de fr it

Vella

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Kreis Lugnez, Bezirk Surselva, seit 2013 mit Cumbel, Degen, Lumbrein, Morissen, Suraua, Vignogn und Vrin Teil der neuen politischen Gemeinde Lumnezia. Auf einer Terrasse im mittleren Lugnez gelegen. Vella umfasste das gleichnamige Dorf und die etwas tiefer situierte Kirche St. Vinzenz in Pleif mit Pfarr- und Messmerhaus. Um 840 ad sanctum Vincentium [...] in valle Leguntia, 1290-1298 ad Ville, aput Villam, deutsch Villa (bis 1987 der offizielle Name). 1808 199 Einwohner; 1835 301; 1850 229; 1900 272; 1950 418; 2000 441.

In Pleif Spuren einer Siedlung aus der Spätbronzezeit; Münzfund aus der Wende vom 3./4. Jahrhundert. Die um 843 erstmals neben einem königlichen Hof genannte und als Reichslehengut geltende Pfarrkirche (romanisch-gotische Bausubstanz, Umbau 1661-1662) gelangte später in den Besitz der Welfen und um die Mitte des 10. Jahrhunderts an das Konstanzer Domkapitel. 1204 stand das Patronatsrecht dem Konstanzer Dompropst zu, im 14. Jahrhundert war die Kirche im Besitz der Herren von Belmont, ging 1371 durch Erbschaft an die Sax-Misox über und fiel 1483 an den Bischof von Chur. Die Kirche war Zentrum einer ausgedehnten Talpfarrei, die das ganze Gebiet des späteren Hochgerichts Lugnez umfasste. Um 1300 trennte sich Vals von St. Vinzenz im Zuge der stärkeren Besiedlung durch die Walser. Früher schon hatte sich die Marienkirche Degen/Fraissen als Kleinpfarrei herausgelöst. Lumbrein wurde zwischen 1345 und 1442 eigenständig, Duvin 1526, Surcasti mit Tersnaus und Camuns 1528, Vrin 1597, Surcuolm 1643, Cumbel 1653, Vignogn 1697, Degen mit Rumein und Vattiz 1891, Morissen 1907, Peiden 1910. Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen verschiedene Meierhöfe in bischöflichem Besitz. Dank der kirchlichen Zentrumsfunktion und dem Einfluss der Patrizierfamilie de Mont, die vom 15. bis 19. Jahrhundert zur politischen Führungsschicht im Lugnez und im Grauen Bund gehörte, entwickelte sich Vella zum Hauptort des Tales; hier tagt das Kreisgericht und abwechselnd mit anderen Orten die Landsgemeinde. Vella war ab 1887 Standort einer Kreissekundarschule. Seit Inbetriebnahme der Bergbahnen Val Lumnezia AG 1970 wurde vermehrt Wohnraum für den (Winter-)Tourismus geschaffen. Während die althergebrachte Landwirtschaft an Bedeutung verliert, wachsen 2. (Baugewerbe) und 3. Sektor (Tourismus) seit 1980. Eine Gesamtmelioration wurde 1977-2007 durchgeführt. Der rätoromanische Sprachanteil lag 2000 bei 84%.

Quellen und Literatur

  • H. Maurer, «Die Kirche St. Vincentius in Pleif und das Schicksal karoling. Reichsgutes im Lugnez und am Vorderrhein», in Churrät. und st. gall. MA, 1984, 53-66
  • Gem. GR
  • G. Caduff, Pleif, 1991
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Weitere Links
e-LIR

Zitiervorschlag

Ursus Brunold: "Vella", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 12.07.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001463/2017-07-12/, konsultiert am 29.02.2024.