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Valendas

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Kreis Ilanz, Bezirk Surselva (bis 2000 Bezirk Glenner), früher auch Herrschaft und Burg, seit 2013 mit Versam, Safien und Tenna Teil der neuen politischen Gemeinde Safiental. Haufendorf rechts über der Vorderrheinschlucht mit höher gelegenen Höfen in Carrera, Brün, Dutjen und Turisch. 765 in Valendano (Kopie), romanisch Valendau. 1803 463 Einwohner; 1850 555; 1900 499; 1950 441; 2000 294.

Depotfund aus der Bronzezeit. Die ab dem 8. Jahrhundert besiedelte Ackerbaulandschaft besass beträchtliche Ausbaureserven vor allem im hochmittelalterlichen Königsforst, in dem nur wenige von romanischen Rodungsbauern bewohnte Höfe lagen. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann die Niederlassung deutschsprachiger Walser in Rand- und Höhenlagen; das Dorfzentrum wurde erst im 15. Jahrhundert allmählich germanisiert. Die Kirche St. Blasius wird erstmals 1384 erwähnt; die Reformation erfolgte 1523. Zur Pfarrei wie zur Herrschaft Valendas gehörte im Mittelalter auch die Nachbarschaft Versam (ohne Sculms), die sich ab dem 17. Jahrhundert zuerst kirchlich und dann bis ins frühe 19. Jahrhundert auch politisch von Valendas löste. Viehwirtschaft und Ackerbau sind die traditionellen Haupterwerbsquellen. Die Fahrstrasse Bonaduz-Valendas-Ilanz wurde 1880-1881 angelegt, die Station Valendas-Sagogn der Rhätischen Bahn 1903. Eine Melioration wurde bis 1985 durchgeführt. 2000 waren 98% der Bewohner deutsch- und knapp 2% romanischsprachig.

Herrschaft und Burg  hatten die 1258 erstmals erwähnten gleichnamigen Herren Valendas inne, deren Grundherrschaft bis 1383 auch Tenna und damit die alte Verbindung ins Safiental über das Tenner Chrüz einschloss. Güter besassen ebenfalls die Klöster Pfäfers und Churwalden. Die Hoheitsrechte des ursprünglich bischöflichen Lehens hatten nach dem Aussterben der Vazer bis 1428 die Werdenberger bzw. Rhäzünser inne. Um 1500 existierten in der Herrschaft Valendas sowohl Herrschaftsleute als auch Freie (altfreie Romanen sowie eingewanderte freie Walser). Die Freien, ab 1383 dem Gericht der Freien von Laax angeschlossen, besassen eigene wirtschaftliche und rechtliche Körperschaften, was nach dem Anschluss der gesamten Herrschaft Valendas an die Gerichtsgemeinde Gruob 1428 zu jahrhundertelangen Kompetenzstreitigkeiten führte. Bei der Auflösung der Gerichtsgemeinden 1851 wurde Valendas dem Kreis Ilanz zugeteilt.

Quellen und Literatur

  • L. Joos, Die Herrschaft Valendas, 1916
  • Kdm GR 4, 1942 (19752), 122-128
  • Gem. GR
  • P. Joos, Valendas, 2011
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Zitiervorschlag

Jürg Simonett: "Valendas", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.01.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001448/2014-01-14/, konsultiert am 14.06.2024.