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Ghirone

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Tessin, Bezirk Blenio, bildet seit 2006 mit Aquila, Campo (Blenio), Olivone und Torre die neue Gemeinde Blenio. Ghirone umfasste die Weiler Baselga, Cozzera und Aquilesco. 1200 Agairono. 1682 370 Einwohner (mit Buttino); 1836 162 (mit Buttino); 1860 111; 1900 81; 1910 100; 1950 70; 1960 340 (Bau der Luzzone-Staumauer); 1970 64; 2000 44; 2005 40.

Ghirone: Situationskarte 2005 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.
Ghirone: Situationskarte 2005 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.

1334 erwarb das Kloster Disentis grundherrliche Rechte in Ghirone, das zur Vicinanza Aquila gehörte; 1803 erfolgte der Zusammenschluss mit der gleichnamigen Gemeinde. 1836 trennte sich Ghirone von Aquila und gründete mit Buttino zusammen eine eigene Gemeinde. Buttino ist schon im 13. Jahrhundert als autonome Körperschaft belegt und war bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts bewohnt. Die beiden Gemeinden schlossen sich 1842 bzw. 1846 ein zweites Mal mit Aquila zusammen. 1853 erfolgte eine erneute Trennung. Die Bürgergemeinde (patriziato) Ghirone-Buttino entstand 1914. Die erstmals 1215 erwähnte Kirche Santi Martino e Giorgio wurde um 1700 umgebaut. Die Pfarrei trennte sich 1758 von Aquila und wurde selbstständig. Wie für die anderen Gemeinden des Tals stellte die schon in der frühen Neuzeit intensive Auswanderung in europäische Länder (Kastanienröster, Dienstboten, Kellner) eine bedeutende Einnahmequelle dar und führte zu einem ständigen Bevölkerungsschwund. Ende der 1950er Jahre wurde auf einem weiten Gebiet, das den Bürgergemeinden von Ghirone und Aquila gehörte, die Luzzone-Staumauer erbaut (1995 und 1999 erhöht), die der Stromerzeugung mittels Wasserkraft dient. Die für den Bau der Staumauer angelegte neue Strasse mit dem Tunnel von Toira wurde 1958 eröffnet und gab dem Winter- und Sommertourismus, zusammen mit der Entwicklung eines Wintersportzentrums (gemeinsam mit Campo Blenio), entscheidenden Auftrieb. Die Viehzucht, die jahrhundertelang der Haupterwerbszweig war, ist hingegen stark zurückgegangen.

Quellen und Literatur

  • MDT, Ser. 3
  • M. Vicari, Valle di Blenio 1, 1992
  • L. Solari, Blenio: una valle a confronto, 1998
  • Comune di Ghirone, 1853-2003, hg. von F. Ferrari, 2003
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Fiorini, Sonia: "Ghirone", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 05.03.2021, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002053/2021-03-05/, konsultiert am 26.01.2022.