die heutige Grösse und Gestalt hatte. Danach entfaltete sich vor allem das benachbarte Dorf Wald, ein Ortsteil der sanktgallischen Gemeinde St. Peterzell (seit 2009 Gemeinde Neckertal); die beiden Dörfer wuchsen zusammen und bilden seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Einheit. Die übliche Ortsbezeichnung ist Schönengrund-Wald oder Wald-Schönengrund, die auch die meisten Vereine im Namen führen. Diverse öffentliche Aufgaben in den Bereichen Infrastruktur und Schule tragen die beiden Gemeinden gemeinsam. Die Schönengründler besuchen seit 1868 die Sekundarschule in St. Peterzell und werden auch auf der Primarstufe nach sanktgallischem Lehrplan unterrichtet. 1973 erfolgte die Gründung des Zweckverbands Primarschule Schönengrund-Wald (gemeinsames Schulhaus in Schönengrund). Als erste Ausserrhoder Gemeinde trennte Schönengrund 1836 den öffentlichen Haushalt in Kirch- und Gemeindegut. Neben althergebrachter Milch- und Viehwirtschaft wurde im 17. Jahrhundert zunehmend die Weberei ein wichtiger Erwerbszweig, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ergänzt durch Stickerei. Der Stickfachverein bestand 1885-1924. Die Fabriken siedelten sich meist in Wald an; die dortige Bleicherei war von ca. 1830 bis 1975 der grösste Arbeitgeber im Doppeldorf. Daneben boten drei Stickfabriken und eine mechanische Weberei (1865-1977, dann bis nach 1995 Plastiknetz-Fabrikation) Verdienstmöglichkeiten. Die Sparkasse war 1820 ins Leben gerufen worden. Der bescheidene, um 1900 einsetzende Fremdenverkehr erhielt mit dem 1965 gegründeten Verkehrsverein und den 1963-1965 errichteten Sessel- und Skiliften (Konkurs 1992) neue Impulse. 2005 stellte der 1. Sektor gut 45%, der 2. knapp 15% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.

Quellen und Literatur

  • Kdm AR 1, 1973, 331-349
  • T. Fuchs, Schönengrund: die Gem. am Hamm, 1995
  • Appenzeller Ztg., 27.11.2010

Zitiervorschlag

Thomas Fuchs: "Schönengrund", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.12.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001295/2010-12-02/, konsultiert am 06.12.2022.