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Lumbrein

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Kreis Lugnez, Bezirk Surselva (bis 2000 Bezirk Glenner), bildet seit 2013 mit Cumbel, Degen, Morissen, Suraua, Vella, Vignogn und Vrin die neue Gemeinde Lumnezia. Das rätoromanische Lumbrein liegt im hinteren Lugnez und bestand aus dem Hauptdorf (1405 m), den Fraktionen St. Andriu, Nussaus an der Hauptstrasse nach Vrin sowie jenseits des Glenners Surin, Pruastg und Silgin (ca. 1245 m). Um 1750 abgegangen sind Molina und Curtinatsch, um 1900 Farglix. Um 850 in villa Lamarine (Kopie 16. Jh.), 1231 de Lumarins. 1850 529 Einwohner; 1900 531; 1930 475; 1950 584; 2000 399.

Crestaulta bei Surin

Crestaulta ist ein bedeutender bronzezeitlicher Siedlungsplatz auf einem Hügelplateau ca. 300 m westlich von Surin. Er wurde 1935 entdeckt und durch Walo Burkart 1935-1938 teilweise ausgegraben. Drei Siedlungsphasen sind nachgewiesen. In der unteren frühbronzezeitlichen Schicht (ca. 2000-1700/1600 v.Chr.) fanden sich zahlreiche Pfostenlöcher von einfachen Pfostenbauten mit Herdstellen (Hüttengrössen ca. 6,5 auf 4 m). Aus der zweiten, wohl schon mittelbronzezeitlichen Phase (1700/1600-1500/1400 v.Chr.) stammen verschiedene, zum Teil massive Trockenmauerkonstruktionen, die aber keine klaren Hausgrundrisse ergeben. Ausserdem wurden mehrere Herdstellen, ein kleiner runder «Kellerbau», Reste eines Töpferofens sowie verschiedene Brandreste gefunden. In der oberen, mittelbronzezeitlichen Schicht (1500/1400-1300 v.Chr.) wurden unter anderem Hinweise auf Herdstellen, Steinsetzungen und einen Holzbretterboden entdeckt. Die Ausgrabungen förderten ferner keramisches Fundgut zutage, das der sogenannten Inneralpinen Bronzezeit-Kultur (ehemals Crestaulta-Kultur genannt) angehört, daneben Bronzegeräte (Sichel, Beile, Dolche, Schmucknadeln), Stein- und Knochenartefakte, verkohlte Sämereien, tierische Knochenreste sowie metallurgische Überreste. Hinsichtlich der Kulturzugehörigkeit und topografischen Lage lassen sich Parallelen zur bronzezeitlichen Siedlung auf dem Padnal (Savognin) herstellen. In der Flur Cresta Petschna, 150 m von Crestaulta entfernt, stiess man 1947 auf ein kleines Gräberfeld mit mindestens elf früh-mittelbronzezeitlichen Brandbestattungen, die 1947-1948 ebenfalls von Walo Burkart ausgegraben wurden. Das Fundinventar (Gewandnadeln, Anhängerschmuck, Armringe) legt nahe, dass es sich um Frauengräber handelt. Ein Zusammenhang mit der Siedlung auf der Crestaulta ist sehr wahrscheinlich.

Gemeinde

Im Frühmittelalter war Lumbrein fränkisches Reichsgut. Die im Spätmittelalter zugezogenen Walser und Blenieser siedelten vor allem am rechten Glennerufer und wurden romanisiert. Zwischen ihren Höfen und Lumbrein kam es häufig zu Auseinandersetzungen um Nutzungsrechte. Als bischöfliches Lehen war Lumbrein um 1350 Vogtei der Herren von Belmont, nach 1371 der von Lumbrein, ab 1390 der von Sax-Misox. Von 1395 an ist Lumbrein als Glied der Gerichtsgemeinde Lugnez dokumentiert. 1538 wurden die bischöflichen Rechte ausgekauft. Die Kirche St. Martin gehörte zur Pfarrei Pleif (St. Vinzenz); zwischen 1345 und 1452 wurde sie zur Pfarrei erhoben. 1646 entstand die heutige Pfarrkirche. Lumbrein war ein traditionelles Bauerndorf, doch ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ab den 1950er Jahren stark zurück. 1976-2005 erfolgte eine Gesamtmelioration. Nach 1970 setzte in bescheidenem Mass der Tourismus ein. 2000 betrug der rätoromanische Sprachanteil 90%. Lumbrein wurde ins Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgenommen.

Quellen und Literatur

Crestaulta
  • W. Burkart, Crestaulta, 1946
  • W. Burkart, «Die Grabstätten der Crestaulta Siedler», in US 12, 1948, 5-9
  • W. Burkart, «Die bronzezeitl. Teilnekropole am Cresta petschna», in US 13, 1949, 35―39
Gemeinde
  • Kdm GR 4, 1942 (19752), 179-200
  • W.G. Büchi, Oberlugnez, 1972
  • D. Blumenthal et al., Kulturführer Val Lumnezia und Vals, 2000, 164-180
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Jürg Rageth; Adolf Collenberg: "Lumbrein", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.03.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001454/2017-03-15/, konsultiert am 08.08.2022.