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Ardez

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Kreis Sur Tasna, Bezirk Inn, seit 2015 mit Ftan, Guarda, Sent und Tarasp Teil der Gemeinde Scuol. Dorf links des Inns, mit Bos-cha und Sur En. Um 840 Ardezis, deutsch bis ins 19. Jahrhundert Steinsberg. 1835 599 Einwohner; 1850 586; 1900 612; 1910 1005 (Bahnbau); 1950 541; 2000 401.

Bei Bos-cha wurden prähistorische Schalensteine ("Hexensteine"), bei Chanoua Keramik der Fritzens-Sanzeno-Kultur gefunden. Für Suotchastè ergaben die Untersuchungen eine Siedlungskontinuität von der späten Bronzezeit (Melauner Kultur) bis in die jüngere Eisenzeit (Fritzens-Sanzeno); auch die römische Zeit ist mit Funden vertreten. 1161-1310 sind Herren de Ardetz nachgewiesen. Die Herren von Tarasp, das Kloster Marienberg, der Bischof von Chur, die Grafschaft Tirol und die Vögte von Matsch hatten Besitzungen und Rechte in Ardez. Die Burg Steinsberg, zunächst Kirchenkastell (Kirche St. Luzi 1985 restauriert), ab dem 12. Jahrhundert Feudalsitz, ging vor 1209 durch Kauf an den Bischof von Chur über und bildete danach den bischöflichen Herrschaftsmittelpunkt. Sie wurde 1499 im Schwabenkrieg zusammen mit dem Dorf zerstört (Turm mehrmals restauriert). Die alte Pfarrei Ardez umfasste neben Ardez auch Guarda, Lavin, Susch sowie Galtür im tirolischen Paznauntal. Der Übertritt zur Reformation erfolgte 1538, der Neubau der Kirche 1576-1577. Das Dorf, 1622 von den Österreichern zerstört, kaufte sich 1652 von Österreich los und gehörte bis 1851 zur Gerichtsgemeinde Obtasna. Die Einwohner von Ardez betrieben Ackerbau und Viehzucht, kolonisierten die Weidegebiete um Galtür jenseits des Futschölpasses und exportierten bis Mitte des 19. Jahrhunderts Holz ins Tirol. Häufig stritten sie mit Ftan um die Grenze im Val Tasna und mit Tarasp um die Innbrücke. 1913 erhielt Ardez eine RhB-Station, 1978 eine Umfahrungsstrasse. Bereits 1939 wurde mit Güterzusammenlegungen begonnen. Das weitgehend intakte geschlossene Dorf wurde 1975 als eines der vier schweizerischen Musterdörfer im Rahmen des europäischen Denkmalpflege- und Heimatschutzjahres gewählt; danach wurden zahlreiche Restaurierungen durchgeführt. 1990 arbeiteten 58% der in Ardez Erwerbstätigen im 3. Sektor, der Rest verteilte sich auf Gewerbe und Landwirtschaft. Der rätoromanische Sprachanteil betrug 73%.

Quellen und Literatur

  • O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984
  • J. Claglüna, Ardez, Gemeindechronik, 41985
  • Bericht zur Réalisation exemplaire Ardez 1975-85, hg. von Stiftung Pro Ardez, 1986
  • N. Huhn, Galtür und Ardez, 1999
Von der Redaktion ergänzt
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Zitiervorschlag

Paul Eugen Grimm: "Ardez", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.12.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001520/2016-12-08/, konsultiert am 23.02.2024.