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Osco

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Tessin, Bezirk Leventina, seit 2012 Teil der Gemeinde Faido. Osco liegt auf einer Höhe von 1157 m auf der linken Seite der Leventina, am Rand einer Terrasse über der Schlucht des Monte Piottino und umfasste die Fraktionen Vigera, Brusgnano und Freggio. 1171 Hoscho, 1237 Osco. 1237 59 Feuerstätten; 1567 78; 1745 366 Einwohner; 1850 452; 1900 285; 1950 188; 2000 168; 2010 127; 2011 127.

Osco: Situationskarte 2011 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.
Osco: Situationskarte 2011 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.

In Freggio und Brusgnano stiess man auf Gräber der Golaseccakultur (6. Jh. v.Chr.). Osco bildete eine der drei Degagne der Nachbarschaft Faido und war als solche gemäss der Satzung (statuti) von 1237 – der ältesten der Alpenregion, in der Saumrechte geregelt wurden – an der Organisation des Transitverkehrs beteiligt. Die 1171 erwähnte Kirche San Maurizio, deren heutiges Erscheinungsbild angeblich auf einen Neubau von 1673 zurückgeht, unterstand bis zur Ablösung 1602 der Pfarrkirche San Siro in Mairengo. Danach war Osco eine selbstständige Pfarrei. Der Saumweg über den Gotthard führte durch den südlichen Teil Oscos und überwand die Schlucht des Monte Piottino in der Nähe der alten Sust (Ruinen). Nach 1550 liess Uri eine neue Strasse bauen. Die kantonale Fahrstrasse von 1819 folgte dem alten Trassee und wurde durch einen 1934 fertig gestellten Tunnel ersetzt. Die Bewohner von Osco lebten vor allem von der Viehzucht sowie der Alpwirtschaft im Bedrettotal (Alp Cruina) und auf der Nordseite des Lukmaniers. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerungszahl wegen der Auswanderung (v.a. als Köche, Gesellen, Wirte und Hoteliers) stark ab. Die Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Zweitwohnsitze, unter anderem Herrschaftshäuser mit Gärten, kompensierten den Rückgang nur teilweise. 2005 arbeiteten 62% im 1. Sektor. 2004 hatten die Stimmberechtigten einen Zusammenschluss mit Faido und anderen Gemeinden der mittleren Leventina noch abgelehnt.

Quellen und Literatur

  • MDT, Ser. 1
  • R. Broggini, «Gli "ordini" di Osco», in Rivista patriziale ticinese, 1976, Fasz. 1 und 2, v.a. 1-7
  • G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990
  • ISOS TI, 6, 2005, 163-174

Zitiervorschlag

Mario Fransioli: "Osco", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.03.2021, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002079/2021-03-03/, konsultiert am 11.08.2022.