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Riom

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Kreis Surses, Bezirk Albula, bildete 1979-2015 mit Parsonz die Gemeinde Riom-Parsonz, seit 2016 Teil der Gemeinde Surses. Am alten Weg zum Julierpass gelegen. Um 840 Villa Riamio, deutsch Reams. 1850 294 Einwohner; 1900 221; 1950 230; 1970 207.

Römische Zeit

Beim Strassenbau stiess man 1974/1975 knapp unterhalb des Dorfs auf römische Mauern. Bei den ausgedehnten Grabungen, welche der archäologische Dienst 1979-1983 vornahm, wurden zahlreiche römische Gebäudereste freigelegt, darunter ein mächtiges Gebäude von etwa 30 x 20 m Ausmass, das höchstwahrscheinlich als mutatio (Herberge mit Stallungen) gedient hatte. Im Gebäude fanden sich zahlreiche beheizbare Räume, bedeutende Wandmalereien (Darstellung des Amors), ein verkohlter Holzbretterboden und Schmiedegruben. Im Übrigen wurden mehrere Nebengebäude gefasst, darunter zwei mit Hypokaustheizung, ein Backhäuschen und mehrere Holzgebäude mit Herdstellen. Die Herberge lag an der mit Wagen befahrbaren römischen Julierstrasse. Viele Funde zeugen von einem intensiven Alpenpasshandel. Die römische Siedlung von Riom wurde vom frühen 1. bis ins 4. Jahrhundert n.Chr. genutzt. Mehrere bescheidene Holzhütten mit Herdstellen belegen eine Besiedlungskontinuität bis ins Frühmittelalter (6./7. Jh.).

Mittelalter und Neuzeit

Burgruine. Fotografie in Richtung Osten mit dem Dorf Cunter im Hintergrund, um 1937 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).
Burgruine. Fotografie in Richtung Osten mit dem Dorf Cunter im Hintergrund, um 1937 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege). […]

Im churrätischen Reichsgutsurbar wird Riom um 840 als königliches Eigengut und Verwaltungszentrum angeführt. Letztere Funktion hatte der Ort auch 1258-1552 in der bischöflichen Herrschaft Oberhalbstein inne; ausserdem bildete er die vermutlich älteste Pfarrei und beherbergte die älteste Taufkirche des Tals. Die gotische Kirche St. Laurentius von 1461 wurde 1677 durch einen von Kapuzinern erstellten Nachfolgebau ersetzt; kirchlich gehörten Parsonz 1641-1726 und Cunter bis 1725 zu Riom. Im Hochmittelalter errichteten die aus Bozen stammenden königlichen Verwalter von Wangen die starke Burg Rätia Ampla (der heutige Bau datiert aus dem 13. Jh.), die schon 1258 samt deren Güter an den Bischof ging. Von da an war Riom bis zur Ablösung der bischöflichen Herrschaft 1552 Sitz der bischöflichen Vögte, dann bis gegen 1780 der Landvögte des Hochgerichts Oberhalbstein im Gotteshausbund. Die Landvögte stammten meist aus bedeutenden einheimischen Geschlechtern (von Marmels, Fontana, Frisch, Scarpatetti). Die Burg war ab dem 16. Jahrhundert unbewohnt, wurde jedoch bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Tagungsort der Landsgemeinde genutzt. Vom 14. Jahrhundert bis 1850 boten Passverkehr auf der Oberen Strasse (Septimer, Julier/Maloja) und der Erztransport von Val Schmorras, einem Ausläufer des Val Nandro, zur Schmelze Flix, für die weite Teile des Gemeindegebiets abgeholzt wurden, den Bauern Zusatzverdienste. 1864 zerstörte ein verheerender Brand fast ganz Riom. Von den einst bis zu 75 Bauernbetrieben bestanden zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch gut zwei Dutzend, wobei deren Fortbestand durch die Gesamtmelioration (1958-1989, zusammen mit Parsonz) erleichtert wurde. In Alpkorporation mit Parsonz, Cunter und Savognin wird das Val Nandro genutzt. Von 1950 an wandelte sich Riom zum Ferienort dank des Tourismuszentrums Savognin, von dessen Skipisten 95% im Gebiet Rioms liegen, ebenso die grosse Ferienhaussiedlung Tigignas. Das Angebot der Parahotellerie ist mit über 700 Betten gross. Anstelle der früheren Gemeindeschule – 1850 wies Riom allein 50 Schüler auf – wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts nur mehr eine Unterschule des Konsortiums, zu dem sich Riom mit den umliegenden Gemeinden zusammengeschlossen hatte, geführt. In Riom-Parsonz waren 2000 64% der Bevölkerung romanisch- und 32% deutschsprachig.

Quellen und Literatur

Römische Zeit
  • J. Rageth, «Röm. und prähist. Funde von Riom», in BM, 1979, 49-123
  • Die Römer in den Alpen, 1989, 155-166
  • R. Matteotti, «Die röm. Anlage von Riom», in JbSGUF 85, 2002, 103-196
Mittelalter und Neuzeit
  • A. Grisch, En curt viada tras Surses e la sia istoria, 1915, 26-28
  • Kdm GR 3, 1940 (19752), 258-260
  • Gem. GR
  • Heimatbuch Riom-Parsonz, 2000
Weblinks
Weitere Links
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GND

Zitiervorschlag

Jürg Rageth; Gion Peder Thöni: "Riom", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.12.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001426/2016-12-09/, konsultiert am 29.11.2022.