Hinterrhein

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Region Viamala, 2019 mit Nufenen und Splügen zur Gemeinde Rheinwald fusioniert. Das Haufendorf Hinterrhein liegt am Nordportal des San-Bernardino-Strassentunnels. 1219 de Reno, romanisch Valragn. 1781 171 Einwohner; 1850 163; 1900 147; 1950 94; 1990 68; 2000 105; 2010 71; 2018 60.

Hinterrhein: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Hinterrhein: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

In vorwalserischer Zeit wurde das Territorium von Hinterrhein als Alpgebiet genutzt. Der Ort lag bis ins 13. Jahrhundert im Herrschaftsgebiet der Herren von Sax-Misox. 1219 schenkten diese ihre Eigenkirche St. Peter dem Stift Santi Giovanni e Vittore im Misox. Hinterrhein ist die älteste urkundlich nachweisbare Walsersiedlung (Walser) in Graubünden: Dies zeigt ein Schirmvertrag von 1274 des Freiherrn Albert von Sax-Misox mit den Walser Brüdern Jakob und Hubert sowie ein Erblehensvertrag von 1286 zwischen dem Stift Santi Giovanni e Vittore und einer mehrheitlich aus dem Val Formazza und von Simplon stammenden deutschsprachigen Siedlergruppe. 1301 wurde die Nachbarschaft Hinterrhein erstmals erwähnt (Gemeinde). Hinterrhein gehörte 1851-2015 zum Kreis Rheinwald im Bezirk Hinterrhein. Die Säumerei über den San Bernardino bildete neben Land- und Alpwirtschaft vom Beginn des 14. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die wirtschaftliche Basis der Bewohner von Hinterrhein (Sust aus dem Jahre 1580). Am alten Saumpfad steht die 1692 erbaute Landbrüggä von Peter Zurr, die bereits 1696 nach einem Teileinsturz renoviert werden musste. 1799 und 1800 plünderten französische und österreichische Truppen das Dorf. 1960-1967 erfolgte der Bau des San-Bernardino-Strassentunnels. 2006 wurde die Tunnelsanierung beendet (Tunnel). Westlich von Hinterrhein eröffnete 1965 der eidgenössische Panzerwaffenplatz (Waffenplätze).

Der Bezirk Hinterrhein bestand ab 1851 aus den drei Kreisen Schams, Avers und Rheinwald (Bezirk, Kreise). Sein Gebiet entsprach dem 1801 geschaffenen «6. District des hintern Rheins» im Kanton Rätien der Helvetischen Republik. Dem Bezirk wurden 2001 auch die Kreise Domleschg und Thusis des ehemaligen Bezirks Heinzenberg zugeteilt. Nach der Gebietsreform des Kantons Graubünden, der Kreise und Bezirke aufhob und durch Regionen ersetzte, wurde der Bezirk Hinterrhein Ende 2015 abgeschafft. Die Region Viamala umfasst das gleiche Gebiet wie der ehemalige Bezirk Hinterrhein.

Quellen und Literatur

  • Poeschel, Erwin: Die Täler am Vorderrhein, 2. Teil. Schams, Rheinwald, Avers, Münstertal, Bergell,​​​ 1943, S. 251-256 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, 5).
  • Menolfi, Jakob: Die Gemeinden Graubündens, 1985.
  • Rizzi, Enrico: «L’Archivio Sacco Trivulzio e la colonizzazione Walser nel Rheinwald e nell’Alta Mesolcina», in: Rizzi, Enrico (Hg.): Aspekte der Mittelalterforschung in Walsergebieten. Akten der zweiten Internationalen Tagung zur Walserforschung in Splügen, 31. März 1984, 1985, S. 21-49.
  • Conzett, Silvia; Lenz, Anna: Bergdorf Hinterrhein. Erlebt, erinnert, erzählt, 2005 (Nationales Forschungsprogramm 48, Landschaften und Lebensräume der Alpen).
  • Risi, Marius; Röösli, Lisa: Lebensbilder – Bilderwandel. Zwei ethnographische Filmprojekte im Alpenraum, 2010 (Filmbeilagen auf DVD: Risi, Marius: Im Lauf der Zeiten. Oberwalliser Lebenswelten; Röösli, Lisa: Hinterrhein. Umbruch im Bergdorf).
Weblinks
Weitere Links
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Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1219: de Reno
Endonyme/Exonyme
Hinterrhein (deutsch)
Valragn (romanisch)

Zitiervorschlag

Kurt Wanner: "Hinterrhein", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.12.2019. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001496/2019-12-13/, konsultiert am 21.02.2024.