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Frick

Politische Gemeinde des Kantons Aargau, Bezirk Laufenburg. Strassendorf (ursprünglich Haufendorf) an der Gabelung der Juraübergänge Bözberg, Staffelegg und Benken. Zentrumsgemeinde des oberen Fricktals. 1064 Fricho. 1768 495 Einwohner, 1850 1112; 1900 937; 1950 1589; 2000 4028.

Bedeutende Saurierfunde (ausgestellt im Sauriermuseum). In der Nähe (Wittnauer Horn) urgeschichtliche Befestigungsanlage, spätbronzezeitliche Funde. Der Name Frick (lateinisch-römisch ferraricia, Eisenerzgebiet) weist auf römischen Eisenerzabbau hin. Reste eines römischen Gutshofs aus dem 2. Jahrhundert fanden sich an der Hauptstrasse, Reste eines kleinen Kastells aus dem frühen 4. Jahrhundert zum Schutz der Heerstrasse Vindonissa-Augusta Raurica unterhalb des Kirchhügels. Auf demselben wurde um 370 eine neue Befestigungsanlage errichtet. Die Funde im Bereich Oberdorf lassen auf eine grosse römische Siedlung aus dem 1.-4. Jahrhundert schliessen. Gräberfunde auf dem Kirchhügel weisen auf eine alemannische Besiedlung hin. Der Kern der mittelalterlichen Siedlung gruppierte sich um den Kirchhügel. Vom ältesten Zentrum – einer Kirchenburg – zeugt noch der ummauerte Kirchenbezirk. Nach dem Brand im Dorfkern 1734 wurde dieser nur teilweise wieder aufgebaut. Die Siedlung konzentrierte sich fortan entlang der Bözbergstrasse.

Vom Hochmittelalter an war Frick das Herrschaftszentrum der Grafen von Homberg-Thierstein. Bekannt ist auch ein Dienstadelsgeschlecht von Frick. Um 1230 gelangte Frick an die Habsburger und bildete zusammen mit Gipf, Oberfrick und teilweise auch mit Oeschgen die Vogtei Frick (auch Homburgeramt genannt). Der Homburger Vogt war gleichzeitig Obervogt der Landschaft Fricktal. Mit dieser stand die Vogtei nach der Reichsreform von König Maximilian I. bis 1797 unter der landesherrlichen Verwaltung des Oberamtes Rheinfelden. Die Vogtei besass Sonderrechte (Vogtwahl und Vogtsiegel). Die Dorfschaft Frick war als Teil dieser Gerichtsgemeinde zusammen mit Gipf und Oberfrick Inhaberin von Twing und Bann. Die Genossen der Vogtei gliederten sich in die Oberschicht der Vollbauern, an deren Spitze die Vogtfamilien standen, sowie in die Halbbauern und die Tauner, die in der frühen Neuzeit zahlenmässig die grösste Gruppe stellten. Ausserhalb der Genossenschaft und praktisch rechtlos lebten die Hintersassen. 1803 gelangte Frick mit dem ganzen heutigen Fricktal zum Kanton Aargau. 1804 wurden die Gemeinden Frick und Gipf-Oberfrick gebildet. Die Kirche St. Peter und Paul liessen wohl die Grafen von Homberg als Eigenkirche im Hochmittelalter erbauen. Im Dreissigjährigen Krieg wurde das Dorf mitsamt der Kirche zerstört. Mitte des 14. Jahrhunderts gelangte der Kirchensatz an das Frauenkloster Steinen in Basel, 1492 an das Deutschordenshaus Beuggen. Der heutige Barockbau stammt von 1716, die reformierte Kirche von 1910. Die reformierte Kirchgemeinde umfasst zehn Gemeinden und die Pfarrämter Frick und Gipf-Oberfrick. Die katholische Kirchgemeinde, bestehend aus Frick und Gipf-Oberfrick, ist seit 1953 eine eigene Pfarrei.

Die vorindustrielle Wirtschaft basierte zunächst auf der Landwirtschaft (Ackerbau und Rebbau), profitierte aber auch von der günstigen Verkehrslage am Fusse dreier wichtiger Pässe. Die Tonvorkommen wurden von einer Ziegelei genutzt. 1701 erlangte Frick das Marktrecht für drei Viehmärkte im Jahr und einen Wochenmarkt. Im 18. Jahrhundert führten Basler Verleger die Heimarbeit (Seidenbandweberei) ein. Noch 1850 hatte Frick grossen Anteil an der Auswanderungswelle in der Folge von Ernteausfällen. Der Anschluss an die Bözbergbahn 1875 verbesserte die Verkehrslage. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedelten sich die ersten Industrieunternehmen an. Seit dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Siedlungsbild durch Überbauungen mit Wohn- und Industriebauten. 2000 arbeiteten in Frick ca. 40% der Beschäftigten im 2. und 54% im 3. Sektor.

Quellen und Literatur

  • H. Ammann, A. Senti, Die Bez. Brugg, Rheinfelden, Laufenburg und Zurzach, 1948, 85-87
  • A. Senti, «Vogtei und Gem. Frick im 17. und 18. Jh.», in Vom Jura zum Schwarzwald 22, 1948, 3-56
  • Frick gestern und heute, 1985-
  • ISOS AG 1, 1988, 269-279
Von der Redaktion ergänzt
  • Hunziker, Edith; Ritter-Lutz, Susanne: Der Bezirk Laufenburg, 2019, S. 387-388 (Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, 10). 
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Dominik Sauerländer: "Frick", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.04.2006. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001735/2006-04-18/, konsultiert am 01.10.2022.