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Torre

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Tessin, Bezirk Blenio, bildet seit 2006 mit Aquila, Campo (Blenio), Ghirone und Olivone die neue Gemeinde Blenio. Torre liegt im mittleren Bleniotal auf rund 800 m Höhe östlich des Grumascio. 1927 fusionierte es mit Grumo. 1182 Turre. 1567 20 Feuerstätten in Torre und 13 in Grumo; 1682 176 Einwohner; 1798 119; 1836 146; 1850 143; 1900 167; 1950 287; 1970 229; 2000 282; 2005 288.

Torre: Situationskarte 2005 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.
Torre: Situationskarte 2005 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.

Im Mittelalter gehörte Torre zur sogenannten fagia di mezzo oder fagia di Aquila, einem der drei Steuer- und Wahlkreise des Bleniotals. Nach der Zerstörung der Burg Serravalle um 1180 liess Alcherio da Torre in der Nähe des Dorfs die Burg Curtero errichten. Um die Macht dieser Familie einzudämmen, kam es 1182 zum Schwur von Torre. Auf das wichtige Bündnis gegen den Adel zwischen den Talleuten von Blenio und Leventina folgte die Belagerung und Schleifung der Burg. In der Folge teilte Torre das Schicksal des Bleniotals. Die Pfarrei Torre umfasst auch Grumo und seit 1927 Lottigna, das bereits bis 1555 dazugehört hatte. Die im 12. Jahrhundert erstmals erwähnte Pfarrkirche Santo Stefano wurde 1732 grösstenteils neu gebaut. Von der frühen Neuzeit an lebten die Einwohner von Torre von der Land- und Weidewirtschaft, daneben von der vor allem saisonalen Auswanderung von Chocolatiers. An der Grenze zwischen Dangio und Torre gründeten die Brüder Ernesto und Alfonso Cima 1904 die Fabrique de chocolat Cima Frères, die Giuseppe Pagani 1913 aufkaufte und in Chocolat Cima SA umbenannte (ab 1930 Chocolat Norma-Cima SA, häufig Cima-Norma genannt). Das Unternehmen beschäftigte in den 1950er Jahren rund 340 Personen, darunter zahlreiche Einwohner von Torre, die dank dieses Nebenerwerbs ihr Einkommen aus der Landwirtschaft aufbesserten. 1968 schloss das Unternehmen nach einer langen Zusammenarbeit mit Coop seine Tore. Die Gebäulichkeiten wurden daraufhin zum Teil für kommerzielle und touristische Zwecke umgenutzt. Ab den 1970er Jahren entwickelte sich Torre allmählich zur Wohngemeinde.

Ansicht der Schokoladenfabrik Cima-Norma, um 1930. Abzug von einem Glasplattennegativ von Herbert Rüedi (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Bellinzona).
Ansicht der Schokoladenfabrik Cima-Norma, um 1930. Abzug von einem Glasplattennegativ von Herbert Rüedi (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Bellinzona). […]

Quellen und Literatur

  • MDT, Ser. 3
  • F. Ambrosetti et al., Blenio 71, 1972
  • Torre, hg. von V.F. Raschèr, M. Frasa, 1983
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Mario Fransioli: "Torre", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 05.03.2021, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002064/2021-03-05/, konsultiert am 05.07.2022.