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Au (SG)

Politische Gemeinde des Kantons St. Gallen, Bezirk Unterrheintal. Am Engpass zwischen Heldsberg und Rhein gelegen, entstand die Gemeinde aus den ursprünglichen Siedlungen Au, Haslach, Hard und Monstein. 1316 Diken Auwe. 1837 917 Einwohner; 1850 875; 1900 1314; 1910 2437; 1950 2636; 1970 4944; 1990 5778 (ohne Heerbrugg 3370).

Die Grenzziehung König Dagoberts I. am Monstein um 620/630 und die Nennung ad Manen 891 sind fraglich bzw. nicht lokalisierbar. Die ob Au gelegene Burg Zwingenstein (1282 Twingenstain) wurde 1447 von den Appenzellern zerstört. Au gehörte zum Reichshof Lustenau, der ab 1395 unter hohenemsischer Herrschaft stand. Die linksrheinischen, ab 1490 eidgenössischen Gebiete wurden 1593 als Hof Widnau-Haslach ein eigenes Niedergericht. Dieses trennte sich 1775 in die Höfe Au, Widnau und Schmitter, deren Grundbesitz in den Lustenauer Schweizerriedern erhalten blieb. Den 1759 ausgestorbenen Grafen von Hohenems folgten als Niedergerichtsherren 1766-1776 die Grafen von Harrach, 1782-1798 die Salis-Soglio. Diese besassen bis zum Brand 1853 auch das Schloss Monstein (1595 von der St. Galler Familie Schobinger erbaut). Nach der Kantonsgründung (1803) blieb Au bis 1805 mit der Gemeinde Berneck vereinigt, zu dem es bis zur Gründung einer katholischen Pfarrei Au (1802) auch kirchlich gehört hatte. Die 1721 erbaute Kapelle wurde 1804 und 1924-1925 durch Kirchenbauten ersetzt. Die Reformierten besitzen seit 1952 ein eigenes Gotteshaus. Bis 1972 bestanden konfessionelle Schulgemeinden.

Um Kapelle und Kirche entstand der Dorfkern. Zuvor wurde in den Einzelhöfen am Heldsberg Rebbau betrieben, in Monstein waren Gewerbe und Flussschifffahrt angesiedelt, während sich die Landwirtschaft (in charakteristischer Rheintaler Hofraum-Siedlungsstruktur) auf den fruchtbaren seitlichen Rheinalluvionen ausbreitete. Der Bedrohung durch Rhein und Rietach im 18. und 19. Jahrhundert wurde mit Rhein- und Binnengewässerkorrektionen 1873-1904 begegnet. 1858 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Holzbrücken, welche 1867 in Monstein und 1878 in Oberfahr die Fähren ersetzt hatten, wichen 1956-1957 einer neuen Brücke. 1864 gründete Friedrich Block aus Hannover die Senf- und Zichorienfabrik Hollandia und ergänzte sie 1874 durch die erste Rheintaler Stickereifabrik Britannia. Während der Stickereikonjunktur entstanden ab 1880 Heerbrugg, ab 1900 das Bahnhofquartier, ab 1906 Oberfahr; 1900-1910 wuchs der ausländische Bevölkerungsanteil von 8,5% auf 32,4%. 1942-1960 trennte die Melioration der Rheinebene Landwirtschafts- und Bauzonen. Dies schuf Raum zur Expansion der Wohn- und Industriegebiete, gefördert durch Verkehrsbauten (Brücke, A 13) und die Grenzlage. Dem wirtschaftlichen Erfolg (1975-1991 tiefster Steuerfuss des Kantons) steht der radikale Ortsbildwandel gegenüber.

Quellen und Literatur

  • H. Wartmann, Der Hof Widnau-Haslach, 1887
  • J. Schöbi, L. Zoller, Die Gem. Au-Heerbrugg, 1986
  • Industriekultur am Bodensee, hg. von D. Stender, 1992, 68 f.
  • W. Frei et al., Au und Heerbrugg seit 1900, 1992
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Markus Kaiser: "Au (SG)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.09.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001332/2009-09-15/, konsultiert am 02.04.2023.