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Grabs

Politische Gemeinde des Kantons St. Gallen, Region Werdenberg. Die östlichen Gebiete der Gemeinde liegen in der Rheinebene, ohne den Rhein ganz zu erreichen, während sich der grösste Teil auf der Ostabdachung der Churfirsten-Alvier-Gruppe befindet. Zwischen Gams und dem Eisenbahnknotenpunkt Buchs liegend, besteht die Gemeinde aus dem Dorf Grabs, der Streusiedlung am Grabserberg mit den Weilern Forst, Lehn und Schluss, dem Ortsteil Studen, der Streusiedlung Studnerberg und dem Städtchen Werdenberg mit seinem gut erhaltenen Ortsbild. Über den locker besiedelten Berghängen erstreckt sich ein breiter Maiensässgürtel, dem sich ein ausgedehntes Alpengebiet anschliesst. 841 Quaravedes, 979 Quadravedes, 1235 Grabdis, 1253 Graps. 1816 2354 Einwohner; 1850 3272; 1900 4411; 1950 4516; 2000 6297.

Einzelfunde aus dem Neolithikum und der Bronzezeit sowie römische Münzfunde weisen auf eine frühe Besiedlung oder Begehung hin. Im 12. Jahrhundert kam die Region, die bis ins 13. Jahrhundert gemäss Flur- und Ortsnamen zum alt-rätoromanischen Sprachgebiet gehört hatte, in den Besitz der Grafen von Montfort. Wohl Mitte des 13. Jahrhunderts gelangte Grabs an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, die sich vom Haus der Montfort abspalteten. Die Geschichte von Grabs ist eng mit derjenigen des Städtchens Werdenberg, dem herrschaftlichen Zentrum der Grafschaft, verknüpft. Mit Buchs und Sevelen gehörte Grabs von Anfang an zum Stammgebiet der Werdenberger. Nach dem Zerfall ihrer Herrschaft um 1400 ging diese an das verwandte Haus Montfort-Tettnang über, welches die Herrschaftsrechte bis 1483 ausübte. Danach herrschten in kurzer Folge verschiedene Herren. In den Wirren des Schwabenkrieges wurde Grabs 1499 von kaiserlichen Truppen zerstört. 1517 kam es mit der übrigen Grafschaft Werdenberg bis 1798 durch Kauf als Landvogtei unter glarnerische Herrschaft, gegen die sich die Werdenberger im sogenannten Werdenberger Landhandel (1719-1721) ohne Erfolg auflehnten. Grabs wurde 1798 dem Distrikt Werdenberg zugeteilt und gehörte in der Helvetik zum Kanton Linth, bevor es 1803 an den Kanton St. Gallen überging (zuerst Distrikt Sargans, 1831-2002 Bezirk Werdenberg). Grabs, Grabserberg, Studen und Werdenberg wurden 1803 zu einer politischen Gemeinde mit Versammlungsort Grabs erhoben.

Die Existenz einer Kirche wird erstmals in den Lebensbeschreibungen des heiligen Gallus bezeugt. Er soll 614 auf seiner Flucht vor dem Schwabenherzog Gunzo in Grabs eine Kirche vorgefunden haben. Die Kirche gehörte ursprünglich zum Eigengut des Bischofs von Chur, ab 806 den deutschen Königen und wurde 948 samt Zehnten und allem dortigen Königsgut von König Otto I. dem Kloster Einsiedeln geschenkt. Später ging sie an das Hochstift Chur über. Von jeher waren der Grabserberg und das Städtchen Werdenberg nach Grabs kirchgenössig. 1529 setzten die Glarner in Grabs die Reformation durch. Die katholische Kirchgemeinde Buchs-Grabs besteht seit 1977.

Vor 1800 lebte der grösste Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft (Viehzucht, ab ca. 1750 Winterung von Handelsvieh, Ackerbau). Um 1790 boten auch Baumwoll-Handspinnereien einen saisonalen Nebenerwerb. Bis zum Aufkommen der Stickereiindustrie um 1880 dominierten Ackerbau, Vieh- und Pferdezucht, Kleinviehhaltung, Obstbau und Holzwirtschaft. Am Mühlbach siedelten sich zahlreiche Gewerbebetriebe (Getreidemühlen, Hammerschmieden und Sägewerke) an. Vor 1880 zwangen wirtschaftliche Gründe viele Grabser zur Auswanderung. Zwischen 1880 und 1920 bestimmte die Stickereiindustrie mit ihren mechanischen Stickereien und den zahlreichen Einzelstickern die Wirtschaftsstruktur. Grabs galt denn auch als ausgesprochenes Stickerdorf; eine der ersten Stickereifachschulen (1894-1931) der Schweiz wurde hier eröffnet. Nach dem Niedergang dieser Branche machte Grabs in der Zwischenkriegszeit trotz Ansiedlung neuer Betriebe (1930-1978 Schuhfabrik Martin, Sportschuhmacherei Lippuner) eine schwere Krise durch. Die Landwirtschaft (Viehzucht, Milchwirtschaft, Ackerbau) nahm – dank Meliorationen und der Ausdehnung in die Rheinebene – wieder einen grossen Aufschwung. 2000 arbeitete rund die Hälfte der in Grabs Erwerbstätigen im 3. Sektor. Neben der Lippuner Energie- und Metallbautechnik AG mit 238 Mitarbeitern (2003) gehört die Pago AG – ein seit 1995 in Grabs angesiedeltes Unternehmen im Bereich Etiketten und Etikettiersysteme – mit 462 Mitarbeitern (2003) zu den grössten Arbeitgebern in der Gemeinde. Von überregionaler Bedeutung ist das Wander- und Erholungsgebiet am Grabserberg (Voralpgebiet). In Grabs befindet sich seit 1907 ein kantonales Spital, zu dessen Einzugsgebiet auch das Fürstentum Liechtenstein gehört. 1985 wurde das katholische Begegnungszentrum Gallus eingeweiht.

Quellen und Literatur

  • D. Schindler, Werdenberg als Glarner Landvogtei, 1986
  • Werdenberger Jb., 1988-
  • G. von Arb, H. Stricker, Leute am Grabserberg, 1988
  • Das Urbar der Gem. Grabs, hg. von H. Stricker, 1991
Von der Redaktion ergänzt
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Zitiervorschlag

Wolfgang Göldi: "Grabs", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.01.2007. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001348/2007-01-09/, konsultiert am 15.08.2022.