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Bergün/Bravuogn

Ehemalige Gemeinde des Kantons Graubünden, Region Albula, an der Albula und am Albulapass gelegen, 2018 mit Filisur zur Gemeinde Bergün Filisur fusioniert. Sie umfasste das Strassendorf Bergün/Bravuogn, den Weiler Preda sowie auf der rechten Talseite die Terrassensiedlungen Latsch (1912 eingemeindet) und Stugl/Stuls (1920 eingemeindet). 1209 de Bregonio, deutsch Bergün, rätoromanisch Bravuogn. Offizieller Name bis 1943 Bergün. 1571 542 Einwohner; 1803 495; 1850 637 (mit Latsch und Stuls); 1900 1537; 1950 608; 1970 451; 2000 520; 2010 487; 2017 480.

Bergün/Bravuogn: Situationskarte 2017 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Bergün/Bravuogn: Situationskarte 2017 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Im Dorf und in der nächsten Umgebung wurden Objekte aus der Bronzezeit gefunden. Erst im Hochmittelalter siedelten sich Romanen im Waldgebiet des oberen Albulatals dauerhaft an. 1154 ist ein bischöflicher Hof in Latsch erwähnt, 1270 ein Gut in Stuls. Im 12. Jahrhundert entstand die geschlossene Grundherrschaft der Freiherren von Greifenstein, deren Amtssitz in Bergün wahrscheinlich der mittelalterliche Wohnturm in der Dorfmitte war. Über die von Wildenberg, von Werdenberg und von Matsch gelangte die Herrschaft Greifenstein 1394 an das Bistum Chur. Um 1400 nennt das bischöfliche Urbar in Bergün zwei Meierhöfe und 27 Huben. 1537 kam es zum Auskauf der Herrschaftsrechte. Von der 1188 erstellten Mutterkirche St. Petrus und Florinus lösten sich 1496 Filisur sowie 1620 Latsch und Stuls. 1577-1590 trat die Gemeinde zum reformierten Glauben über. Bergün war der Hauptort der gleichnamigen Gerichtsgemeinde mit einer Richtstätte, wobei die zugehörigen Nachbarschaften Filisur, Latsch und Stuls eigene Zivilgerichte besassen. Der Kreis Bergün, Teil des Bezirks Albula (1851-2015), umfasste Bergün, Filisur sowie Wiesen. Existenzmöglichkeiten boten neben Viehwirtschaft und Ackerbau vom 16. bis 19. Jahrhundert Erzabbau und -verhüttung. Der Verkehr über den Albulapass gewann nach dem Durchbruch des Bergünersteins 1696 und dem Bau der Fahrstrasse um 1865 stark an Bedeutung und erklärt die Ausrichtung Bergüns nach dem Engadin. Eine Ziegelfabrik am Crap Alv existierte 1860-1875. Die Albulabahn (1903) förderte den Fremdenverkehr, ein Kurhaus wurde 1905 erstellt und Preda war in der Folge ganzjährig bewohnt. Der Wintertourismus profitiert von der Schlittelbahn von Preda nach Bergün/Bravuogn und den ab 1959 entstandenen Ski- und Sesselliften. Der 3. Sektor stellte 1985 61% der Arbeitsplätze in Bergün/Bravuogn. 1986 standen von 2079 Fremdenbetten 64% in Zweitwohnungen. 1975-1976 wurde eine Gesamtmelioration durchgeführt. Auf der Alp Crap Alv betreibt die ETH Zürich eine Forschungsstelle der Tierzuchtabteilung. 1860 lag der rätoromanischsprachige Bevölkerungsanteil bei 80% und sank bis 1990 auf 21%.

Quellen und Literatur

  • G.G. Cloetta, Bergün, 1937 (31978)
  • E. Poeschel, Herrschaft, Prätigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal, 1937, S. 379-393 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. 2)
Weblinks
Weitere Links
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Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1209: de Bregonio
Variante(n)
Bergün (bis 1943)
Endonyme/Exonyme
Bergün (deutsch)
Bravuogn (rätoromanisch)