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Tschierv

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Kreis Val Müstair, Bezirk Inn, bildet seit 2009 mit Fuldera, , Müstair, Santa Maria Val Müstair und Valchava die neue Gemeinde Val Müstair. Das Gebiet von Tschierv erstreckte sich über den Ofenpass westlich bis nach Buffalora mitsamt dem 1918 dem Schweizerischen Nationalpark eingefügten Val Nüglia. Besteht aus den Häusergruppen Aintasom-Tschierv, Chasuras, Plaz und Orasom-Tschierv. 1432 Zirff, deutsch früher Cierfs (offizieller Name bis 1943). 1835 155 Einwohner; 1850 145; 1900 146; 1930 126; 1941 160; 1950 165; 2000 154.

Bei Cuvel zoppà fanden sich in einer Höhle hallstattzeitliche Scherben. Der Landesausbau im Spätmittelalter erfolgte vom Kloster Müstair aus. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden am Ofenpass und bei Buffalora bedeutende Mengen an Eisenerz abgebaut. 1471 wurde nach einigen Streitigkeiten zwischen dem Kloster Müstair und den Vögten von Matsch die erste Kapelle geweiht. Kirchlich gehörte Tschierv ursprünglich zu Müstair, ab Ende des 15. Jahrhunderts zu Santa Maria. Die Reformation wurde um 1530 eingeführt. Tschierv bildete 1654-1817 eine eigene Pfarrei, seither teilt sich Tschierv den Pfarrer mit Fuldera und Lü. 1762 kaufte sich das Münstertal von allen österreichischen Rechten frei. Als selbstständige Gemeinde organisierte sich Tschierv 1854. Landwirtschaftlich geprägt, pflegte Tschierv ab ca. 1960 einen sanften Tourismus (1976 Erschliessung des Gebiets Minschuns mit Skiliften). 2005 arbeiteten 78% der in Tschierv Erwerbstätigen im 3. Sektor.

Quellen und Literatur

  • Kdm GR 5, 1943 (19612), 285-287
  • Gem. GR
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Zitiervorschlag

Paul Eugen Grimm: "Tschierv", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.12.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001569/2016-12-09/, konsultiert am 20.04.2024.