de fr it

Klosters-Serneus

Politische Gemeinde des Kantons Graubünden, Region Prättigau/Davos, 1865 durch die Fusion von Klosters und Serneus entstanden, seit 2016 mit Saas im Prättigau. Die Gemeinde liegt zuoberst im Prättigau; sie besteht aus den Fraktionen Klosters Platz, Klosters Dorf, Selfranga, Äuja, Monbiel, Serneus, Mezzaselva und Saas im Prättigau. Die ursprüngliche Streusiedlung ist teilweise zusammengewachsen. 1222 ecclesiam sancti Iacobi, 1436 zuo dem Closter. 1850 1302 Einwohner; 1900 1555; 1930 2558; 1950 2978; 2000 3890; 2010 4650.

Ansicht eines Teils von Klosters von Süden, 1888. Fotografie von Gottfried Gassler, Davos (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich).
Ansicht eines Teils von Klosters von Süden, 1888. Fotografie von Gottfried Gassler, Davos (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich). […]

Eine bronzezeitliche Lanzenspitze wurde am Schlappiner Joch gefunden. Die Siedlung Klosters erwuchs im Spätmittelalter im Wesentlichen aus dem Hofverband der Propstei St. Jakob, teilweise auf Rodungsland. Einige Höfe verdichteten sich zu Weilern, so Brüggen mit Gewerbebetrieben am Mönchalpbach (1514 Klostermühle, Schmiede). Hinzu kamen Rodungshöfe vermutlich von Davos her eingewanderter Walser, vor allem an der linken Talflanke. Im Hochtal von Schlappin bestand neben der Alpnutzung bis ins 16. Jahrhundert eine walserische Dauersiedlung. Die Germanisierung war im frühen 16. Jahrhundert abgeschlossen. Die Grundherrschaft lag bei der zwischen 1208 und 1222 als Filiale Churwaldens gegründeten Prämonstratenserpropstei St. Jakob, gestiftet und bevogtet wohl von den Freiherren von Vaz. 1482 wurde die Pfarrkirche St. Lorenz von Saas im Prättigau der Propstei inkorporiert. Während der Reformation wurde St. Jakob 1526 aufgehoben, der Klosterbesitz säkularisiert und als Pfrundgut verwendet. Unsichere Spuren des Klosters sind im Haus südöstlich der reformierten Kirche, der ehemaligen Klosterkirche, auszumachen. Deren Turm datiert in das frühe 13. Jahrhundert, der Chor auf 1493. Die katholische Kirche wurde 1921-1922 errichtet und 1963 neu gebaut (2000 fast zwei Drittel reformiert, ein Viertel katholisch). Die Gerichtsgemeinde Klosters entstand aus dem Ammanngericht des Landesherrn (bis 1337/1338 Freiherren von Vaz, danach bis 1436 Grafen von Toggenburg, bis 1466/1470 Grafen von Montfort, 1477-1649 Habsburg-Österreich). 1436 verbündete sich Klosters mit den übrigen toggenburgischen Gerichten zum Zehngerichtenbund. Anlässlich eines Streits zwischen Romanisch- und Deutschsprachigen um das Ammannamt zog der österreichische Landesherr 1489 die Wahlbefugnis von der Gemeinde wieder an sich. Im Ancien Régime bestanden Rat und Gericht nebst dem Landammann aus einem Kollegium von 16 Geschworenen mit Weibel und Schreiber. Bis 1851 gliederten sich Gerichtsgemeinde und Hochgericht Klosters in Inner- und Ausserschnitz: Innerschnitz umfasste Klosters und Serneus, Ausserschnitz Saas, Conters, Küblis und die linke Talseite von St. Antönien. Danach gehörte Klosters (Klosters-Serneus ab 1865) als einzige Gemeinde zum Kreis Klosters im Bezirk Oberlandquart (bis 2000) bzw. zum Bezirk Prättigau/Davos (2001-2015). Die Zweiteilung des Hochgerichts äusserte sich in der abwechselnden Bestellung des Landammanns und in der Besetzung der Verwaltungsämter für die Bündner Untertanengebiete. 1803 wurden die beiden Teile vollständig getrennt. Der Innerschnitz gliederte sich in die nachbarschaftlichen Verbände der innersten, mittleren und äussersten Gemeinden, welche vor allem die Alpnutzung organisierten. Nicht beweidete Bergwiesen (Mähder) wurden unter Zurücksetzung der Beisässen zur privaten Nutzung ausgegeben. Neben Viehwirtschaft (Exporte nach Oberitalien) wurde im 15. bis 19. Jahrhundert auch Kornbau betrieben.

Aus der Aufhebung der Propstei 1526 war ein Rechtsstreit mit Habsburg-Österreich erwachsen. Nach mehreren vertraglichen Regelungen im 16. Jahrhundert sollte 1621 ein österreichischer Truppeneinfall die Restitution des Klosters erzwingen; den Brandschatzungen von 1621 und 1622 folgte 1623 eine Hungersnot. 1649 gelang schliesslich der Auskauf der landesherrlichen Rechte durch die Gerichtsgemeinde. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts grassierte der Hexenwahn mit ca. 50 Hinrichtungen im Hochgericht Klosters. Ein Bergsturz forderte 1770 in Monbiel 19 Todesopfer und zerstörte diverse Bauten. Silber, Blei und Eisen wurden im ausgehenden 15. und im 16. Jahrhundert, in kurzfristigen, erfolglosen Versuchen bis ins frühe 20. Jahrhundert verschiedenenorts abgebaut. Mit der Fertigstellung der Prättigauer Landstrasse 1861 nahm der Waren- und der Personenverkehr zu. Um 1870 setzte der Tourismus nach dem sogenannten Luftkurort Klosters ein: Bereits 1879 standen die ersten grossen Hotelbauten (Silvretta, Vereina). Durch die Linie Landquart-Klosters (1889) der Rhätischen Bahn (RhB) erfuhr der touristische Verkehr eine weitere Steigerung (1890 Gründung des Kurvereins). Nach der ersten Wintersaison 1904-1905 etablierte sich Klosters bald als Wintersportort. Von kriegsbedingten Rückschlägen in der Zwischen- und Nachkriegszeit erholte sich der Ort rasch: heizbares Strandbad 1921, Bergbahnen Gotschna 1950, Madrisa 1966. Die rege Bautätigkeit im Bereich der Parahotellerie in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde durch ein neues Baugesetz und den Zonenplan von 1973 geregelt. Der 1991 begonnene Vereina-Tunnel der RhB wurde 1999 dem Verkehr übergeben.

Quellen und Literatur

  • F. Hew, Geschichte meiner Heimat Klosters, 1945 (21965, unter dem Titel Klosterer Heimatbuch)
  • H. Plattner, Klosters, 1968
  • F. Hitz, M. Kasper-Kuoni, Die Kirche St. Jakob in Klosters, 1493-1993, 1993
Weblinks
Weitere Links
e-LIR
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1222: ecclesiam sancti Iacobi
1436: zuo dem Closter