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AarburgGemeinde

Stadt und Festung Aarburg um 1750. Radierung von Johann Melchior Füssli (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner).
Stadt und Festung Aarburg um 1750. Radierung von Johann Melchior Füssli (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner).

Politische Gemeinde des Kantons Aargau, Bezirk Zofingen. Mittelalterliches Städtchen in der Aareklus zu Füssen der gleichnamigen Burg und Festung, vorgelagert eine seit dem Mittelalter bestehende, nie befestigte Vorstadt entlang der Aare sowie ausgedehnte Industriequartiere des 19. und 20. Jahrhunderts. 1123 Areburc. Um 1400 ca. 180 Einwohner; 1764 569; 1798 1029; 1850 1700; 1900 2300; 1970 5943; 2000 6263.

Keltische Münzfunde. In römischer Zeit führte eine Strasse von Olten in die Innerschweiz über Aarburg (Münzdepot des 3. Jh.), später die Nord-Süd-Verbindung von Basel über Olten nach Luzern (seit 1856 auch per Bahn). Die Burg auf dem Felssporn über der Aareklus, die sich als Zoll- und Übersetzstelle anbot, wurde erstmals indirekt erwähnt mit der Nennung des frohburgischen Grafen Adelbero von Aarburg 1123. Die Frohburger verkauften die mit Dienstmannen (sogenannte Freie von Aarburg) besetzte Burg und die zugehörige Herrschaft 1299 den Herzögen von Österreich. Von der Siedlung am Fuss der Burg ist in älteren Quellen nicht die Rede. Erst 1330 wird sie explizit als Stadt bezeichnet; zu spät, um ― wie früher angenommen ― eine frohburgische Gründung zu sein. Archäologische Erkenntnisse stützen diese These; ein für die Stadtanlage wichtiger Bau wurde jüngst auf 1312 datiert. Hoch- und Niedergericht gehörten den Inhabern der Burg. Nur je 3-4 km von den blühenden frohburgischen Kleinstädten Zofingen und Olten entfernt, blieb für Aarburg nur ein enger Wirtschaftsraum. Aarburg wuchs daher nicht über die Grösse eines Zwergstädtchens hinaus. Die Aareschifffahrt besass bis zum Aufkommen der Bahn um 1860 eine hohe wirtschaftliche Bedeutung (Höhepunkt 1600-1750). Der südlich des Städtchens gegen die Fliessrichtung der Aare einmündende Bach Tych verursacht am Aareknie einen kreisenden Strudel (sogenannte Waage), der einen natürlichen Flusshafen bildet (Hafen 1361, Fahr 1431 erwähnt). Hier wurden vor allem Wein und Salz umgeschlagen und durchs Wiggertal ins Luzernische geführt. Das Holz der grossen Waldungen südlich der Aare wurde hier zu Flössen gebunden.

1415 nach kurzer Belagerung in bernischen Besitz gebracht und ab 1416 als Landvogteisitz verwendet, wurde die Burg nach dem Bauern- und Ersten Villmergerkrieg 1659-1673 zur Festung umgebaut, die sich mit gestaffelten Werken über den ganzen Grat hinzog und bis ins 18. Jahrhundert Erweiterungen erfuhr. Am 10. März 1798 wurde sie kampflos den Franzosen übergeben. Das als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestufte Bauwerk diente im 19. Jahrhundert als kantonales Zeug- und Zuchthaus und ist seit 1893 Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Nach einem Stadtbrand 1840 wurde die keilförmig zwischen Burgfelsen und Fluss eingepasste Altstadt wiederaufgebaut, ohne die schmale Nordflanke mit den Hauptbefestigungen. Kirchlich zählte Aarburg bis 1484 zur Grosspfarrei Zofingen und bildet seither ein eigenes Kirchspiel. Die 1840 ebenfalls eingeäscherte Kirche stand an der Stelle einer früheren Burgkapelle am Aufstieg zur Burg und wurde 1842-1845 als neugotische Saalkirche mit Doppelturmfassade durch Johann Jakob Heimlicher neu errichtet. Seit dem 19. Jahrhundert siedelten sich Industriebetriebe verschiedener Branchen an, anfänglich vor allem der Textilindustrie (erste Fabrik 1824), vermehrt wieder seit der Erstellung der Nationalstrassen A1 und A2, die sich 2 km südöstlich von Aarburg verzweigen. Aarburg ist stark industriell geprägt und weist seit 1950 etwa gleich viel Arbeitsplätze wie Erwerbstätige auf. 1920-1980 betrug der Anteil der Arbeitsplätze in der Industrie stets zwischen 56% und 69%, 1990 noch 47% (1. Sektor 1%, 3. Sektor 52%). Eine Bezirksschule besteht seit 1836. Aarburg gehört heute zur Agglomeration Olten und bildet gleichzeitig mit Rothrist, Oftringen und Zofingen einen eigenen Siedlungsschwerpunkt im untersten Wiggertal.

Quellen und Literatur

  • J. Bolliger, Aarburg, 1970
  • P. Frey, «Der Kernbau der Alten Post in Aarburg», in ArS 12, 1989, 78-85
  • A. Bickel, Zofingen von der Urzeit bis ins MA, 1992, 476-480
  • A. Hüssy et al., Festung Aarburg, 1994
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Andreas Steigmeier: "Aarburg (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.06.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001810/2009-06-23/, konsultiert am 26.09.2022.