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Bad Ragaz

Politische Gemeinde des Kantons St. Gallen, Bezirk Sargans. Kur- und Badeort am Ausgang des Taminatobels in die Rheinebene, an den Nord-Süd- und Ost-West-Verkehrsachsen über die Bündnerpässe gelegen. Um 843 Ragaces, bis 1937 Ragaz. 1800 954 Einwohner; 1850 1366; 1880 1993; 1900 1866; 1950 2584; 1970 3713; 1990 4325.

Einzelfunde aus der Jungsteinzeit (Serpentinbeil) und aus römischer Zeit (Münzen und Körpergrab). Bad Ragaz wird erstmals im churrätischen Reichsgutsurbar von ca. 843 schriftlich erwähnt (u.a. Kirche mit Zehntrecht), 1050 erstmals urkundlich genannt. Im Hochmittelalter bildete Bad Ragaz einen Hof (curtis), in welchem die Benediktinerabtei Pfäfers ihre grundherrlichen Rechte ausübte. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Burg Freudenberg errichtet, auf der unter anderen die Wildenberger als Vögte des Klosters Pfäfers sassen und die Hochgerichtsbarkeit ausübten. Die 1209 erstmals erwähnte Pfarrkirche St. Pankraz wurde 1327 durch den Churer Bischof Johannes I. Pfefferhard der Abtei Pfäfers inkorporiert, 1703-1705 im Barockstil neu gebaut. Um 1410 wurde in der Baschärebene die Wallfahrtskapelle St. Leonhard erbaut (1980-1981 umfassend restauriert). 1483 kam Bad Ragaz zur gemeineidgenössischen Herrschaft Sargans. Daneben bestanden die Grundherrschaft und die niedere Gerichtsbarkeit des Abts von Pfäfers in der Rheinebene von Bad Ragaz und im Taminatal bis 1798 weiter. Dem Übertritt der Ragazer zur Reformation und ihrer baldigen Rückkehr zum alten Glauben (1533) folgte eine Zeit relativer Ruhe, die bis zum Aufruhr gegen die Pfäferser Herrschaft 1795 anhielt. 1734 äscherte ein Brand einen Teil des Dorfes ein, und 1799 vernichtete eine weitere Feuersbrunst den Dorfteil links der Tamina. 1798 kam Bad Ragaz zum helvetischen Kanton Linth, 1803 zum neuen Kanton St. Gallen.

Neben der traditionellen Landwirtschaft (Ackerbau, Viehwirtschaft mit Streuwiesen in der Rheinebene) war das Transportgewerbe von Bedeutung. 1515 entstand in Bad Ragaz eine Sust mit Zollhaus (im 20. Jahrhundert abgebrochen). Die Geschichte von Bad Ragaz als Bade- und Kurort beginnt nach der Aufhebung der Abtei Pfäfers (1838) mit dem Bau der Strasse durch das Taminatobel zum Bad Pfäfers (1839), der Herausleitung des warmen Thermalwassers nach Bad Ragaz (1840) und der Errichtung erster Kuranstalten (Hotel Hof Ragaz) in den Räumlichkeiten der ehemaligen Pfäferser Statthalterei. Gefördert wurde diese Entwicklung durch den Anschluss an die Bahnlinie St. Gallen-Chur (1858). Einen entscheidenden Einschnitt bedeutete das Jahr 1868, als der Glarner Architekt Bernhard Simon die ehemalige Pfäferser Klosterdomäne in Bad Ragaz vom Kanton erwarb, die Kuranstalt Ragaz-Pfäfers gründete und neue Kureinrichtungen (u.a. Grandhotel «Quellenhof») erbaute. Bad Ragaz wurde damit zum internationalen Kurort von Weltruf mit einer ersten grossen Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg (1913 106'000 Logiernächte, 1914 68'000). Nach dem schweren wirtschaftlichen Einbruch in der Zwischenkriegszeit (1920 56'000 Logiernächte) konnte die Gemeinde erst nach Mitte der 1950er Jahre an die frühere Prosperität anknüpfen. Mit dem Bau der Pizolbahnen wurde Bad Ragaz 1954 auch zum Wintersportort. Zu Beginn der 1990er Jahre begann eine grossangelegte Erweiterung der Infrastruktur von Bade-, Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie Hotellerie und Parahotellerie (Gäste v.a. aus den westeuropäischen Ländern und den USA, 1994 311'000 Logiernächte). Gleichzeitig entstand in der Ebene zum Rhein hin eine spezialisierte Industrie mit Elektronik- und Maschinenbaubetrieben.

Quellen und Literatur

  • F. Egger, Urkunden- und Aktenslg. von Ragaz, 1872
  • Kdm SG 1, 1951, 275-315
  • Bad Pfäfers – Bad Ragaz (1868-1968), 1968
  • Bad Ragaz in alten Ansichten, hg. von W. Vogler, 1984
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Variante(n)
Ragaz (bis 1937)

Zitiervorschlag

Werner Vogler: "Bad Ragaz", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.09.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001352/2009-09-08/, konsultiert am 26.11.2022.