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Filisur

Ehemalige Gemeinde des Kantons Graubünden, Region Albula, bildet seit 2018 mit Bergün/Bravuogn die Gemeinde Bergün Filisur. Filisur umfasste das gleichnamige Strassendorf (1084 m) rechts der Albula und am linken Abhang des Landwassertals den Weiler Jenisberg (1504 m). 1262 villa Fallisour. 1803 164 Einwohner; 1850 280; 1888 273; 1900 644 (Bahnbau); 1910 333; 1950 375; 2000 466; 2010 461; 2017 434.

Filisur: Situationskarte 2017 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Filisur: Situationskarte 2017 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

In Filisur wurden bronzezeitliche Fragmente gefunden. Das obere Albulatal wurde im Hochmittelalter von Rätoromanen, das Maiensässgebiet von Jenisberg im 15. Jahrhundert von deutschsprachigen Walsern besiedelt. Die oberhalb von Filisur gelegene Burg Greifenstein (ausgehendes 12. Jahrhundert) war Sitz des Vogtes mit einem Grosshof und Meierhöfen im Dorfbereich. Über die Freiherren von Wildenberg, von Werdenberg und von Matsch gelangte die Herrschaft Greifenstein 1394 an das Bistum Chur, das die Burg zum Verwaltungszentrum der Region machte. 1537 kaufte die Dorfgemeinde die bischöflichen Herrschaftsrechte aus. Die Nachbarschaft Filisur besass bis 1851 ein eigenes Zivilgericht in der Gerichtsgemeinde Bergün. 1851-2015 war Filisur Teil des Kreises Bergün im Bezirk Albula. Kirchlich gehörte Filisur bis 1496 zu Bergün. Die St. Jodocus und Florinus geweihte Kirche datiert von 1495 (später Patroziniumswechsel zu St. Martin), diejenige in Jenisberg von 1681. Um 1590 trat Filisur zum reformierten Glauben über.

In der waldreichen Gegend wurde bis 1848 Erzabbau und -verhüttung betrieben mit der Schmelze Bellaluna als Zentrum. Neben Viehwirtschaft und Ackerbau fand die Bevölkerung weitere Verdienstmöglichkeiten im Durchgangsverkehr. Der 1855-1858 erfolgte Ausbau der Albulastrasse (Albulapass) sowie die 1903 bzw. 1909 eröffneten Linien der Rhätischen Bahn ins Engadin und nach Davos machten Filisur zum Verkehrsknotenpunkt. Bekannt ist der Landwasserviadukt nördlich des Dorfes, der 2008 in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen wurde. 1942 erfolgte die Gesamtmelioration. In Filisur befanden sich Anfang des 21. Jahrhunderts ein Gartenbauunternehmen, Holzwerke sowie die 1967 in Betrieb genommene Zentrale der Albula-Landwasser-Kraftwerke AG. 2000 arbeitete über ein Drittel der in Filisur Erwerbstätigen im 2. und fast die Hälfte im 3. Sektor. Filisur wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend germanisiert. Das Dorfbild, das stark an diejenigen im Engadin erinnert, ist von nationaler Bedeutung.

Quellen und Literatur

  • E. Poeschel, Herrschaft, Prätigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal, 1937, S. 393-400 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. 2)
  • J. Menolfi, Die Gemeinden Graubündens, 1985
Weblinks
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Ersterwähnung(en)
1262: villa Fallisour

Zitiervorschlag

Simonett, Jürg: "Filisur", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.11.2019. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001420/2019-11-13/, konsultiert am 29.11.2020.