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Splügen

Ehemalige Gemeinde des Kantons Graubünden, Region Viamala, an der Gabelung der beiden Passrouten Splügen und San Bernardino im Rheinwald. Sie umfasste das Haufendorf Splügen und ab 2006 auch Medels im Rheinwald. 2019 fusionierte Splügen mit Hinterrhein und Nufenen zur Gemeinde Rheinwald. Um 840 cella in Speluca, romanisch Spleia. 1690 360 Einwohner; 1850 494; 1900 373; 1930 336, 1950 387; 2000 365; 2010 405; 2018 377.

Splügen: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Splügen: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Östlich des Dorfes wurden bronze- und eisenzeitliche Funde entdeckt. Bei der im Churrätischen Reichsgutsurbar erwähnten cella handelte es sich um eine Filiale des Klosters Pfäfers. Ursprünglich war Splügen von Romanen aus dem Schams besiedelt. 1219 unterzeichneten Petrus und Albertus de Speluga im Friedensvertrag zwischen Schams und Chiavenna. Um 1290 siedelten sich – vom Hinterrhein her – mehrheitlich aus dem Formazzatal und von Simplon stammende Walser in Splügen an. Vermutlich in diesem Zusammenhang errichteten die Freiherren von Vaz eine Burg westlich des Dorfs. Passverkehr und Warentransit gewannen ab dem 15. Jahrhundert grosse Bedeutung. 1443 bewilligten die Grafen von Werdenberg-Sargans dem Dorf die Abhaltung eines Jahr- und eines Wochenmarkts. 1851-2015 war Splügen Teil des Kreises Rheinwald im Bezirk Hinterrhein. Kirchlich gehörte es im Mittelalter zur Grosspfarrei St. Martin im Schams (Pfarrkirche in Zillis), ab einem nicht bekannten Zeitpunkt zu Hinterrhein. Um 1500 existierten zwei Privatkaplaneien mit Sakramentsprivileg. Um 1517 ging dieses auf die neue Pfarrkirche St. Vincentius über, 1527 auch die letzten Rechte der Mutterpfarrei St. Martin. Formell wurde Splügen wahrscheinlich erst nach dem Glaubenswechsel 1530 selbstständig. 1689 wurde die heutige Kirche gebaut; ihre Vorgängerinnen waren eine hochmittelalterliche Kapelle westlich und eine Kirche aus dem 15. Jahrhundert östlich des Dorfs (mit Altarflügel um 1490, im Landesmuseum Zürich).

Ansicht des Hotels Bodenhaus. Fotografie von Rudolf Zinggeler, um 1900 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Zinggeler).
Ansicht des Hotels Bodenhaus. Fotografie von Rudolf Zinggeler, um 1900 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Zinggeler). […]

1716 zerstörte ein Brand das Dorf weitgehend. 1799 besetzte eine französische Division unter General Claude-Jacques Lecourbe den Ort, 1800 ebenso die Armée des Grisons des Generals Etienne Jacques Macdonald, die am 6. Dezember den Splügenpass Richtung Chiavenna überquerte. 1818-1823 wurde die Kommerzialstrasse über den Splügenpass erstellt. Trotz der Zunahme des Fracht- und Reiseverkehrs erfolgte damals die erste Auswanderungswelle in die Nachbarländer. Nach der Eröffnung der Gotthardbahn brach der Warentransit über die beiden Pässe zusammen (1856 14'000 t; 1883 1000 t), was eine zweite Auswanderungswelle nach Nordamerika und Neuseeland mitauslöste. 1944 gelang es den Einheimischen, das Projekt Gross-Stausee Rheinwald abzuwehren, das den Untergang des Dorfs zur Folge gehabt hätte. Seit der Eröffnung des Bernhardin-Strassentunnels 1967 entwickelte sich Splügen zum Touristenort (v.a. Wintersport). Zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren 95% der Einwohner deutschsprachig.

Quellen und Literatur

  • E. Poeschel, Die Täler am Vorderrhein, II. Teil: Schams, Rheinwald, Avers, Münstertal, Bergell, 1943, 259-272 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. 5).
  • Splügen, ein Dorf, ein Pass, eine Landschaft, hg. von K. Wanner, 1972.
  • J. Menolfi, Die Gemeinden Graubündens, 1985.
  • K. Wanner-Hössli, Die Kirche von Splügen und ihre Geschichte, 1985.
Weblinks
Weitere Links
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Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
um 840: cella in Speluca
Endonyme/Exonyme
Spleia (romanisch)
Splügen (deutsch)

Zitiervorschlag

Wanner, Kurt: "Splügen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.12.2019. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001499/2019-12-13/, konsultiert am 09.03.2021.